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Himmelspastelle
In dem Berg aus Wolken reißt eine winzige Lücke auf. Groß genug für die untergehende Sonne, letzte Lichtstrahlen zu hinterlassen. Ein Band in Tafelkreide-artigem Rosa umspannt die Stadt, in der sich alles bereit für die Nacht und den folgenden Wochenstart macht. Für den Moment herrscht Ruhe. Man könnte es fast Frieden nennen. Ich kaue auf einer Scheibe Brot rum und bemühe mich um einen klugen Gedanken. Etwas Geistreiches mit einer gewissen Matinee-Reife. Aber da ist dieses Pastell. Es ist viel größer als alles, was ich in diesem Moment denken könnte.
Es weiß nichts von Krisen, Kriegen und all den anderen furchtbaren Dingen des Zeitgeschehens. Es ist jetzt da. Aber gleich weg. Dieser kleine Moment der Nahbarkeit. Direkt durch die Naturkraft an Wind und der untergehenden Sonne wieder aufgehoben. Und doch habe ich es gesehen. Weiß, dass es da war. Ein Bild, dass mir die Erinnerung morgen wieder ausgelöscht haben wird. Aber für den Augenblick habe ich mich berührt gefühlt.
Frieden beginnt dort, wo man ihn fühlt.
Widersprüche aushalten
Ambiguitätstoleranz klingt nach fernöstlicher Kampfkunsttechnik, bezeichnet aber den Umgang mit Widersprüchen zwischen Anspruch und Handeln. Oder zwischen Überzeugungen und Weltgeschehen. Diese Fähigkeit hilft uns, in eben solchen Situationen nicht wie ein kopfloser Idiot zu agieren. Sondern gezielte Strategien für das Überwinden zu identifizieren und anzuwenden. Oder im Zweifel auch mal die Parade der Absurdität an sich vorbeiziehen zu lassen, ohne gleich korrigierend in Aktion zu gehen.
Meine Beobachtung ist, dass wir diese wichtige Fähigkeit entweder gar nicht mehr anwenden (weil uns das kritische Denken zu mühsam scheint) oder die Bewältigungsstrategie in ihrer Planung abgekürzt wird (“Machen eh alle, ich kann eh nichts dagegen tun”, etc.). Das führt dann zu Blüten wie der Verdammung von Ressourcenverschwendung bei gleichzeitig inbrünstiger AI-Nutzung oder das Beklagen von Herausforderungen gesellschaftlicher Art und das sich daran anschließende Wählen von Kräften, die gar keine Lösung für irgendetwas wissen.
Wir werden es nie schaffen, widerspruchslos leben zu können. Es gilt immer wieder Bündnisse zu schmieden, Kompromisse zu finden und Aufgaben mit konträren Zielsetzungen zu bewältigen. Am Ende zählen aber das größere Ziel und die Fähigkeit, die vorhandene Situation zu antizipieren und den geeigneten Weg zur Lösung zu identifizieren. Dabei sollte man sich aber immer im Rahmen dessen bewegen, was man persönlich vertreten kann. Und im Zweifel kann das auch bedeuten, dass man etwas ablehnt. Oder nicht als richtige Person für die Spreizung zwischen Ideal und Tatsache sieht.
Freier Wille und persönliche Freiheit sind keine Persilscheine für eine allumfassende Denkverweigerung. Sie sind Ansporn und Verpflichtung, uns bewusst mit den Widersprüchen des Lebens auseinander zu setzen und Abwägungen zu treffen. Und wenn wir in einer Angelegenheit zur abschließenden Überzeugung gelangten, diese dann auch mit der notwendigen Konsequenz zu verteidigen. Vor Anderen, aber auch vor uns selbst. Denn Persönlichkeit reift auch daran, wie man mit diesen Reibungen umgeht.
Stop the slop! →
Open Source erliegt auch den Versuchungen von AI. Diese Liste versucht aufzudröseln, welche Lösungen bereits wie sloppifiziert sind. Und vermutlich ist das auch nur ein Anteil des Eisbergs an ineffizienter Codeansammlung. Mich macht das inzwischen fassungslos, weil selbst aus meiner Sicht gute Lösungen den Weg des geringsten Widerstands gehen. Das betrifft auch Hugo, was mich nun zu der notwendigen Entscheidung führen wird, wie ich damit umgehen werde. Da auch Go betroffen ist, macht es das Set an Alternativlösungen ungleich enger. Und PHP? Puh, echt nicht…
Chancen und Veränderungen
Inzwischen bin ich Anfang Vierzig und das Fenster für berufliche Veränderungen verengt sich natürlich. Realistisch betrachtet muss ich den sich stetig wandelnden Nachfragemarkt immer wieder neu antizipieren, um meine Expertise-Relevanz zu belegen. Durch meine derzeitige Position bin ich in unterschiedliche Projekte involviert und dadurch ergeben sich beständig neue Konstellationen. Genau so gibt es aber auch Elemente, die sich unabhängig von Kunden und fachlichen Inhalten nicht verändern. Und daraus ergibt sich manchmal das Gefühl, dass da doch mehr sein müsste.
Gerade bin ich Teil eines Projekts, in dem sich das “Mehr” organisch entwickelt hat. Neue Aufgaben, neue Ufer. Mit viel Rückenwind von allen Beteiligten und einem ersten substanziellen Erfolgserlebnis. Gefühlt weit weg von dem, was ich die letzten Jahre machte. Aber auch sehr nah, weil es mich zum Ursprung meiner beruflichen Karriere zurück führt. Und mich als Brücke zwischen dieser Vergangenheit und der Gegenwart dienen lässt. Dieser Prozess ist sehr spannend, belebt meine Ambitionen neu und bringt zudem eine neue Dimension auf die Frage: “Was will ich denn eigentlich noch machen?”.
Denn eines ist klar: Irgendwann wird meine Glaubwürdigkeit sich verändern. Weil ich älter werde. Die Transformation in andere Rollen oder fachliche Ausrichtungen kann helfen, dieses gefühlte Manko auszugleichen. Vor allem, weil ich diese Veränderung Anfang des Jahres nicht erwartet hatte. Aber diese Chance ist jetzt da. Und ich habe große Lust herauszufinden, ob ich darin eine Antwort auf meine Frage finde.
Stell dir mal vor, 5.100 Menschen sterben durch eine Hitzewelle und wir streiten immer noch darüber, ob man was gegen extreme Klimabedingungen tun könnte. Ein Viertel der befragten Menschen sieht nicht mal einen Zusammenhang. Mit der Geisteshaltung werden wir ins Verderben laufen. Aber Hauptsache, das Wetter ist toll.