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Logbuch-Eintrag

“… Diese verdammte Reise macht mich noch wahnsinnig. Die Mannschaft ist geschwätzig und der Rum schon seit Wochen leer. Keines der Missionsziele ist bisher in irgendeiner Weise erfüllt worden, der Zahlmeister des Königs wird uns bald die Mittel streichen. Ich hetze gedanklich von Ausweg zu Ausweg, kein Plan erweist sich jedoch als durchführbar. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird es bald eine Meuterei …”

Szenenwechsel

“Auf einer bisher unerforschten Sandbank im Philipps-Atoll fanden Forscher vor drei Wochen eine gut erhaltene Seekiste mit vermutlichen Kapitänsutensilien. Das Logbuch deutet auf den Besitz des Leutnants Thomas R. Godfrey hin, der mit dem Dreimaster HMS Pride und vierzig Mann Besatzung unterwegs gewesen sein muss. Der letzte Eintrag vom 12. Juli 1782 endet abrupt und deutet auf eine Meuterei an Bord hin. Über das Schiff und seinen Verbleib gibt es keine gesicherten Informationen, so dass von einem Totalverlust von Schiff und Mannschaft auszugehen ist. Über die Mission finden sich keine konkreten Angaben, auch die Archive der britischen Marine scheinen keine Hinweise zu geben. Einzig Akten von Buckingham Palace könnten das Rätsel lösen. König und Premierminister schweigen aber beharrlich und damit scheint sich anzudeuten, dass es eine nicht ganz saubere Hintergrundgeschichte geben muss. Wir bleiben an der Sache dran - unser Podcast freut sich übrigens auch, wenn du dran …”

Hätten diese Amateure doch den doppelten Boden geöffnet. Dann hätten sie den wahren Grund der Reise erfahren, Godfrey war auf der Flucht. Der Flucht vor sich selbst.

Er kam nie an. Aber fand ewigen Frieden.

Gedanken sind nicht stets parat, Man schreibt auch, wenn man keine hat.

Wusste Wilhelm Busch schon damals, heute gilt es umso mehr.

Vorhin lag ich in einem Bad mit Zusatz, ich rieche immer noch nach Teufelskralle. Damit bin ich gerüstet für die neue Woche und vor allem mental entladen von den Dingen, die mir an mehreren Hinterteilen vorbeigehen können. Derweil schiebt sich draußen ein gigantisches Gewølk ins Bild, getrieben vom anhaltenden Wind. Same but different, die Phase ist eine Andere. Und das ist gut so.

Einst lasen wir im Philosophie-Unterricht Bukowskis “Der Mann mit der Ledertasche”. Unser Lehrer war vermutlich mit seinem Job genau so durch wie Bukowski mit seinem Arbeitgeber. Er hat das Beste daraus gemacht, für sich und für uns. Gefühlt haben wir nichts gelernt, tatsächlich aber eine Menge. Es hat nur länger gebraucht, es zu verstehen. Ich mag Erkenntnisse, die langsam sacken.

Die große Unlust

Tja, irgendwie ruhig hier, nein? Mir fehlt ehrlich gesagt seit einiger Zeit die Muße und vor allem (viel schlimmer) die Begeisterung fürs Bloggen. Das liegt einerseits an den Nebenwirkungen des Wahlkampfs (viel Organisation und noch mehr Zeitbedarf), aber vor allem daran, dass mich der Blick auf andere Angebote dermaßen beelendet und verärgert, dass ich zu dieser Gemeinschaft nichts beitragen möchte.

Die Durchdringung von AI sorgt dafür, dass zig Blogs entweder gleich aussehen, komplette Bebilderung mit den immer gleichen Motiven und auch Fehlern (sowohl Texte auf den Bildern als auch Objekte) verwenden und teilweise stellt man schon nach einem Absatz fest, dass der Beitrag fast ausschließlich den Drahtwindungen einer LLM entstammt. Diese Pest greift immer mehr um sich, ein aufgeklärter rationaler Dialog ist jedoch nicht möglich. Denn sobald man eine Form von Einwand dagegen formuliert, heult das Heer der Technologieoffenen auf und fühlt sich in der Bloggerehre verletzt. Man mache das doch schon so lange und Hilfen könne man doch nutzen, jeder sei doch frei in der Gestaltung und was noch an Argumenten kommt. Ich mag es nicht mehr hören.

Kreativität hat den entscheidenen Wert, dass sie sich aus dem Menschen heraus bildet. Aus seiner Wahrnehmung, aus Erfahrungen und vor allem aus Gefühlen. Das Produkt daraus ist eine Momentaufnahme, ein greifbar gewordener Impuls. Kunst entsteht, weil der Mensch dieser Gefühlslage freien Lauf gewährt. Was seit Monaten in der “Szene” passiert, ist eine maximale Negierung des Kunstbegriffs, indem einfach jeder nur denkbare technische Strohhalm ergriffen und damit eine ungenießbare Pampe serviert wird, bei der denkende Leser:innen entweder würgen müssen, Durchfall bekommen oder beides gleichzeitig erleiden.

Das hindert die heavy users aber nicht daran, sich stolz die Bezeichnung Blogger ans Revers zu heften. Eine Begrifflichkeit, die eigentlich daraus entstand, klugen Menschen in den Anfangstagen des Bloggens nicht die eigentlich richtige Begrifflichkeit Journalist:in und damit die ihnen gebührende Wertschätzung zu verleihen. Inzwischen scheint der einstige Differenzierungsbegriff zur Berufsbezeichnung derer erwachsen zu sein, die eben genau das nicht sind oder sein wollen. Oder lieber auf vermeintliche Reichweiten schielen, verbunden mit der Hoffnung auf die schnelle Währung der eigenen Wahl.

Was daraus entsteht, ist weder interessant noch inspirierend oder von irgendwelchem Wert. Es verschwendet die Zeit der Leser:innen und Ressourcen. Es sorgt nur dafür, dass Menschen wie ich die Lust am Hobby verlieren. Keine Freude mehr daran verspüren, mit echten Inhalten gegen zu halten. Oder mit eigenen Gedanken zum Thema dieser AI-Machwerke zu werden, sei es in Zustimmung mit mehrfachem Durchspülen der schon längst akzeptierten Argumente oder mit fast unmittelbar widerlegbaren Gegenargumenten. Das Kapilarsystem freut sich, so vergeht jedoch der Wesenskern der Gattung Blog und irgendwann trocket auch dieses wertvolle Biotop aus.

Ich habe in den letzten Tagen mehrfach überlegt, ob ich Loggbok in eine neue, nicht-öffentliche Form wandele. Diese Konsequenz mag ich jedoch nicht ziehen, weil mir etwas an dem Austausch mit den Leuten liegt, die ebenso denken wie ich. Mit Sicherheit werde ich aber meinen Konsum anderer Blogs und auch meine Mitwirkung in verbindenden Strukturen überdenken.

TL; DR: Bloggt euch doch ins Knie!

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