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Stack Overflow

Wer zwischen den Zeilen der letzten Beiträge lesen kann, erahnt die hohe Schlagzahl an Ereignissen im familiären Bereich bei uns. Die letzten 5 Wochen hatten es massiv in sich und wir müssen uns immer wieder schütteln und für die nächste Fragestellung postionieren. Solch eine intensive Phase frisst unfassbar viel Energie, nicht nur körperlich. Und die Liebste und ich sind ja “nur” die Angehörigen, die Dinge regeln und Rückhalt geben. Aber darin steckt so viel mehr als nur zu funktionieren. Es bedarf einer ganz massiven Kraftanstrengung, gleichzeitig aber auch einer guten Steuerung eben derselben.

Die letzten Tage haben gezeigt, dass es aber auch wieder aufwärts gehen kann. Der Weg ist zwar lang, aber erste Schritte sind getan und das stimmt positiv. Es fühlt sich an wie die ersten warmen Sonnenstrahlen nach einem arktischen Winter. Auf einmal ist ein Licht da, welches man nicht erwartet hatte. Weder vom Timing noch von der noch zarten, aber fühlbaren Intensität. Man schließt die Augen und nimmt diese Wahrnehmung ganz tief in sich auf. Mit dem Bewusstsein, dass das Wetter wieder umschlagen kann - aber dass etwas überstanden sein kann.

Um dem Stack Overflow zu begegnen, habe ich entgegen meiner ursprünglichen Position den überwiegenden Großteil der Fußball-EM verfolgt. Und dabei wieder festgestellt, wie weit ich mich von diesem Sport entfernt habe. Die große Begeisterung ist vorbei, es bleibt eher eine technische Betrachtung. Das teilweise schlechte Spielniveau (wenig überraschend, wenn der Kalender der Akteure mit immer mehr sinnlosen Wettbewerben gefüllt wird) und die massive Kommerzialisierung tragen zur inneren Abgrenzung bei. Ansonsten suche ich Ablenkung in der Arbeit und habe begonnen, mich mit Astro als neuer SSG-Alternative zu beschäfigen. Optisch macht es verdammt viel her und erleichtert den Einstieg ungemein. Andererseits wiegt das Paket im Vergleich zu Jekyll viel mehr, das stört mich etwas. Ich werde mich in den nächsten Tagen aber mit dem Grundaufbau ohne vorgefertigte Inhalte beschäftigen und das ist sicherlich deutlich schlanker.

Sonntag habe ich vorsichtig in meine Jahresziele geschaut, dabei konnte ich doch tatsächlich ein paar Haken setzen. Meine Vermutung lag eigentlich deutlich geringer, gerade in Anbetracht der aktuellen Situation. Deswegen gehe ich die zweite Jahreshälfte auch entspannter an, gelernt habe ich (mal wieder): Du kannst alles planen, nur nicht das Leben. Aber du kannst planen, wie du damit umgehst.


250 Commits und 'ne Buddel voll Rum

Gut, mit Rum kann ich nichts anfangen, aber den Gedanken an eine Schatzkiste hatte ich unweigerlich. Denn um den aktuellen Status des Blogs herzustellen, musste ich gefühlt viel “graben”. Nicht jeder Commit war ein Entwicklungs-Meilenstein, sondern oftmals auf meiner etwas sturen Herangehensweise und daraus folgendenden Korrekturiterationen gegründet. Für mich ist aber mit jedem Commit ein Lerneffekt eingetreten, mal klein und gelegentlich groß. Aber nie ging etwas fundamental kaputt und der Funktionsumfang des Blogs wuchs mit der Zeit.

Heute gab es eine größere Iteration, man kann jetzt Inhalte suchen und es gibt nun eine /slashes-Seite, die das Blog und mich beschreibt und vorstellt. So langsam mutiert dieses Kleinod zu einer waschechten IndieWeb-Seite mit immer mehr Gimmicks. Gemessen an dem, was noch möglich ist, stehe ich immer noch am Anfang. Ich habe aber keine Agenda mit fixen Deadlines, zu wann ich gewisse Funktionen fertig haben möchte. Es geht eher darum, dass ich lerne und wenn dabei etwas Sehenswertes entsteht, wird das früher oder später auch verfügbar sein.


Mongolischer Kaschmir

Das Erstaunliche an der Verbindung zwischen meiner Liebsten und mir ist dieses fast blinde Verständnis in schwierigen Situationen. So auch aktuell, in der wohl schwierigsten Situation die wir je zu meistern hatten. Wir sind uns in fast jeder Frage einig und sagen uns immer wieder, dass wir das zusammen durchstehen. Das gibt unfassbar viel Kraft, die Dinge anzugehen und zu lösen.

Aber auch Zuspruch von außerhalb, der uns Freiraum und Rückversicherung gibt, hilft sehr. Man ist immer weniger allein als man glaubt, wenn das Leben einem mal heftig den Boden unter den Füßen entreißt. Zugegeben, man muss auch mit Unverständnis bei manchen Zeitgenossen rechnen. Ein Unverständnis, dass an den gesunden Menschenverstand zweifeln lässt. Aber die deutliche Mehrzahl an hilfreichen und unterstützenden Menschen wiegt das mehr als auf. Und wir haben gerade eh kaum Zeit, uns mit dummen Kommentaren auseinander zu setzen.

In solch einer Lage ist alles absurd, die Liebste füllt Katzenfuttertüten in einen anderen Beutel um. “GOBI - MONGOLIAN CASHMERE” prangt auf der Seite und ich frage, wo der Beutel herkäme, mir wäre er unbekannt. Die Liebste quittiert meine Frage mit einem Schulterzucken und verweist auf ihre Mutter. Normalerweise würden wir jetzt eine wilde Spekulation starten, doch: keine Zeit. Es wartet der neuerliche Kampf mit dem Jetzt für ein besseres Bald.


Des Pudels Kernschmelze

Die erste Arbeitswoche nach dem Urlaub war wie ein Ritt auf einer Rodeo-Maschine bei voller Geschwindigkeit und der Aussicht von Salzsäure im Becken. Also bloß nicht runterfallen, irgendwie festhalten. Möglich- und Unmöglichkeiten einigermaßen durchsteuern, dabei noch einen besonderen privaten Umstand managen. Es gibt wahrlich leichtere Aufgaben. Die Erholung? Verblasst, am Bahnhof ausgestiegen und frech winkend auf dem Bahnsteig stehend aus meinem Blick entschwunden während der Zug der Realität volle Fahrt aufnahm.

Dienstag kam das eingelöste Geburtstagsgeschenk der Firma an: Bier aus einem Online-Shop für Craftbiere. Bin aber mal wieder vor allem bei verschiedenen Sorten Helles hängen geblieben. Dabei war ein neuer Willibecher, diesmal sogar als 0,5l-Version. Der alte 0,4er hatte einen Riss und es war eine Frage der Zeit, bis dieser eine ausgiebige Sauerei in Form auslaufenden Bieres verursacht hätte. Biertulpen sind nicht so meins, der Willibecher hat eine robustere Statik. Manchmal neige ich nämlich zum unabsichtlichen Umwerfen von Gläsern, Willibecher kann man meist noch schnell retten. Das sagt mir jedenfalls die anekdotische Evidenz.

Generell sind die Liebste und ich sehr müde, oben erwähntem Umstand geschuldet. Und obwohl uns die Situation immer mehr zermürbt, geben wir einander Halt und können auch lachen. Dafür bin ich sehr dankbar. Nun müssen wir hoffen, dass sich die Lage bald beruhigt und wir wieder durchatmen können. Durchschlafen können ist nämlich schon wertvoll.


Das Internet als Straße

Wer sich dieses kleine Blog in den letzten Tagen genauer angeschaut hat, hat festgestellt, dass es jetzt Mitglied im UberBlogr-Webring ist. Ein Webring ist eine architektonisch ringförmig gedachte Verbindung von Seiten, bei denen User:innen bequem immer weiter “skippen” können und so andere Inhalte der Mitglieder:innen entdecken können. Dabei kann der Webring entweder thematisch oder typmäßig gestaltet sein, je nach Webring sind die Mitmachregeln unterschiedlich.

Eines der Mitglieder hat die Analogie in den Raum gestellt, dass der Webring eine Straße ist und jedes Blog wie ein Haus. Gerade in einer Zeit, in der Spaltung immer mehr Raum bekommt als das Verbindende, finde ich das eine sehr schöne Bildsprache. Mein “Haus” ist eine Schnapszahl, es trägt die Nummer 33. Vor einer Woche lag es gefühlt am Ende der Straße, inzwischen wurde fleißig angebaut und mein Haus wird bald mitten im Dorf, irgendwann vielleicht sogar recht am Anfang der Straße zu finden sein. Die Anwohner sind alle unterschiedlich, bringen unterschiedliche Erfahrungen und Themen ein. Uns alle eint aber, dass wir unseren Platz gestalten und Freude daran haben, den “Baufortschritt” miteinander zu teilen. Es macht großen Spaß zu entdecken, was links und rechts, am Dorfeingang und am -ende alles Neues entsteht. Und wer denn alles noch so dazu kommt, gerade sind wieder drei potenzielle Einwohner:innen auf der Warteliste.

Was Thomas als “Dorfgründer” auf die Beine gestellt hat, ist keine Utopie - sondern der Beleg, dass man im Internet miteinander vernetzt sein und Freude haben kann, ohne in Kurzform zu denken und zu argumentieren und ohne sich verbal gegenseitig auf die Mütze zu geben. Es braucht keine algorithmische Verwurstung, sondern Menschen mit Gedanken, Geschichten und Gestaltungswillen. Neugier aufeinander ist natürlich auch essenziell. Aber was ich in den letzten Tagen alles an tollen Beiträgen las, gibt Hoffnung, dass das Internet nicht verloren ist. Man sollte nur seine Aufenthalte in den Molochen wohl dosieren und ansonsten “sein” Dorf genießen. Zu Hause ist es halt immer am Schönsten.


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