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Nach der Diskussion um Rivva nahm Frank heute nochmal zehn Cent in die Hand und warf sie in den Fluss, um Klarheit zu schaffen - mit der gleichzeitigen Bitte um Feedback. Ich habe mich in den letzten Tagen schon allein aus Kapazitätsgründen nicht eingehend mit der Thematik befasst, aber die Diskussion latent mitverfolgt und würde auch gern meine Gedanken teilen.

Für mich ist nicht klar, wofür denn jetzt konkret Unterstützung erbeten ist. Der aktuelle Post liest sich nach der Bitte, das Hosting zu subventionieren. Die Summe von zehn Cent pro Tag vermittelt zumindest den Eindruck. Bisher verstand ich aber, dass es um die Weiterentwicklung ging, für die nicht das aus Franks Sicht notwendige Backing vorhanden ist. Gleichzeitig verspüre ich auch, dass bisherige Unterstützer:innen keinen Mehrwert in Form von Transparenz an der Weiterentwicklung sehen und somit ihren Zufluss stoppten.

Nicht nur ich wäre bereit, partizipativ an einem neuen Rivva mitzuwirken - aber der Fluss braucht wahrnehmbare Klarheit. Und auch den geebneten Verlauf, der Menschen zur Mitwirkung als Landschaftspfleger:innen motiviert.

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Alles auf Effizienz

Selbstoptimierung ist nichts Anderes als Selbstbetrug. Sie gaukelt einem vor, dass man in der gleichen Zeit viel mehr Dinge schaffen kann. Am Ende ist man vielleicht vordergründig leistungsfähiger, niemand sieht aber den dafür nötigen administrativen Aufwand oder die körperlichen Grenzen, die dafür überschreitet werden. Oder die Reibungen, die im interdisziplinären Austausch entstehen - weil Verantwortungen die ganze Zeit hin und her geschubst werden und daraus bei allen ungute Gefühle entstehen.

Wir jagen wie Kleinkinder zu Weihnachten den Glücksgefühlen im Alltag hinterher, bestellen uns ach so praktische und gleichzeitig sinnlose Helferchen in Form von Geräten ins Haus. Diese sollen banale Aufgaben lösen, kosten am Ende aber mehr Zeit und bringen kein wesentlich besseres Ergebnis zu Tage. Dabei hören wir ewig lange Sprachnachrichten auf 1,5facher Geschwindigkeit und müssen uns Informationen zusammen puzzeln, die mit 25 Sekunden Telefonat bereits verständlich ausgetauscht wären. Unser Privatleben wird in delegierbare und persönlich verpflichtende Aufgaben priorisiert, Routine wird zur Abarbeitungsschlange mit kritischem Blick auf Aufwand und Ertrag.

Dabei verbiegen wir uns tagtäglich gegen jede Natur und erkennen situativ gerne an Feiertagen mit darum garnierten Urlaub oder in Momenten der inneren Zweifel: Was wir da tun, ist eigentlich völliger Wahnsinn. Nur um dann nochmals durchzuatmen und kurz darauf das Hamsterrad mit der gleichen fröhlichen Energie zu besteigen. Das nennen wir Pflichtbewusstsein. Dabei hoffen wir, dass uns segensreiche Erfindungen wie KI oder andere Automatismen ohne große Vorleistung unterstützen. Denn unser Alltag ist ja so beschwerlich.

Die Wahrheit ist, dass uns all das von dem entkoppelt, was wirklich effizient ist: Entscheidungen treffen, was uns wirklich wichtig ist. Dafür auch in Kauf zu nehmen, dass Ressourcen knapper sein könnten oder unsere Zeit sich anders staffelt, weil wir sie anders einsetzen. Nah an dem zu sein, was die wirklich wesentlichen Eckpfeiler unserer Leben ist und für das den Raum setzen, was uns gut tun und glücklich macht. All work and no play makes Jack a dull boy. Wir sind nicht dafür da um nur zu funktionieren. Aber dafür, ein selbstbestimmtes Leben mit viel Platz für das Wertvolle zu führen.


Unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, alles zu verstehen. Wichtig ist, dass wir Werte haben und uns das gewisste Stück Menschlichkeit nicht abgeht. Empathie zum Beispiel und die Fähigkeit, anderen zuhören zu können. Darauf zu schauen, was uns als Gemeinschaft zusammen hält. Und nicht auf das, was Keile zwischen uns treibt. Oder denen freie Hand zu lassen, die vom Leid oder der Unfreiheit Anderer leben und profitieren. Und in all dem Elend, dass uns jeden Tag in Form von Nachrichten anschreit, dürfen wir uns immer noch an den Wundern der Welt erfreuen. Oder Anderen ein Lächeln schenken. Auch so wird die Welt ein besserer Ort. Im Kleinen steckt viel Großes.

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Deutungshoheiten

Wir Menschen sind schon eine eigenartige Spezies. Mit einem hochentwickeltem Denkapparat und Zugriff auf unendlich Wissen in verlässlichen Quellen ausgestattet hätten wir die Werkzeuge für eine progressive und tatkräftige Bewältigung von Herausforderungen. Stattdessen denken wir in Schablonen und eingeredeten oder selbst entwickelten Vorurteilen, die rein die eigene Bequemlichkeit verstetigen. Wir lassen uns von neoliberalen Hampelmännern erzählen, dass Infrastruktur um jeden Preis Geld erwirtschaften muss und sehen dann einfach zu, wie diese kaputt gespart wird. Um uns dann aufzuregen, dass man das mit uns gemacht hätte.

Die Wahrheit ist, dass wir das mit uns machen lassen. Wir suhlen uns im Beklagen selbst verursachter Tatsachen und schauen uns abends im Fernsehen Talkshows voller Plattitüden an. In der Hoffnung, dass da jemand Verantwortliches mal die Hosen runter lässt oder verkündet, dass jetzt alles besser wird. Wir fordern Eigenverantwortung, räumen aber nicht den Schnee vor dem Haus. Wir erzählen, dass jeder Mensch so leben soll wie er es möchte, stülpen aber ungefragt Wertebilder auf und führen Diskurse über die Notwendigkeit von Tannenbäumen zu Weihnachten in jedem Privathaushalt.

Wir wollen Fortschritt um jeden Preis aber es soll sich bitte nichts ändern. Arbeitskräfte stehen im Mittelpunkt jeder Firma, sind aber eigentlich nur Kostentreiber. Wir sollen alle Kinder bekommen, die aber selber gar nicht betreuuen. Aber eigentlich doch, denn Kinderbetreuung kostet ja Geld. Und Steuern wollen wir am Liebsten gar nicht bezahlen, es soll aber alles funktionieren und der Staat sowie seine untergeordneten Organe in Bundesländern, Landkreisen, Städten und Gemeinden doch alles an möglichen und unmöglichen Aufgaben erfüllen. Aber wehe, man redet uns dann rein, wie wir unser Laub zu entsorgen hätten.

Und dann regen wir uns auf, dass tagtäglich um Deutungshoheiten gestritten wird oder jemand heute etwas und am Folgetag das Gegenteil davon postuliert? Wir wissen ja selber nicht mal, was wir wollen.


Auf die harte Tour

Heute Mittag war auf einmal Zapfenstreich. Mein VPS machte keinen Mucks mehr. Laut Webinterface des Hosters war er betriebsbereit und auch über VNC erreichbar. Aber der Login funktionierte nicht mehr, genau so wenig war er per Ping erreichbar. Der Neustart dauerte ewig und auch die Neuinstallation verdächtig lang. Das Ergebnis blieb aber gleich: Es ging nichts mehr.

Also habe ich einen länger im Kopf schwelenden Plan umgesetzt, den bisherigen VPS gekündigt und bei Hetzner zugeschlagen. Aber wie nun aufsetzen? Auf Cloudron hatte ich keine Lust mehr, also beschloss ich spontan: Ich lerne Docker. Neunzig Minuten nach Bereitstellung war der Server konfiguriert, abgesichert und The Lounge betriebsbereit. Und mir hat sich nebenbei eine neue digitale Welt erschlossen. Nämlich die des Selberwerkelns mit Docker, fernab von vorgefertigter und sich immer kratzig anfühlender UI mit Beschränkungen.

Vor einiger Zeit noch wäre mir das zu heikel gewesen, jetzt habe ich ein paar Dokus gelesen und gemacht. Gleichzeitig konnte ich wieder hilfreiche Hinweise aus dem IRC mitnehmen, die mir die Config-Datei für The Lounge verbesserten. Aber ich bin auch froh, dass das jetzt nur der Bastelserver war, den ich sehr einfach from scratch neu bauen konnte. Auf die harte Tour lernen macht so mehr Spaß.


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