› Loggbok

Vorhin lag ich in einem Bad mit Zusatz, ich rieche immer noch nach Teufelskralle. Damit bin ich gerüstet für die neue Woche und vor allem mental entladen von den Dingen, die mir an mehreren Hinterteilen vorbeigehen können. Derweil schiebt sich draußen ein gigantisches Gewølk ins Bild, getrieben vom anhaltenden Wind. Same but different, die Phase ist eine Andere. Und das ist gut so.

Einst lasen wir im Philosophie-Unterricht Bukowskis “Der Mann mit der Ledertasche”. Unser Lehrer war vermutlich mit seinem Job genau so durch wie Bukowski mit seinem Arbeitgeber. Er hat das Beste daraus gemacht, für sich und für uns. Gefühlt haben wir nichts gelernt, tatsächlich aber eine Menge. Es hat nur länger gebraucht, es zu verstehen. Ich mag Erkenntnisse, die langsam sacken.

Die große Unlust

Tja, irgendwie ruhig hier, nein? Mir fehlt ehrlich gesagt seit einiger Zeit die Muße und vor allem (viel schlimmer) die Begeisterung fürs Bloggen. Das liegt einerseits an den Nebenwirkungen des Wahlkampfs (viel Organisation und noch mehr Zeitbedarf), aber vor allem daran, dass mich der Blick auf andere Angebote dermaßen beelendet und verärgert, dass ich zu dieser Gemeinschaft nichts beitragen möchte.

Die Durchdringung von AI sorgt dafür, dass zig Blogs entweder gleich aussehen, komplette Bebilderung mit den immer gleichen Motiven und auch Fehlern (sowohl Texte auf den Bildern als auch Objekte) verwenden und teilweise stellt man schon nach einem Absatz fest, dass der Beitrag fast ausschließlich den Drahtwindungen einer LLM entstammt. Diese Pest greift immer mehr um sich, ein aufgeklärter rationaler Dialog ist jedoch nicht möglich. Denn sobald man eine Form von Einwand dagegen formuliert, heult das Heer der Technologieoffenen auf und fühlt sich in der Bloggerehre verletzt. Man mache das doch schon so lange und Hilfen könne man doch nutzen, jeder sei doch frei in der Gestaltung und was noch an Argumenten kommt. Ich mag es nicht mehr hören.

Kreativität hat den entscheidenen Wert, dass sie sich aus dem Menschen heraus bildet. Aus seiner Wahrnehmung, aus Erfahrungen und vor allem aus Gefühlen. Das Produkt daraus ist eine Momentaufnahme, ein greifbar gewordener Impuls. Kunst entsteht, weil der Mensch dieser Gefühlslage freien Lauf gewährt. Was seit Monaten in der “Szene” passiert, ist eine maximale Negierung des Kunstbegriffs, indem einfach jeder nur denkbare technische Strohhalm ergriffen und damit eine ungenießbare Pampe serviert wird, bei der denkende Leser:innen entweder würgen müssen, Durchfall bekommen oder beides gleichzeitig erleiden.

Das hindert die heavy users aber nicht daran, sich stolz die Bezeichnung Blogger ans Revers zu heften. Eine Begrifflichkeit, die eigentlich daraus entstand, klugen Menschen in den Anfangstagen des Bloggens nicht die eigentlich richtige Begrifflichkeit Journalist:in und damit die ihnen gebührende Wertschätzung zu verleihen. Inzwischen scheint der einstige Differenzierungsbegriff zur Berufsbezeichnung derer erwachsen zu sein, die eben genau das nicht sind oder sein wollen. Oder lieber auf vermeintliche Reichweiten schielen, verbunden mit der Hoffnung auf die schnelle Währung der eigenen Wahl.

Was daraus entsteht, ist weder interessant noch inspirierend oder von irgendwelchem Wert. Es verschwendet die Zeit der Leser:innen und Ressourcen. Es sorgt nur dafür, dass Menschen wie ich die Lust am Hobby verlieren. Keine Freude mehr daran verspüren, mit echten Inhalten gegen zu halten. Oder mit eigenen Gedanken zum Thema dieser AI-Machwerke zu werden, sei es in Zustimmung mit mehrfachem Durchspülen der schon längst akzeptierten Argumente oder mit fast unmittelbar widerlegbaren Gegenargumenten. Das Kapilarsystem freut sich, so vergeht jedoch der Wesenskern der Gattung Blog und irgendwann trocket auch dieses wertvolle Biotop aus.

Ich habe in den letzten Tagen mehrfach überlegt, ob ich Loggbok in eine neue, nicht-öffentliche Form wandele. Diese Konsequenz mag ich jedoch nicht ziehen, weil mir etwas an dem Austausch mit den Leuten liegt, die ebenso denken wie ich. Mit Sicherheit werde ich aber meinen Konsum anderer Blogs und auch meine Mitwirkung in verbindenden Strukturen überdenken.

TL; DR: Bloggt euch doch ins Knie!

Mit dem heutigen Tag enden sieben Monate verfügbar sein. Eine Atempause mit der Chance, mal andere Dinge zu tun. Ich freue mich drauf - aber ich weiß noch nicht, wie ich so richtig werde abschalten können.

Wie schafft man es eigentlich, Erholung zu verlernen?

Das Thermometer weist Werte auf, unter denen man guten Gewissens kaum seriöse Ergebnisse erzielen kann. So schiebe ich Aufgaben um und auch etwas vor mir her, um sie mit klarerem Kopf einem Abschluss zuzuführen. Die inneren Rolladen sind bereits heruntergelassen, der Außensitzbereich reingeholt. Mein Geist steht missmutig hinterm Tresen und rechnet den Tag ab. Nur unterbrochen von letzten Besuchern, die noch Dieses und Jenes suchen oder wünschen. Aber dann doch nicht kaufen.

Ich entscheide, den Kassenzettel nicht näher zu betrachten. Heute ist einfach nicht mehr rauszuholen.

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