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Farewell Ossi
Manchmal begegnet man Menschen im Leben nur flüchtig, rein durchs Internet und man blickt einfach nur durch ein Schlüsselloch. Ohne die Person wirklich zu kennen, aber mit der leisen Ahnung, dass auf der anderen Seite ein ganz feiner Mensch sitzt. Das traf auf Oswald Prucker zu. Dies in der Vergangenheitsform schreiben zu müssen, tut mir weh. Denn Ossi starb unerwartet am 7.2., also vor knapp fünf Wochen.
Ich hatte mich schon gewundert, warum seit einigen Tagen nichts mehr zu lesen war. Eine Suche später war ich dann schlauer, aber auch sehr traurig. Mit Ossi ging ein leuchtendes Vorbild an Gemeinsinn, ein überzeugter und überzeugender Akteur für das Gemeinwohl in seinem Wohnort Merdingen und ein hochengagierter Sozialdemokrat. Von dem ich einfach durchs Lesen und den Austausch in Kommentaren in seinem Blog oder bei Mastodon ein paar sehr wichtige Dinge über Kommunalpolitik lernen durfte. Immer zugewandt, stets offen und neugierig - auch in seinem Engagement beim D64.
Ossis Vorbild wird mich in meinem Engagement für kommunalpolitische Fragestellungen begleiten. In komplex erscheinenden Momenten wird sein Ratschlag “Erstmal eine Nacht darüber schlafen” eine sichere Leitplanke für alle weiteren Entscheidungen sein. Dafür schon jetzt vielen Dank Ossi!
Seiner Familie, Freunden und den Genoss:innen in Merdingen und im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald wünsche ich alles Gute und viel Kraft für den Weg ohne Ossi - seine Spur wird bleiben.
Wenn einen die Arbeit überrollt, kommt man zu nichts Anderem mehr. So ergeht es auch gerade Loggbok, nehmt es als kreative Auszeit wahr. Wenn es wieder los geht, werdet ihr das merken. Alles wird gut. Oder so ähnlich.
Zuversicht vermitteln
Mit zunehmenden Alter bezeugt man zwei Phänomene: Das Ableben von Personen, deren An- und Einsichten als moralischen Anker und Leitplanke für Handlungen und Perspektiven galten und das wachsende Interesse junger Menschen an den eigen entwickelten Gradmessern. Während der Austausch mit Altvorderen Richtung und Sicherheit gibt, ist die Rückkopplung eine delikate Angelegenheit. Ratschläge geben ist immer ein riskantes Geschäft, vor allem bei stetig komplexer werdender Realität durch die Veränderung von äußeren Faktoren.
Auch durch mein politisches Engagement angetrieben stelle ich mir die Fragen: Wie kann das gelingen? Wie vermittle ich Zuversicht und ermutige junge Menschen, ihren Weg zu gehen und sich für das Gemeinwesen einzusetzen? Wenn an jeder Ecke die Ablenkung und der Ausweg locken, wenn Kräfte mit falschen Motiven an den Grundfesten von Moral und gesellschaftlichem Zussamenhalt rütteln? Was sage ich unserem Sohn, dass noch nicht alles verloren ist und er die Chance der Partizipation nutzen soll?
Genau so wie ich mir damals die Hilfestellungen erwartete, sehe ich mich nun verpflichtet, diese zu geben. Aus dem Verständnis heraus, dass nichts geschenkt, aber alles offen ist. Dass eine Basis gelegt, aber noch viel Raum für neue Meilensteine und Perspektiven vorhanden ist. Die Kraft Vieler den Wandel ermöglicht, Veränderung ein nötiger Prozess für mehr Möglichkeiten ist. Und Zuhören Energie kostet, auch innere Widersprüche triggert und doch am Ende das Werkzeug für Verständigung und Zusammenhalt ist. Dass es in Ordnung ist, auch mal zu zweifeln - weil es jede:r tut.
Ich habe nicht auf alles Antworten. Das deckt sich natürlich zwangsläufig nicht mit der Erwartung des jungen Menschen, dass ich bei Einordnungsfragen die vollumfängliche Weisheit teilen kann. Aber ich kann die Sorgen ernst nehmen, sie im Dialog neutral betrachten und daraus anhand meiner Erfahrungen eine Einschätzung teilen. In dem Moment einfach auf Augenhöhe da sein. Oftmals ist genau das schon der erste, entscheidene Schritt für mehr Zuversicht.
Zuversicht ist kein einmalig definierter Zustand, er wird immer wieder neu herausgefordert und ein jeder muss die Antworten auf die Frage nach dem Sinn für sich selbst finden. Dabei braucht es aber ab und zu den kleinen Impuls, das Wesentliche aus anderem Blickwinkel zu beurteilen. Helfen wir, indem wir zuhören und Raum für Fragen und Antworten schaffen.
Uhus und Eichhörnchen
Uhus. Eichhörnchen. Ähnlicher als man denken mag.
Liest sich auf dem ersten Blick schräg, aber wenn man länger darüber nachdenkt (was ich tue), liegt in dem Stilmittel der Fabel viel Lehrreiches. Genauso auch die Ermutigung, andere Perspektiven einzunehmen oder diese zumindest in Betracht zu ziehen. Die Fabel weist in ihrer Analogie auf einen Umstand hin, aus dem die Leser:innen dann ihre Schlüsse ziehen mögen.
Das Gute: Man kann sich mit dem Nachdenken Zeit lassen. Oder die Erkenntnisse mit anderen Einflüssen verheiraten. Man geht aber immer klüger aus der Auseinandersetzung mit der Fabel. Auch wenn es eben dauert.
Sonntag, spätes Frühstück mit Tee und dazu Jazz. Parallel habe ich das MacBook Pro der Liebsten grundsaniert. Ein Tag, der einfach dem Sein gewidmet ist - ohne klares Ziel, aber mit innerer Gelassenheit. Ich mag solche Tage sehr und würde mir mehr von dieser Leichtigkeit wünschen.