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Sind wir müde?
In den letzten Wochen fiel es mir erst schleichend, dann immer stärker auf. Die Schlagzahl an Posts auf den von mir geschätzten Blogs hat sich reduziert. Schaue ich in die RSS News, gab es früher zehn bis fünfzehn Beiträge pro Tag. Jetzt sind es vier bis fünf. Auch im Gesamtkosmos von UberBlogr fühlt es sich wie eine leichte Delle an. Vielleicht gar nicht so sehr in der Quantität, aber in der Zusammenwirkung. Es scheint, als wäre der erste Enthusiasmus einer Geschäftigkeit in kleineren Zirkeln gewichen.
Natürlich ist UberBlogr keine Community, sondern “nur” ein Webring. Aber für mich steht trotzdem ein Vernetzungsgedanke dahinter, Menschen mit einer gemeinsamen Passion und vielleicht sogar Interessen. Daraus ist beispielsweise auch der IRC-Kanal entwachsen, der mittlerweile Teil der täglichen Aktivitäten ist. Aber auch hier hat sich das Nutzerpotenzial auf eine Fraktion verstetigt - die aber auch eine sehr großte Schnittmenge an Interessen und Themen hat. In dem Zuge hatten mthie™️ und ich gestern eine Unterhaltung, in der er mir mein Gefühl auch bestätigte: es wird irgendwie etwas weniger an Beiträgen. Und auch generischer.
Zu den Gründen kann nur gemutmaßt werden. Es gab letztes Jahr die eine oder andere Kontroverse zu der Frage, was und wie Blogs denn sein müssen. Ob KI dazu gehört. Ob es noch Meinungsfreiheit gewährleisten würde, wenn Leute sagen, dass sie bei Nichtgefallen dann Blogs halt auch nicht lesen. Alles am Ende Diskussionen, die darin endeten, dass doch jede:r weiter in der eigenen Suppe rührt. Und vielleicht hier und dort Verletzungen entstanden. Dazu das Ringen um Aufmerksamkeiten, Reichweiten und Engagement - auch in Auseinandersetzungen manifestiert. Am Ende ist alles nur individuelle Perspektive, es gibt keine Industriestandards für Blogs. Und das ist das Gute.
Oder liegt es einfach an der Weltlage, dem Wetter oder bilde ich es mir einfach nur ein? Alles Spekulation, am Ende zählt nur das geschriebene Wort. Davon wünsche ich mir mehr, ohne Abwägungen oder Kalkül. Einfach pure Gedanken, transformiert in Code und gebannt auf Bildschirmen. Müdigkeit vergeht, wenn man in die Bewegung gerät.
Wenig gibt mir vergleichbar inneren Frieden als mir die Kopfhörer aufzusetzen und Jazz zu hören. Vielleicht weil ich mit dieser Musik aufwuchs. Möglicherweise aber auch, weil Jazz eine Grundstimmung ausstrahlt, der ich mich verbunden fühle. Pendelnd zwischen cool und verspielt, niemals aufdringlich oder extrem. Diese Leichtigkeit löst in mir große Zufriedenheit aus.
Hast du gehört, was der Hallervorden gesagt hat?
fragt mich die Liebste. Nein, habe ich nicht. Ignoranz ist der beste Bullshit-Filter, immer anwendbar und sehr zuverlässig.
So richtig denken
Auf seinem Blog stellt Thomas die Frage, wann wir Lesenden denn das letzte Mal so richtig hart nachgedacht hätten. Eine angesichts der pandemischen Ausbreitung an Nutzung von KI-Modellen sicherlich berechtigte Frage - aber von welcher Dimension sprechen wir denn?
Der Denkprozess erfordert einen wesentlichen Parameter: das Ziel. Dabei kann bidirektional gedacht werden, ob vom Ausgangs- oder vom Endpunkt. KI-Nutzung entkoppelt von dieser Fähigkeit, da sie Abwägungsprozesse und Risikenbewertung glättet und damit die Komplexität von Entscheidungssituationen abkappt. Das rächt sich bei völliger Übernahme der Ergebnisse. Die besondere Gefahr liegt dabei in der Ungeduld, also der unmittelbaren Erwartung von konkreten Strategien oder Umsetzungsarbeiten zur Bewältigung von Herausforderungen. Hegel führte dazu aus, dass Ungeduld das Unmögliche verlange - nämlich die Erreichung des Ziels ohne die Mittel. Diese Mittel verfügt auch nicht die KI, sie summiert nur Wissenszustände aus verschiedentlichen Quellen.
Die Notwendigkeit, hart zu denken ergibt sich auch aus der gestellten Aufgabe: Muss ich eine kurzfristige Entscheidung ohne große Konsequenzenrisiken treffen (Sehr triviales Beispiel: Was essen wir heute Abend?) oder im Verlauf eines Projekts nach Eintreten eines Problems den weiteren Prozess reevaluieren - eingedenk aller Kommunikations- und Prozessschritte. Zudem kommt der Aspekt, ob hartes Denken überhaupt sinnvoll ist: Entscheidungen können durch Abwägen jeder Granularität auch zerdacht werden und die Entscheidung sich im späteren Verlauf als schädlich erweisen. Diese Einschätzung ist Teil eines Denkprozesses, aber hier kommt es auf die Perspektive und die Rolle in der Aufgabe sowie die pragmatische Handhabbarkeit an.
Mein persönlicher Ansatz ist, mir immer das Ziel kurz klar zu machen: Was möchte ich erreichen, wie ist für eventuell Beteiligte der beste Ausgang bzw. der gangbarste Kompromiss? Daraus leiten sich Abwägungen und Risiken gut ab und ich kann je nach Schwere der Entscheidung mit Pro/Contra-Einschätzungen eine zu dem Zeitpunkt fundierte Entscheidung treffen. Die Zeit fürs Durchdenken nehme ich mir bewusst, aber so wie es in den Ablauf passt. Das kann auch in Alltagssituationen sein, in denen ich mechanisch Tätigkeiten ausführe und Denkkapazität anderweitig nutzen kann.
In der Bewertung bin ich mir mit Thomas aber einig: Nachdenken macht Spaß und kann gut gesteuert Wirkung erzeugen. Im Zweifel auch gemeinsam, so werden Perspektiven unterschiedlicher Art berücksichtigt und die Lösung bessser.
Nach der Diskussion um Rivva nahm Frank heute nochmal zehn Cent in die Hand und warf sie in den Fluss, um Klarheit zu schaffen - mit der gleichzeitigen Bitte um Feedback. Ich habe mich in den letzten Tagen schon allein aus Kapazitätsgründen nicht eingehend mit der Thematik befasst, aber die Diskussion latent mitverfolgt und würde auch gern meine Gedanken teilen.
Für mich ist nicht klar, wofür denn jetzt konkret Unterstützung erbeten ist. Der aktuelle Post liest sich nach der Bitte, das Hosting zu subventionieren. Die Summe von zehn Cent pro Tag vermittelt zumindest den Eindruck. Bisher verstand ich aber, dass es um die Weiterentwicklung ging, für die nicht das aus Franks Sicht notwendige Backing vorhanden ist. Gleichzeitig verspüre ich auch, dass bisherige Unterstützer:innen keinen Mehrwert in Form von Transparenz an der Weiterentwicklung sehen und somit ihren Zufluss stoppten.
Nicht nur ich wäre bereit, partizipativ an einem neuen Rivva mitzuwirken - aber der Fluss braucht wahrnehmbare Klarheit. Und auch den geebneten Verlauf, der Menschen zur Mitwirkung als Landschaftspfleger:innen motiviert.