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Chancen und Veränderungen
Inzwischen bin ich Anfang Vierzig und das Fenster für berufliche Veränderungen verengt sich natürlich. Realistisch betrachtet muss ich den sich stetig wandelnden Nachfragemarkt immer wieder neu antizipieren, um meine Expertise-Relevanz zu belegen. Durch meine derzeitige Position bin ich in unterschiedliche Projekte involviert und dadurch ergeben sich beständig neue Konstellationen. Genau so gibt es aber auch Elemente, die sich unabhängig von Kunden und fachlichen Inhalten nicht verändern. Und daraus ergibt sich manchmal das Gefühl, dass da doch mehr sein müsste.
Gerade bin ich Teil eines Projekts, in dem sich das “Mehr” organisch entwickelt hat. Neue Aufgaben, neue Ufer. Mit viel Rückenwind von allen Beteiligten und einem ersten substanziellen Erfolgserlebnis. Gefühlt weit weg von dem, was ich die letzten Jahre machte. Aber auch sehr nah, weil es mich zum Ursprung meiner beruflichen Karriere zurück führt. Und mich als Brücke zwischen dieser Vergangenheit und der Gegenwart dienen lässt. Dieser Prozess ist sehr spannend, belebt meine Ambitionen neu und bringt zudem eine neue Dimension auf die Frage: “Was will ich denn eigentlich noch machen?”.
Denn eines ist klar: Irgendwann wird meine Glaubwürdigkeit sich verändern. Weil ich älter werde. Die Transformation in andere Rollen oder fachliche Ausrichtungen kann helfen, dieses gefühlte Manko auszugleichen. Vor allem, weil ich diese Veränderung Anfang des Jahres nicht erwartet hatte. Aber diese Chance ist jetzt da. Und ich habe große Lust herauszufinden, ob ich darin eine Antwort auf meine Frage finde.
Unsere Zukunft brennt
Ende Juni, sämtliche bisherigen Temperaturrekorde werden in den Schatten gestellt (vermutlich geht es ihnen dort besser als uns) und die richtigen Sommermonate Juli und August liegen noch vor uns. Das ist keine Utopie, das passiert gerade. Parallel erzählt mir ein Geschäftskontakt aus Istanbul, dass es bei ihr gerade kühler sei als sonst üblich zu dieser Zeit. Klimatische Verschiebungen passieren mit einer Beiläufigkeit, als ginge uns das alles nicht an. Als hätten sie keinen Einfluss auf uns und unsere Umwelt.
Früher war es ja auch schon heiß, nicht wahr? Aber so heiß, dass überall Straßendecken platzen, Gleise sich biegen und der Großteil der Kommunen zur sparsamen Wassernutzung rät? Vermutlich nicht. Diese Woche hat eindrücklich bezeugt: Wir sind nicht für die Folgen unseres Verhaltens bereit. Unser Egoismus hat Konsequenzen und die bekommen wir mit derartiger Macht zu spüren, dass wir uns tagelang wie geprügelte Hunde fühlen, nachts kaum ein Auge zubekommen und am nächsten Tag um halb elf bei der Arbeit nicht mehr richtig denken können. Ist scheiße, oder?
Ja, aber das haben wir zu verantworten. Und weil wir den Hals nicht vollbekommen, wird es so weitergehen. Um daran was zu ändern, müssten wir unser Verhalten kollektiv anpassen. Aber das ist ach so unbequem. Und haben wir nicht diese Freiheit, die uns alles zu tun erlaubt? Wo kämen wir denn hin, wenn wir freiwillig auf etwas verzichten würden? Ich sage es euch: In eine Zukunft, in der man gut leben kann. Ohne zusehen zu müssen, wie in den Krankenhäusern und Pflegeheimen Menschen wegen mangelnder Kühlung sterben. In der Schüler:innen vernünftig lernen können, ohne dass ihr Hirn zur ersten großen Pause einem Eintopf gleicht. In der wir Innenstädte so gestalten, dass Mensch und Tier sich dort aufhalten können, ohne gleich in Lebensgefahr zu geraten.
Wir hätten sie in der Hand, die Löschdecke für unsere Zukunft. Wir müssten sie nur benutzen. Damit es nicht mehr brennt.
Worauf warten wir eigentlich?
Die aktuellen Wetterbedingungen beschäftigen auch Jan, der sich zu allem Übel auch noch an einer Arbeitsstätte einfinden muss. Den Kaffee-oder -Tee-Schwatz (wenn man das bei diesen Temperaturen noch mit Heißgetränken verbinden mag) halten wir im IRC. Und so kommt doch ein Teeküchen-Gefühl auf.
Diese Feuerkugel brennt auf uns herab und wir machen nichts Anderes, als uns im Kühleren einzuigeln. Der Tischventilator bläst bei voller Stärke während ich Dinge für den Wahlkampf erledige. Viel Energie bleibt aber nicht mehr, ein Film aus Schweiß liegt auf allen Tätigkeiten. Heute ist Mikado-Tag. Wer sich bewegt, ist selber schuld.
Ich hatte vor einiger Zeit die Font auf Loggbok von Helvetica auf Inter umgestellt und war recht froh, eine für viele Menschen (und Geräte) niedrigschwellige Lösung gefunden zu haben. Nun fiel mir auf, dass Inter in kursiver Schreibweise das a einstöckig darstellt. Da ich diese Darstellung nicht leiden kann, habe ich die Font auf Public Sans gesetzt, sans-serif bleibt als Fallback.
Ja, ich bin ein Monk. Aus tiefer innerer Überzeugung.