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Social Media must die

Nachdem Elon Musk bewiesen hat, dass Vermögen und Unvermögen gleichermaßen eine Person kennzeichnen können und er Twitter X tagtäglich näher Richtung Erdkern fährt, hat sich in der Netzgemeinde immer noch der irrige Wunsch nach “Aber wie früher”-Alternativen manifestiert. Mittlerweile gibt es ja reichlich Auswahl, Cross-Posting auf den verschiedenen Kanälen ist der neue Trend. Für den überwiegenden Teil der Menschen in Deutschland ist Threads seit drei Wochen neu, sie hatten es vor der zwischenzeitlichen Pausierung aufgrund der “Bedenken” nicht rechtzeitig reingeschafft.

Auch ich habe mir Threads angeschaut und habe schon nach kurzer Zeit attestiert, dass das so ein Schuss in den Ofen wird. Die “Für dich”-Timeline ist eine einzige Zumutung von teils ekelhaften Aussagen, bei der sich manche Protagonist:innen gerade zu darin überbieten, wer die nächste blockierungs und meldewürdige Grütze von sich gibt. Trotz massiver Block-Aktivität meinerseits rutschten jeden Tag neue “Perlen” dieser Art nach, mittlerweile muss ich 200+ Accounts gesperrt haben. Problematisch ist auch, dass aufgrund des Hypes viele solcher oft misogynen Takes direkt viral gehen oder jemand anders den Mist mit einer “Gegenrede” repostet. So oder so: Threads ist in wenigen Tagen so anstrengend geworden wie Twitter kurz vor der Musk-Übernahme.

Es ist offenkundig, dass vielen Personen dort die Möglichkeit der Reichweite nicht bekommt und sie diese liebend gerne für Provokationen oder den traurigen Beweis mangelnder Reflektionsfähigkeit zu nutzen. Dem Problem kann man nur durch eine Fragmentierung beikommen, denn offenkundig sind nicht die Plattformen an sich schuld (die Algorithmen sind ja auch nur so gut oder schlecht, wie man sie füttert), sondern die Personen und Inhalte. Das macht aus dem rabbit hole das shit hole.

Und das Fediverse? Ist das nicht auch Social Media? Für mich ist da eine Abgrenzung, weil ich die Infrastruktur dafür ja selber vorhalte (bzw. vorhalten lasse) und mein eigener Herr bin hinsichtlich der Frage, mit welchen anderen Instanzen meine eigene Instanz föderiert ist. Den Begriff “Personal Media” finde ich dafür geeigneter, gemeinsam mit dem Blog ist das eine unabhängige und nachhaltige Umgebung ohne auf das Wohlwollen Dritter angewiesen zu sein. Ich habe in den über fünf Jahren auch nur eine Person blocken müssen, die ganz offensichtlich ein Troll war und anonym Stress machte (dann aber ebenso schnell von der Instanz geblockt wurde wie sie sich dort anmeldete). Das hat sich organisch geregelt, sowas würde man bei X, Meta und wie sie alle heißen kaum erleben. Noch ein Grund mehr, sich von diesen Plattformen zu lösen.

Eines meiner Ziele für 2024 ist es, Social Media aufs absolute Minimum zu reduzieren und Personal Media dafür in allen Bereichen zu verankern. Sowohl in den Tools als auch im Austausch mit Menschen. In den letzten Jahren habe ich schon coole Personen kennen gelernt, denen Viralität ebenso gleich ist und mit denen jede Interaktion Freude macht. Und das ohne sich vor größtmöglichen Publikum zum Affen zu machen, sondern einfach indem man ähnlich gelagerte Interessen hat oder spannende Dinge teilt. Dafür verzichte ich sehr gerne auf “Social Media”.


Vier Teelöffel Apfelmus

Heute habe ich das erste Mal Kuchen gebacken, der vom Standard-Marmorkuchen abweicht, den ich sonst mache. Da wir nur noch zwei Eier hatten, habe ich anstelle der fehlenden zwei Eier Apfelmus hinzugefügt. Der Kuchen kühlt noch ab - ich kann also noch nicht sagen, ob ich mengenmäßig gut agiert habe. Denn zu viel Apfelmus sorgt dafür, dass aus dem eigentlichen Bindemittel ein beeinflussender Geschmack wird. Und darauf habe ich nicht so Lust.

Vorm Einschlafen (wieder nach Mitternacht, shame on me), hatte ich mich ins Werk von Anton Bruckner reingehört. Um die Zeit damit anzufangen ist natürlich eine Schnapsidee, aber wann sonst kann ich das ohne Reue tun als im Urlaub?

Mit einer Mail teilte mir Amazon mit, dass Prime Video nun auch den Weg der Enshittification beschreitet. Zusätzlich zum Grundpreis und dem immer öfter fällig werdenden Beträgen fürs Leihen oder Kaufen von Filmen (das Angebot wurde in den letzten Jahren ja beträchtlich ausgedünnt), möchte Amazon ab dem 5.2. monatlich 2,99€ zusätzlich, wenn sie einen dafür mit Werbeunterbrechungen verschonen. In den Feeds sah ich schon die ersten “Kündigung ist raus”-Posts, ganz abwegig ist der Gedanke nicht. Denn im eigentlichen Sinne ist dies eine Preiserhöhung um vierzig Prozent, seit meinem Erst-Abo 2015 sogar 257%. Durch die frühzeitige Ankündigung haben wir aber noch einen Monat Zeit, um uns zu entscheiden. Im Zweifel etablieren wir die zu linearen Programmzeiten bereits erfolgreiche Biopause.


Entrückte Jahresblicke

Mit dem gestrigen Abend haben wir die Raclette-Saison 2023/2024 beendet. Die Ursache liegt weniger in der Verfügbarkeit von Zutaten (mit dem noch vorhandenen Raclettekäse könnten wir sicherlich ein Fondue ausstaffieren), sondern eher in der mühseligen Reinigung von Grillplatte und Pfännchen. Es ist eine gelinde gesagt scheiß Arbeit und man schwankt zwischen “jetzt nochmal richtig hart schrubben” und “aber die gute Beschichtung”. Vermutlich ist das auch der wesentliche Grund, warum sich Raclette niemals für den alltäglicheren Gebrauch durchsetzen wird.

Der Tag begann kurz nach Mitternacht mit einem unverlangt eingesandten Jahresrückblick von Lieferando, dank dem ich nun weiß, dass Auslieferfahrer:innen im Jahr 2023 22,69 Kilometer fuhren, um uns bestellte Speisen zu liefern. Was ich mit dieser Information soll, weiß ich nicht. Vermutlich fand ein gewitzter Marketing-Guru, dass man die Disziplin “Nutzlose Fakten individuellen Verhaltens” nicht allein Spotify überlassen sollte. Meinem eh schon mehr als kaputt konfigurierten Schlafzyklus hat das neu erlangte Wissen nicht gut getan. Den Rest des Urlaubs werde ich nun sehr verzweifelt versuchen müssen, wieder mehr dem gesellschaftlich erwarteten Werktags-Wach entgegen zu kommen.

Im weiteren Verlauf schauten wir das im ZDF gelaufene Neujahrskonzert von gestern nach. An sich wollte die Liebste es wegen der Eröffnung des Bruckner-Jahrs sehen, es kam aber nur ein eher belangloses Stück vor. Der Rest war in Hauptsache Johann Strauß und seinen Nach- und Nebenkommen gewidmet. Das Verhalten des Publikums in Sachen Beifallsbekundungen zeigte allerdings deutlich auf, dass die Zahl der Klassikfreunde durch die der High Society-Verpflichteten deutlich überstiegen wurde. Zudem kamen uns die zwischendurch eingeblendeten Darbietungen des Wiener Staatsballets wie ein Fiebertraum vor, ansonsten war das Konzert aber in Ordnung.

Ansonsten schaute ich mir noch verschiedene Static Site Generatoren an und verfluchte meine Faulheit beim Erlernen von HTML, CSS und JS. Was könnte ich für hübsche Dinge anstellen, wenn ich das wirklich könnte. So bleibt nur das Gefühl einer andauernden Unzufriedenheit, die nie wirklich aufgelöst wird. Vielleicht muss ich doch nochmal an das Thema, mir ist jedoch die beste Art des Zugangs unklar. Probiert habe ich da Einiges, aber bisher war keine Methode erfolgreich. Das sollte ich ändern, denn grundsätzlichen Spaß an der Thematik hätte ich schon.


Krone der Erschöpfung

Der Jahresbeginn war wieder von großer Sorge um die Katzen geprägt. Der Kater kauerte eine Stunde im Bad und wurde von der Liebsten umsorgt, Katze 1 bekam einen Hustenanfall und Katze 3 lag den ganzen Abend im Bettkasten, kam gegen halb zwei völlig verängstigt in die Küche und wollte sich kaum streicheln lassen. Katze 2 tat indes cool, anhand ihrer Pupillen sah man aber, dass sie die verdammte Böllerei doch mitnahm. Es war aber längst nicht so ein Wahnsinn wie im vergangenen Jahr, als Feuerwerk als Bastion der Freiheit empfunden zur völligen Eskalation führte.


Hundert Jahre Radio

Früher habe ich ständig Radio gehört. Als ich sehr jung war, begleitete mich der lokale Jugendsender durch den Tag. Später kamen Sender mit Fokus auf Wortbeiträgen und danach sogar Sender mit kultureller Ausrichtung dazu. Dabei war ich stets Progammen des öffentlichen Rundfunks zugeneigt, die privaten Angebote haben mich durch ihre Art der Programmausrichtung und eher effektheischenden Ausführung eher genervt.

Mich faszinierte aber vor allem auch die Technik, wie die Wellen genutzt wurden und in welch unterschiedlicher Qualität der Empfang durch die verschiedenen Systeme war. Inzwischen sind in Deutschland auf Lang- und Mittelwelle keine Radiosender mehr zu empfangen, die Ultrakurzwelle wird auch langsam abmoderiert. Bei uns im Haus ist sie sogar gar nicht empfangbar, weil die Sendeleistung des Senders das nicht mehr hergibt. Es gäbe mit DAB+ und Streaming sowie über den im Haus vorhandenen Kabelanschluss genug andere (und technisch bessere) Möglichkeiten. Doch genau das nimmt mir den Spaß, Radio empfangen zu wollen. Es ist technisch nicht mehr das Gleiche, weil der Empfang direkt und ohne das Frequenzsuchen, Rauschen und all den herrlichen Nebengeräuschen funktioniert. Man kann sagen, dass es langweiliger geworden ist. Auf dem Handy habe ich eine App, die das etwas simuliert, aber das ist kein wirkliches Substitut.

Dazu kommt, dass nahezu alle Inhalte auch ohne lineare Programmierung verfügbar sind. Audiotheken, Podcastfeeds und andere Optionen bieten die direkte Abholung von Inhalten an, man muss gar nicht mehr auf die Sendung warten oder sich sicherheitshalber vorher einschalten. Das nimmt auch den Reiz, Radio bewusst zu genießen. Infolge dessen werden Angebote zusammen gelegt oder gestrichen, die Wertigkeit nimmt ab. Und so wird auch aus einstmals gutem Programm ein “Das Beste der 70er, 80er, 90er, und ab 2000 - alle sieben Sekunden Nachrichten”.

Das hat bei mir auch eine Abkehr zu den AoD-Angeboten eingeleitet. Das ist fürs Einschlafen manchmal suboptimal, weil die Länge nicht ganz reicht. Aber ich kann so selektieren, was mich interessiert. Besonders mag ich die Beiträge des SWR2 Archivradio, das Beiträge aus allen Epochen der Ausstrahlung von Radioprogrammen der letzten einhundert Jahre bietet und Geschichte erlebbar macht. Einiges habe ich bereits mehrfach gehört.

Aber was bleibt nach einhundert Jahren? Ein Medium auf dem Rückzug? Hoffentlich nicht, Radio hat in schweren Zeiten seinen Wert als Medium bewiesen, weil es verlässlich Informationen bietete. Sicher wird sich die Verbreitung auf rein digitale Weise schlußendlich durchsetzen, aber es wird nicht verschwinden. Die reine Übertragung auf Tonspur fasziniert Menschen seit jeher, es regt die Fantasie an und lässt Bilder im Kopf entstehen. Und vielleicht ist genau das der Grund, dass das Radio auf ein Jahrhundert wechselvoller, aber stets spannender Geschichte zurück blicken kann. Und mit Sicherheit eine ebenso spannende Zukunft haben wird.


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