‹ Loggbok

Seite 28


Über Heißhunde

Es gibt Tätigkeiten, die mir auch nach fast 40 Jahren Existenz nicht gelingen. Das unfallfreie Essen von Hotdogs gehört dazu. Wann immer die Liebste dieses Essen anregt, rolle ich innerlich die Augen und verfluche mein Ungeschick. Heute war ich unglücklicherweise auch noch für die Vorbereitungen abgeordnet, die Brötchen sind direkt misslungen. Erstaunlicherweise konnte ich aber drei (!) Hotdogs ohne Zwischenfälle zu mir nehmen, wenn man mal das groß angelegte Beschmieren der Mundpartie ignoriert. Dennoch werden die Heißhunde und ich niemals große Freunde werden, das gilt auch für Döner, Wraps und andere “Kann man ja mal eben aus der Hand essen”-Speisen.

Der Delay in der beruflichen Welt ist inzwischen aufge- und verarbeitet, ein gutes Gefühl. Morgen ist ein Kunde auf einer “internen Veranstaltung”, das schafft nochmals Freiraum und Gelegenheit, Weichen zu stellen. Ansonsten gilt es, Folgeprojekte zu akquirieren und neue Konzepte auf Folien zu bannen. Manchmal ärgere ich mich, dass ich das strategische nicht so gut vom operativen Denken trenne, gleich Umsetzungsprobleme wittere und dadurch konzeptuell nicht so groß denke wie gern gesehen. Vielen Großprojekten im Land würde aber eine Prise Realismus gut tun, der Stammtisch hätte weniger Grund zur Klage. Könnte doch einfach sein, oder?

Mein Realschulabschluss jährte sich die Tage zum 22. Mal (Entschuldigung, aber WTF?) und scheinbar dachten sich ehemalige Klassenkamerad:innen, dass dies eine gute Gelegenheit für ein Wiedersehen wäre. Erstaunlicherweise hat man auch an mich gedacht und mir auf mehreren Wegen signalisiert, mich doch in eine eigens dafür eingerichtete WhatsApp-Gruppe zu begeben. Meine Gefühlslage ist ambivalent, die Zeit mit ihren Geschehnissen hätte aus meiner Perspektive für einen mitteltraurigen Charlie Brown als Heranwachsenden-Spinoff genügt. Natürlich habe ich mehr als genug Abstand gewonnen und kann das Damalige besser einordnen. Aber in Erinnerungen schwelgen bedeutet für mich in dem Fall etwas Anderes als für manch andere Person, eher ein Umgehenwollen von Remineszenzen. Immerhin ist es kein verpflichtender Schulbesuch, sondern eine freiwillige Geschichte und ich kann nochmal in mich gehen. Vielleicht sollte ich einfach nicht so hart zu mir und vor allem Anderen sein.


Von Belastungen und Proben

Die Woche verging wie an Bord eines Düsenjets. Arbeitstechnisch war eine Menge los und ich startete vier Tage in Folge gegen acht Uhr, um der Flut an Aufgaben irgendwie Herr zu werden. Einige Themen erledigten sich in Wohlgefallen, andere bedürfen noch einer operativen Behandlung. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich alles so regeln wird, dass das Geschehen wieder vor und nicht mehr hinter mir passiert und ich nicht mehr getrieben agieren muss. Ein Kunde meinte Freitag zu mir, ich sei ein echter Sympathieträger. Dieses Kompliment hallt noch in mir nach, vermutlich wird es das länger tun.

Diese Woche war die Erste seit Längerem, in der es keine krisenähnliche Situation gab. Im Gegenteil, es gibt Zeichen, dass es voran geht. Dieses Wochenende fand eine sogenannte “Belastungsprobe” statt, das klingt drastischer als es eigentlich ist - und es ging alles gut. Auch das war nur ein erster Schritt, es wird weiter Höhen und Tiefen geben. Aber es fühlt sich sowohl aus Sicht der Liebsten als auch aus meiner an als wäre das tiefe Tal durchschritten. Das alles nach knapp dreieinhalb Wochen sagen zu können ist ein tiefes Glück. Nun müssen wir alle miteinander die Geduld weiter aufrechterhalten.

Das Vereinigte Königreich hat sich mit der Wahl am Donnerstag vom Joch der inkompetenten Tories befreit und nach 14 Jahren wieder Labour in Regierungsverantwortung gewählt. Ich bin immer wieder fasziniert von diesen Eigenheiten des britischen Parlamentarismus und der Geschwindigkeit, wie schnell vom alten zum neuen Premier gewechselt wird. Das bedarf viel nicht gesehener Vorbereitung, die Konzepte müssen vorm möglichen Wahlerfolg stehen. Ob Sir Keir Starmer es schnell besser machen kann, vermag ich nicht zu sagen. Sicher ist, dass es viel zu tun gibt und das Land ähnlich wie damals nach der Ära Thatcher in großen Zügen saniert werden muss. Kurzum: Man wünscht viel Glück, das Schicksal tauschen ist jedoch undenkbar.

Weil das Abstammungsthema bei uns immer wieder angerissen wird und die Liebste dann äußert, dass ich doch prüfen solle, wie ich denn an einen britischen Pass käme (ich bin durch meinen Vater berechtigt), habe ich am Wochenende nachgesehen. Nun weiß ich, was mein Vater mit der Bemerkung meinte, dass Brite zu sein eine Menge Geld koste. 1.500€ kostet die Einbürgerung inklusive Sprach- und Wissenstests. Und ich kann mich noch dunkel erinnern, dass die Dokumente meines Vaters bei jeder Erneuerung auch einen ordentlichen Satz kosteten. Dagegen sind die Gebühren in Deutschland gering, ich möchte mich darüber nie wieder aufregen.

Ob ich das Thema Pass angehe? Ich vermag es nicht zu sagen - es gibt ein Stück Sehnsucht in mir, dass meine Wurzeln erkunden will, ihnen zugehörig sein möchte. Je älter ich werde, desto mehr nimmt dieser Gedanke Platz ein. Gleichzeitig ist aber hier alles, was ich bisher er- und gelebt habe. Wie bekomme ich das überein, wie verbinde ich Herkunft? Und wie stelle ich sicher, dass meine Erwartungen und Vorstellungen realistisch sind, sie nicht enttäuscht werden? Für mich ist dieser Teil Heimat bisher so weit weg von meiner Lebensrealität gewesen, dass es fast mythische Ausmaße hat. Aber wenn ich es nie erprobe - wie werde ich je erfahren, wie es sein wird?


Stift happens

uni-ball eye ocean care in blau

Als Linkshänder hat man in der Regel nur sehr ungute Schulerinnerungen, wenn es um das Thema Schreiben geht. Füller sind der natürliche Feind jedes mit dominanter linker Hand Agierenden, mein Vater wurde in der Schule mit Schlägen und anderen Demütigungen zum Rechtshänder gemacht. Als Kind der 80er blieb mir das glücklicherweise erspart, der Füller jedoch nicht. Und seitdem war Schreiben immer ein Elend für mich, Kugelschreiber lösten das Problem zwar ohne Verschmieren, das Schriftbild litt aber.

Inzwischen bin ich in einem Alter, wo ich mir gerade beruflich Aufgaben oder erlangte Informationen schnell aufschreiben muss, um diese nicht gleich wieder gedanklich in die Elbe zu werfen. Da hat sich mein Chef unbewusst als Tippgeber für gute Stifte entpuppt. Er setzt seit Längerem auf uni-ball eye-Tintenroller und so hatte ich auch die Chance, diese auszuprobieren. Das ist bald drei Jahre her und ich bin immer noch sehr zufrieden. Gerade die fine-Variante funktioniert hervorragend für mich und man kann mein Geschmiersel auch wieder besser lesen.

Die Tage entdeckte ich die Sonderedition “ocean care” im örtlichen REWE (der Stift ist aus 75% recycletem Plastik, 10% davon aus Müll, der sich in Ozeanen fand), welcher in einem schönen, kräftigen Blau gestaltet und mit entsprechender Tinte gefüllt ist. Damit habe ich den ultimativen Stift für mich gefunden, der auch noch einen Beitrag für die Umwelt leistet. Für jemanden wie mich, dessen Behausung nahe am Wasser gebaut ist, gibt es keine bessere Wahl.


Fidel Astro

Ich schrieb ja gestern dass ich mich im Zuge einer Horizonterweiterung mit Astro auseinander setze. Es gibt in der Dokumentation einen kleinen, aber sehr effektiven Kurs, anhand dem man sich eine kleine Seite mit Blog, Tag-Konstruktion und RSS-Feed bauen kann und so lernt, wie die Elemente zusammen funktionieren. Den Kurs habe ich in zwei Feierabenden durchgearbeitet und habe einen guten Eindruck bekommen, wie die Funktionsweise so ist.

Kurzum: Ich mag es. Sehr. Aber Jekyll ist so gewohnt, es ist leicht und die Struktur atme ich seit über zwei Jahren. Zudem habe ich in dieses Blog technisch schon so viel gesteckt, dass ich das nicht einfach so drangeben möchte. Auch wenn Astro Dinge kann, die ich mit Jekyll vermutlich nicht in der Qualität abbilden werden kann. Aber es ist wie so oft im Leben: Warum will ich das Kreuzfahrtschiff, wenn ich agil mit meiner kleinen Segeljolle voran kommen kann? Und so wird Astro immer wieder mal meinen Weg kreuzen, ich werde mich daran erfeuen - doch die Basis bleibt Jekyll. Weil ich es beherrsche. Und das ist ja auch etwas.


Spiel's nicht nochmal, Sam!

Ich gehöre ja zur Gruppe Menschen, die sich für Technologie begeistern können. Beim Thema KI bin ich aber sehr skeptisch, weil die Risiken noch nicht überblickbar sind und einige neunmalkluge Menschen mit Geschäftssinn gar nicht so sehr die Entwicklung, sondern die eigenen Gewinne im Kopf haben. Wasser auf den Mühlen meiner Bedenken ist das Interview mit Sam Altman in der Süddeutschen Zeitung (Paywall), der unter Anderem folgende Bemerkung raushaut:

„Künstliche Intelligenz wird uns vermutlich alle töten, aber bis dahin wird sie wirklich nützlich sein.“

Das klingt nach einem total klugen Plan, die Dinge einfach weiter ihren Lauf und die Menschheit dafür terminieren zu lassen. Nur aus dem Grund, für irgendwelche Shareholder glänzende Profite zu erzielen - damit diese sich auf interstellare Latifundien retten können. Ganz ehrlich: Wenn uns als Spezies nichts Besseres als die Selbstausrottung einfällt (kriegen wir ja beim Klimawandel auch schon hin), dann haben wir es nicht besser verdient. Aber tut mir einen Gefallen und lasst mich mit eurem Irrsinn in Ruhe, ich will gerne noch ein paar gute Jahre haben.


← Ältere Beiträge Neuere Beiträge →