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Hast du gehört, was der Hallervorden gesagt hat?

fragt mich die Liebste. Nein, habe ich nicht. Ignoranz ist der beste Bullshit-Filter, immer anwendbar und sehr zuverlässig.

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So richtig denken

Auf seinem Blog stellt Thomas die Frage, wann wir Lesenden denn das letzte Mal so richtig hart nachgedacht hätten. Eine angesichts der pandemischen Ausbreitung an Nutzung von KI-Modellen sicherlich berechtigte Frage - aber von welcher Dimension sprechen wir denn?

Der Denkprozess erfordert einen wesentlichen Parameter: das Ziel. Dabei kann bidirektional gedacht werden, ob vom Ausgangs- oder vom Endpunkt. KI-Nutzung entkoppelt von dieser Fähigkeit, da sie Abwägungsprozesse und Risikenbewertung glättet und damit die Komplexität von Entscheidungssituationen abkappt. Das rächt sich bei völliger Übernahme der Ergebnisse. Die besondere Gefahr liegt dabei in der Ungeduld, also der unmittelbaren Erwartung von konkreten Strategien oder Umsetzungsarbeiten zur Bewältigung von Herausforderungen. Hegel führte dazu aus, dass Ungeduld das Unmögliche verlange - nämlich die Erreichung des Ziels ohne die Mittel. Diese Mittel verfügt auch nicht die KI, sie summiert nur Wissenszustände aus verschiedentlichen Quellen.

Die Notwendigkeit, hart zu denken ergibt sich auch aus der gestellten Aufgabe: Muss ich eine kurzfristige Entscheidung ohne große Konsequenzenrisiken treffen (Sehr triviales Beispiel: Was essen wir heute Abend?) oder im Verlauf eines Projekts nach Eintreten eines Problems den weiteren Prozess reevaluieren - eingedenk aller Kommunikations- und Prozessschritte. Zudem kommt der Aspekt, ob hartes Denken überhaupt sinnvoll ist: Entscheidungen können durch Abwägen jeder Granularität auch zerdacht werden und die Entscheidung sich im späteren Verlauf als schädlich erweisen. Diese Einschätzung ist Teil eines Denkprozesses, aber hier kommt es auf die Perspektive und die Rolle in der Aufgabe sowie die pragmatische Handhabbarkeit an.

Mein persönlicher Ansatz ist, mir immer das Ziel kurz klar zu machen: Was möchte ich erreichen, wie ist für eventuell Beteiligte der beste Ausgang bzw. der gangbarste Kompromiss? Daraus leiten sich Abwägungen und Risiken gut ab und ich kann je nach Schwere der Entscheidung mit Pro/Contra-Einschätzungen eine zu dem Zeitpunkt fundierte Entscheidung treffen. Die Zeit fürs Durchdenken nehme ich mir bewusst, aber so wie es in den Ablauf passt. Das kann auch in Alltagssituationen sein, in denen ich mechanisch Tätigkeiten ausführe und Denkkapazität anderweitig nutzen kann.

In der Bewertung bin ich mir mit Thomas aber einig: Nachdenken macht Spaß und kann gut gesteuert Wirkung erzeugen. Im Zweifel auch gemeinsam, so werden Perspektiven unterschiedlicher Art berücksichtigt und die Lösung bessser.


Nach der Diskussion um Rivva nahm Frank heute nochmal zehn Cent in die Hand und warf sie in den Fluss, um Klarheit zu schaffen - mit der gleichzeitigen Bitte um Feedback. Ich habe mich in den letzten Tagen schon allein aus Kapazitätsgründen nicht eingehend mit der Thematik befasst, aber die Diskussion latent mitverfolgt und würde auch gern meine Gedanken teilen.

Für mich ist nicht klar, wofür denn jetzt konkret Unterstützung erbeten ist. Der aktuelle Post liest sich nach der Bitte, das Hosting zu subventionieren. Die Summe von zehn Cent pro Tag vermittelt zumindest den Eindruck. Bisher verstand ich aber, dass es um die Weiterentwicklung ging, für die nicht das aus Franks Sicht notwendige Backing vorhanden ist. Gleichzeitig verspüre ich auch, dass bisherige Unterstützer:innen keinen Mehrwert in Form von Transparenz an der Weiterentwicklung sehen und somit ihren Zufluss stoppten.

Nicht nur ich wäre bereit, partizipativ an einem neuen Rivva mitzuwirken - aber der Fluss braucht wahrnehmbare Klarheit. Und auch den geebneten Verlauf, der Menschen zur Mitwirkung als Landschaftspfleger:innen motiviert.

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Alles auf Effizienz

Selbstoptimierung ist nichts Anderes als Selbstbetrug. Sie gaukelt einem vor, dass man in der gleichen Zeit viel mehr Dinge schaffen kann. Am Ende ist man vielleicht vordergründig leistungsfähiger, niemand sieht aber den dafür nötigen administrativen Aufwand oder die körperlichen Grenzen, die dafür überschreitet werden. Oder die Reibungen, die im interdisziplinären Austausch entstehen - weil Verantwortungen die ganze Zeit hin und her geschubst werden und daraus bei allen ungute Gefühle entstehen.

Wir jagen wie Kleinkinder zu Weihnachten den Glücksgefühlen im Alltag hinterher, bestellen uns ach so praktische und gleichzeitig sinnlose Helferchen in Form von Geräten ins Haus. Diese sollen banale Aufgaben lösen, kosten am Ende aber mehr Zeit und bringen kein wesentlich besseres Ergebnis zu Tage. Dabei hören wir ewig lange Sprachnachrichten auf 1,5facher Geschwindigkeit und müssen uns Informationen zusammen puzzeln, die mit 25 Sekunden Telefonat bereits verständlich ausgetauscht wären. Unser Privatleben wird in delegierbare und persönlich verpflichtende Aufgaben priorisiert, Routine wird zur Abarbeitungsschlange mit kritischem Blick auf Aufwand und Ertrag.

Dabei verbiegen wir uns tagtäglich gegen jede Natur und erkennen situativ gerne an Feiertagen mit darum garnierten Urlaub oder in Momenten der inneren Zweifel: Was wir da tun, ist eigentlich völliger Wahnsinn. Nur um dann nochmals durchzuatmen und kurz darauf das Hamsterrad mit der gleichen fröhlichen Energie zu besteigen. Das nennen wir Pflichtbewusstsein. Dabei hoffen wir, dass uns segensreiche Erfindungen wie KI oder andere Automatismen ohne große Vorleistung unterstützen. Denn unser Alltag ist ja so beschwerlich.

Die Wahrheit ist, dass uns all das von dem entkoppelt, was wirklich effizient ist: Entscheidungen treffen, was uns wirklich wichtig ist. Dafür auch in Kauf zu nehmen, dass Ressourcen knapper sein könnten oder unsere Zeit sich anders staffelt, weil wir sie anders einsetzen. Nah an dem zu sein, was die wirklich wesentlichen Eckpfeiler unserer Leben ist und für das den Raum setzen, was uns gut tun und glücklich macht. All work and no play makes Jack a dull boy. Wir sind nicht dafür da um nur zu funktionieren. Aber dafür, ein selbstbestimmtes Leben mit viel Platz für das Wertvolle zu führen.


Unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, alles zu verstehen. Wichtig ist, dass wir Werte haben und uns das gewisste Stück Menschlichkeit nicht abgeht. Empathie zum Beispiel und die Fähigkeit, anderen zuhören zu können. Darauf zu schauen, was uns als Gemeinschaft zusammen hält. Und nicht auf das, was Keile zwischen uns treibt. Oder denen freie Hand zu lassen, die vom Leid oder der Unfreiheit Anderer leben und profitieren. Und in all dem Elend, dass uns jeden Tag in Form von Nachrichten anschreit, dürfen wir uns immer noch an den Wundern der Welt erfreuen. Oder Anderen ein Lächeln schenken. Auch so wird die Welt ein besserer Ort. Im Kleinen steckt viel Großes.

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