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Die große Unlust
Tja, irgendwie ruhig hier, nein? Mir fehlt ehrlich gesagt seit einiger Zeit die Muße und vor allem (viel schlimmer) die Begeisterung fürs Bloggen. Das liegt einerseits an den Nebenwirkungen des Wahlkampfs (viel Organisation und noch mehr Zeitbedarf), aber vor allem daran, dass mich der Blick auf andere Angebote dermaßen beelendet und verärgert, dass ich zu dieser Gemeinschaft nichts beitragen möchte.
Die Durchdringung von AI sorgt dafür, dass zig Blogs entweder gleich aussehen, komplette Bebilderung mit den immer gleichen Motiven und auch Fehlern (sowohl Texte auf den Bildern als auch Objekte) verwenden und teilweise stellt man schon nach einem Absatz fest, dass der Beitrag fast ausschließlich den Drahtwindungen einer LLM entstammt. Diese Pest greift immer mehr um sich, ein aufgeklärter rationaler Dialog ist jedoch nicht möglich. Denn sobald man eine Form von Einwand dagegen formuliert, heult das Heer der Technologieoffenen auf und fühlt sich in der Bloggerehre verletzt. Man mache das doch schon so lange und Hilfen könne man doch nutzen, jeder sei doch frei in der Gestaltung und was noch an Argumenten kommt. Ich mag es nicht mehr hören.
Kreativität hat den entscheidenen Wert, dass sie sich aus dem Menschen heraus bildet. Aus seiner Wahrnehmung, aus Erfahrungen und vor allem aus Gefühlen. Das Produkt daraus ist eine Momentaufnahme, ein greifbar gewordener Impuls. Kunst entsteht, weil der Mensch dieser Gefühlslage freien Lauf gewährt. Was seit Monaten in der “Szene” passiert, ist eine maximale Negierung des Kunstbegriffs, indem einfach jeder nur denkbare technische Strohhalm ergriffen und damit eine ungenießbare Pampe serviert wird, bei der denkende Leser:innen entweder würgen müssen, Durchfall bekommen oder beides gleichzeitig erleiden.
Das hindert die heavy users aber nicht daran, sich stolz die Bezeichnung Blogger ans Revers zu heften. Eine Begrifflichkeit, die eigentlich daraus entstand, klugen Menschen in den Anfangstagen des Bloggens nicht die eigentlich richtige Begrifflichkeit Journalist:in und damit die ihnen gebührende Wertschätzung zu verleihen. Inzwischen scheint der einstige Differenzierungsbegriff zur Berufsbezeichnung derer erwachsen zu sein, die eben genau das nicht sind oder sein wollen. Oder lieber auf vermeintliche Reichweiten schielen, verbunden mit der Hoffnung auf die schnelle Währung der eigenen Wahl.
Was daraus entsteht, ist weder interessant noch inspirierend oder von irgendwelchem Wert. Es verschwendet die Zeit der Leser:innen und Ressourcen. Es sorgt nur dafür, dass Menschen wie ich die Lust am Hobby verlieren. Keine Freude mehr daran verspüren, mit echten Inhalten gegen zu halten. Oder mit eigenen Gedanken zum Thema dieser AI-Machwerke zu werden, sei es in Zustimmung mit mehrfachem Durchspülen der schon längst akzeptierten Argumente oder mit fast unmittelbar widerlegbaren Gegenargumenten. Das Kapilarsystem freut sich, so vergeht jedoch der Wesenskern der Gattung Blog und irgendwann trocket auch dieses wertvolle Biotop aus.
Ich habe in den letzten Tagen mehrfach überlegt, ob ich Loggbok in eine neue, nicht-öffentliche Form wandele. Diese Konsequenz mag ich jedoch nicht ziehen, weil mir etwas an dem Austausch mit den Leuten liegt, die ebenso denken wie ich. Mit Sicherheit werde ich aber meinen Konsum anderer Blogs und auch meine Mitwirkung in verbindenden Strukturen überdenken.
TL; DR: Bloggt euch doch ins Knie!
Mit dem heutigen Tag enden sieben Monate verfügbar sein. Eine Atempause mit der Chance, mal andere Dinge zu tun. Ich freue mich drauf - aber ich weiß noch nicht, wie ich so richtig werde abschalten können.
Wie schafft man es eigentlich, Erholung zu verlernen?
Das Thermometer weist Werte auf, unter denen man guten Gewissens kaum seriöse Ergebnisse erzielen kann. So schiebe ich Aufgaben um und auch etwas vor mir her, um sie mit klarerem Kopf einem Abschluss zuzuführen. Die inneren Rolladen sind bereits heruntergelassen, der Außensitzbereich reingeholt. Mein Geist steht missmutig hinterm Tresen und rechnet den Tag ab. Nur unterbrochen von letzten Besuchern, die noch Dieses und Jenes suchen oder wünschen. Aber dann doch nicht kaufen.
Ich entscheide, den Kassenzettel nicht näher zu betrachten. Heute ist einfach nicht mehr rauszuholen.
The age of mistrust
So langsam dämmert es Menschen, dass das mit AI zumindest in der aktuellen Form eine scheiß Idee ist. Studien belegen, dass Menschen sich eine Arbeitswelt vor AI zurück wünschen. Denn die Korrektur von Slop frisst mehr Zeit als die manuelle Erstellung von Ergebnissen. Ich selber habe auch schon mehrfach die Diskrepanz zwischen Anforderung (“Nutz bitte AI.”) und Erwartung (“Das ist doch mit AI gemacht.”) erlebt. Teilweise sogar dann, wenn ich es selbst gemacht habe und dann beweisen musste, dass AI nicht beteiligt war. Für alle sehr unangenehm und von den wirklich wichtigen Dingen ablenkend.
Im Blog-Kontext kam es heute zwischen Johannes und Martin zu einer Diskussion, die das ganze Dillemma aufzeigt. Wir denken nur noch mit Scheren im Kopf, teilen zwischen gut und böse und knallen uns Vorwürfe an den Latz. Nicht immer geht der Austausch so aus wie zwischen den Beiden, am Ende bleiben doch Verletzungen. Und das ist scheiße. Nur, weil eine vermeintliche Innovation alles an zwischenmenschlichem Vertrauen in Frage stellt. Gleich in welcher Beziehung man zueinander steht.
Wilkommen im Zeitalter des Misstrauens. Der Eintritt kostet nur die Menschlichkeit.
Manche setzen auf die platzende Blase, Andere auf prosperierende Verstetigung. Auf der Strecke bleiben die, die das Spiel nicht mitspielen mögen - sowohl die Privatkonsumenten als auch Unternehmen. Jan hat die vier möglichen Szenarien und die derzeitge Lage in Essayform gegossen. Wenig überraschend: Das Thema ist komplex. Und bleibt eine Wette, die sich vermutlich nur für Wenige lohnen wird.