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The age of mistrust
So langsam dämmert es Menschen, dass das mit AI zumindest in der aktuellen Form eine scheiß Idee ist. Studien belegen, dass Menschen sich eine Arbeitswelt vor AI zurück wünschen. Denn die Korrektur von Slop frisst mehr Zeit als die manuelle Erstellung von Ergebnissen. Ich selber habe auch schon mehrfach die Diskrepanz zwischen Anforderung (“Nutz bitte AI.”) und Erwartung (“Das ist doch mit AI gemacht.”) erlebt. Teilweise sogar dann, wenn ich es selbst gemacht habe und dann beweisen musste, dass AI nicht beteiligt war. Für alle sehr unangenehm und von den wirklich wichtigen Dingen ablenkend.
Im Blog-Kontext kam es heute zwischen Johannes und Martin zu einer Diskussion, die das ganze Dillemma aufzeigt. Wir denken nur noch mit Scheren im Kopf, teilen zwischen gut und böse und knallen uns Vorwürfe an den Latz. Nicht immer geht der Austausch so aus wie zwischen den Beiden, am Ende bleiben doch Verletzungen. Und das ist scheiße. Nur, weil eine vermeintliche Innovation alles an zwischenmenschlichem Vertrauen in Frage stellt. Gleich in welcher Beziehung man zueinander steht.
Wilkommen im Zeitalter des Misstrauens. Der Eintritt kostet nur die Menschlichkeit.
Himmelspastelle
In dem Berg aus Wolken reißt eine winzige Lücke auf. Groß genug für die untergehende Sonne, letzte Lichtstrahlen zu hinterlassen. Ein Band in Tafelkreide-artigem Rosa umspannt die Stadt, in der sich alles bereit für die Nacht und den folgenden Wochenstart macht. Für den Moment herrscht Ruhe. Man könnte es fast Frieden nennen. Ich kaue auf einer Scheibe Brot rum und bemühe mich um einen klugen Gedanken. Etwas Geistreiches mit einer gewissen Matinee-Reife. Aber da ist dieses Pastell. Es ist viel größer als alles, was ich in diesem Moment denken könnte.
Es weiß nichts von Krisen, Kriegen und all den anderen furchtbaren Dingen des Zeitgeschehens. Es ist jetzt da. Aber gleich weg. Dieser kleine Moment der Nahbarkeit. Direkt durch die Naturkraft an Wind und der untergehenden Sonne wieder aufgehoben. Und doch habe ich es gesehen. Weiß, dass es da war. Ein Bild, dass mir die Erinnerung morgen wieder ausgelöscht haben wird. Aber für den Augenblick habe ich mich berührt gefühlt.
Frieden beginnt dort, wo man ihn fühlt.
Widersprüche aushalten
Ambiguitätstoleranz klingt nach fernöstlicher Kampfkunsttechnik, bezeichnet aber den Umgang mit Widersprüchen zwischen Anspruch und Handeln. Oder zwischen Überzeugungen und Weltgeschehen. Diese Fähigkeit hilft uns, in eben solchen Situationen nicht wie ein kopfloser Idiot zu agieren. Sondern gezielte Strategien für das Überwinden zu identifizieren und anzuwenden. Oder im Zweifel auch mal die Parade der Absurdität an sich vorbeiziehen zu lassen, ohne gleich korrigierend in Aktion zu gehen.
Meine Beobachtung ist, dass wir diese wichtige Fähigkeit entweder gar nicht mehr anwenden (weil uns das kritische Denken zu mühsam scheint) oder die Bewältigungsstrategie in ihrer Planung abgekürzt wird (“Machen eh alle, ich kann eh nichts dagegen tun”, etc.). Das führt dann zu Blüten wie der Verdammung von Ressourcenverschwendung bei gleichzeitig inbrünstiger AI-Nutzung oder das Beklagen von Herausforderungen gesellschaftlicher Art und das sich daran anschließende Wählen von Kräften, die gar keine Lösung für irgendetwas wissen.
Wir werden es nie schaffen, widerspruchslos leben zu können. Es gilt immer wieder Bündnisse zu schmieden, Kompromisse zu finden und Aufgaben mit konträren Zielsetzungen zu bewältigen. Am Ende zählen aber das größere Ziel und die Fähigkeit, die vorhandene Situation zu antizipieren und den geeigneten Weg zur Lösung zu identifizieren. Dabei sollte man sich aber immer im Rahmen dessen bewegen, was man persönlich vertreten kann. Und im Zweifel kann das auch bedeuten, dass man etwas ablehnt. Oder nicht als richtige Person für die Spreizung zwischen Ideal und Tatsache sieht.
Freier Wille und persönliche Freiheit sind keine Persilscheine für eine allumfassende Denkverweigerung. Sie sind Ansporn und Verpflichtung, uns bewusst mit den Widersprüchen des Lebens auseinander zu setzen und Abwägungen zu treffen. Und wenn wir in einer Angelegenheit zur abschließenden Überzeugung gelangten, diese dann auch mit der notwendigen Konsequenz zu verteidigen. Vor Anderen, aber auch vor uns selbst. Denn Persönlichkeit reift auch daran, wie man mit diesen Reibungen umgeht.
Ein Viertel der Menschen →
Stell dir mal vor, 5.100 Menschen sterben durch eine Hitzewelle und wir streiten immer noch darüber, ob man was gegen extreme Klimabedingungen tun könnte. Ein Viertel der befragten Menschen sieht nicht mal einen Zusammenhang. Mit der Geisteshaltung werden wir ins Verderben laufen. Aber Hauptsache, das Wetter ist toll.
Manche setzen auf die platzende Blase, Andere auf prosperierende Verstetigung. Auf der Strecke bleiben die, die das Spiel nicht mitspielen mögen - sowohl die Privatkonsumenten als auch Unternehmen. Jan hat die vier möglichen Szenarien und die derzeitge Lage in Essayform gegossen. Wenig überraschend: Das Thema ist komplex. Und bleibt eine Wette, die sich vermutlich nur für Wenige lohnen wird.