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Unsocial your media
Ich habe es getan, Freitag Mittag habe ich meinen Instagram-Account zur Löschung angemeldet. Wenn ich mich nicht mehr anmelde, ist der Account am 2.2. endgültig weg und ich habe auch nicht die Absicht, daran etwas zu ändern. Auf den Post, den ich kurz vorher zu meiner Absicht teilte, erhielt ich positives Feedback - das ermutigt mich in meiner Fediverse-Idee umso stärker. Parallel ging durch die Presse, dass Meta zu Forschungszwecken entwickelte KI-Bots, die auf Instagram posteten und interagierten, aufgrund massiver User-Beschwerden deaktivierte. Diese Bots konnte man anscheinend weder muten noch blocken, was die Schar der noch aktiven Nutzer:innen anscheinend verärgerte. Von außen betrachtet bleibt aber nur zu konsternieren: Die Purge dort beginnt, man sollte sich dort ausklinken.
Ansonsten hat die aktive Faslamsphase begonnen, dieses Jahr wird unser Wagen den Faslam auf den Mars verlegen. Allerdings ohne Musk, dafür mit fröhlichen Astronauten und Marsianern. Erste Elemente sind schon gebaut, wir sollten diesmal gut durchkommen. Die Gruppe ist auch um zwei Mitglieder gewachsen, das schafft natürlich mehr helfende Hände. Jetzt heißt es auf den Höhepunkt Faslamsumzug am 1.2. hinzuarbeiten.
Die Liebste hat mir noch zwei Fotos vom Neujahrsgang für das Blog gestiftet, zunächst die niedersächsische Tristesse in ihrer ganzen Pracht. Dann noch der Humanismus neuer Art im Umgang mit der Umwelt.
Leichtgesinnte Flattergeister
Der Einstieg in berufliche Alltäglichkeiten gelang erstaunlich leicht, anscheinend ist der überwiegende Großteil meinem Beispiel noch nicht gefolgt und behält sich das für noch kommende Tage vor. So hatte ich Zeit, lästige administrative Aufgaben zu erledigen und mir Gedanken über ein Onboarding zu machen. Mal in Ruhe etwas durchdenken, gar nicht so typisch in der Hektik der täglichen Mühen.
Gestern erstand die Liebste ein weiteres Röhrenradio, diesmal eine Philips Philetta aus dem Jahre 1957. Mein bereits erfolgreich verprobter Trick vom Largo funktioniert nicht, denn die Philetta hat keinen DIN-Anschluss. Stattdessen hat es einen Tonabnehmerstecker, auch als Phono-NF bekannt. Der Haken ist, dass diese Stecker mittlerweile antiquaren Status genießen und die damalig führende und erfindende Herstellerfirma längst verkauft und zerschlagen wurde. Die Stecker selbst gibt es zu Mondpreisen bei einschlägigen Portalen, man muss dann aber selber bestücken und polen. Alternativ könnte man auch mit Bananensteckern arbeiten, der eigentliche Stecker hat aber zusätzlich einen Massepol, den man versorgen muss.
Alles in allem wird das also eine Herausforderung, zunächst muss das Gerät aber ankommen. Dann kann ich mir die Anschlusssituation nochmals richtig besehen (die verfügbaren Bilder im Internet sind grauenhaft, anscheinend fotografieren die Sammlerpuristen gerne mit 100x100 Pixeln) und weitere Schritte überlegt einleiten. Letztendlich erinnert die Situation aber daran, wie viel Glück wir mit unserem ersten Radio haben, das ein Schnapper war und sich im hervorragenden Zustand (gemessen an seinem Alter) befindet. Aber der Mensch lernt ja am Besten durch Beschäftigen mit einer Situation.
Ach ja, der Titel: Gestern entdeckte ich einen Führer durch das Kantatenjahr mit Bach, für einen sehr bestimmten Sonntag im Februar (ja, genau der) steht die Kantate “Leichtgesinnte Flattergeister” (BWV 181) als mögliche Beschallung zur Disposition. Die Kantate ist mittlerweile 300 Jahre alt, der gute alte Johann Sebastian bewies aber einen Weitblick seinesgleichen. Er muss wohl Zyniker gewesen sein.
Neujahrsgang
Trotz nicht vorhandenem Kleinkind oder Hund mit Bewegungsmangel waren die Liebste und ich kurz im Draußen, um das neue Jahr zu begrüßen. Uns schlug niedersächsische Trostlosigkeit in einer Komposition grauer, lichtloser und nebelverhangener Kulisse entgegen. Während wir die Hinterlassenschaften humaner Ignoranz vor der Umwelt besahen, sprach die Liebste vom “Neujahrsgang vor die Hunde”, den wir beschreiten würden. Ich liebe diesen sehr eigenen Humor, den wir in unserer Partnerschaft entwickelt haben.
Ansonsten steht der Tag unter dem Eindruck der Endlichkeit: Urlaub, Raclettesaison und auch meine Zugehörigkeit bei diversen “sozialen” Netzwerken. Für 2025 möchte ich dem Fediverse etwas zurück geben, was ich an positiver Stimmung erhalten habe. Dafür grübele ich seit Wochen, wie man auf einer gemeinnützigen Basis die Öffentlichkeitsarbeit leisten kann, die das Fediverse im deutschsprachigen Raum benötigt. Es ist eine große Aufgabe, sie muss aber erfüllt werden. Zu sehr haben uns Musk, Zuckerberg und die anderen Tech-CEOs bereits im Würgegriff.
Und so startet ein Jahr voller Tatendrang, mit Visionen und Zielen, Hoffnung und Ideen. Möge 2025 uns ein Stück der Erkenntnis näher bringen, dass wir in Gemeinschaft die Welt ein kleines Stück besser machen können.
2024 in Fragen
Ich fand den Jahresrückblick bei Stefan schon immer interessant, nachdem ich ihn auch bei Johannes sah, dachte ich mir, ich könnte ja auch mal mitmachen und habe mir aus dem Konvolut an Fragen, dass die beiden beantworten die mir passende Schnittmenge herangezogen. Zunächst war ich kurz unsicher, ob ich die Antworten auch veröffentlichen mag, da sie teilweise doch viel offenbaren. Aber all das war Teil unseren Jahres und gehört dazu, wenn ich diesen Rückblick ernsthaft meine.
2024 war für mich, für uns ein ausgemachtes Negativjahr mit viel Emotionalität und Ungewissheit. Wir sind noch längst nicht über den viel zitierten Berg, Geduld und Vertrauen sind unsere härtesten Lehrmeister. Auch beruflich war es teils turbulent. So richtig stabil wurde es erst ab Oktober, im Dezember kam dann das kleine Weihnachtswunder namens Herz statt Merz dazu. Stack Overflow als Dauerzustand, ständig gab es was zu tun oder entscheiden. Und damit ist noch kein Mü Weltgeschehen einbezogen. Am Ende gab es aber auch viele kleine Glanzlichter, in diesem Jahr so nachhaltig geloggt, dass ich den Rückblick zu Wege bringen konnte. Auch das ist ein Erfolg.
An dieser Stelle euch allen einen guten Rutsch und ein fantastisches 2025, vielen Dank für eure treue Leserschaft und auch das Feedback. Gerade in diesem Jahr war dieses gemeinschaftschaftliche Gefühl dank UberBlogr, dem Fediverse und eben HsM eine Wohltat. Mein Ziel ist es, noch regelmäßiger zu bloggen und damit Personal Media in meinem 40. Lebensjahr noch stärker zu fokussieren. Und damit rein in den Fragebogen:
Zugenommen oder abgenommen?
Die Waage ist kaputt, kein Witz.
Haare länger oder kürzer?
Ich gehe seit diesem Jahr wieder zu einem Friseur, um der Liebsten nach vier Jahren Home-Hairstyling eine Entlastung zu verschaffen. Seitdem definitiv wieder kürzer.
Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Ist das eine 3 oder eine 8? Irgendwas passiert da gerade bei mir und ich mag es nicht.
Mehr bewegt oder weniger?
Mehr, speziell im Sommer und im Dezember-Urlaub riss ich viele Kilometer. Fantasy Hike half mir durch Gamification-Feeling.
Mehr ausgegeben oder weniger? Die teuerste Anschaffung?
Am Ende hin ging das Jahr dank einer unerwarteten Großzügigkeit gut aus. Teuerste Anschaffungen waren der Ersatz zwei zertretener Glasscheiben und der neue Laptop des Sohnes.
Das leckerste Essen?
Sorry, aber Käsespätzle sind auch 2024 unangefochtene Spitze gewesen.
Getränk des Jahres?
Deit Pink Grapefruit. Und der Abril Grauburgunder, Jahrgang 2021.
Erkenntnis des Jahres?
Das Leben geschieht, während man eigentlich andere Dinge vorhat.
Beste Idee/Entscheidung des Jahres?
Der Kauf des Röhrenradios und das damit verbundene Glück sowie die spontane Entscheidung, bei Herz statt Merz mitzumachen.
Schlimmstes Ereignis?
Die Erkrankung unseres Sohnes mit all der Hilflosigkeit, die wir im Mai und Juni verspürten. Wir sind immer noch in der Verarbeitung des Erlebten verhaftet.
Schönstes Ereignis?
Die spontane Jahrestagfeier in Lüneburg am Stint bei Pizza, Aperol Spritz und Bier. Zu dem Zeitpunkt war das gefühlt wie ein Jahresurlaub von all der Bekümmertheit der vorangegangenen Wochen.
Stadt des Jahres?
Lüneburg war dieses Jahr Dreh- und Angelpunkt.
Die schönste Zeit verbracht mit?
Meiner Liebsten. Und den Katzen.
Erfreut haben mich?
Viel Verständnis und Zuspruch, gute Gespräche über Mastodon, dass man aus politischer Lethargie erwachen und etwas bewegen kann bei einem gleichzeitig vorherrschenden Gefühl von Gemeinschaft.
Welche drei Erlebnisse haben dieses Jahr besonders geprägt?
Die Erkrankung, Herz statt Merz, das etwas andere Kundenprojekt.
Drei Dinge, die es im kommenden Jahr viel häufiger geben sollte?
Ausgleich, Genuss, Momente des Glücks.
Träume gelebt? Wünsche erfüllt?
2024 war kein Jahr für große Wunscherfüllung.
Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Materiell der Aquarellkasten zu Weihnachten für die Liebste. Emotional füreinander da gewesen zu sein.
Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Das Buch von Wittgenstein und die Peanuts Christmas-Platte, beides von der Liebsten. Emotional jedes gute Wort in diesem Jahr.
Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt oder mir geschrieben hat?
“Es ist auch Ihr Leben!“ | “Papa!“ | “Du bist ein Sympathieträger.”
Wofür bin ich in diesem Jahr besonders dankbar?
Dass es Menschen gibt, für die Zuhören kein leeres Wort ist.
Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Miteinander arbeiten funktioniert besser als gegeneinander.
Enttäuscht hat mich?
Dass die Menschheit offenbar lachend ins Verderben rennen möchte.
2024 zum ersten Mal getan?
Einen veganen Kuchen gebacken, aktiv Faslam gefeiert, einem Webring beigetreten, eine Vorsorgeuntersuchung vornehmen lassen, als Wahlhelfer beworden, eine Kiste Wein geordert, einen Sicherheitstoken in Hardwareform verwendet und einen Homeserver aufgesetzt.
Und was war sonst noch?
Vollmachten, kleine Küchengeräte mit großer Wirkung, die Videokamera auf der Terrasse als Antwort auf Eierwürfe, die magere Ernte, der Biss von Katze 3, 16 km Fußmarsch auf der OMR, die Hernie und der gebrochene Zeh, Calls um 8 Uhr, die Rückkehr des Besucherkaters, smashed potatoes, die Todesnachricht durch Googlen, der Knick im Kalender, unzählige positive Verhaltensupdates bei Katze 3, die Kiste Bier zum Geburtstag, der neue Arbeitsrechner und die Entdeckung von Nextcloud.
Vorherrschendes Gefühl 2024?
Ratlosigkeit.
2024 war mit einem Wort?
Überfordernd.
Stoppt Mailversuche!
Im Sommer warnte mein Hoster des geringsten Misstrauens vor einer Welle an Spam-Mails, die die hauseigenen Filterregeln nicht in den Griff bekämen. Aber es gäbe eine patente Lösung, man möge doch einen DMARC-Eintrag setzen. Das sollte nach Einschätzung des Hosters das Problem lösen.
Nach einiger Zeit muss ich anerkennen: Ja, hat es. Aber nicht für mich, sondern für den Hoster. Bekam ich vorher gefühlt eine Spammail in sechs Monaten, so wurden es seitdem täglich bis zu fünf Nachrichten, die allesamt für irgendwelche fantasievollen Boniprogramme mit begrenzter Aktionsdauer warben. Auch kunstvoll gearbeitete Fakemails in Namen meines Hosters waren dabei, der um Domainverlängerungen bat, allerdings mit falschen Personen in der Anrede. Vorgestern ging es los, dass Abwesenheitsnotzien von Firmen als Antworten auf diese Welle an sinnloser Quatschkommunikation eintrudelten.
Offenkundig wollte der Hoster das Problem einfach nur an seine Kunden externalisieren und Ressourcen schonen. Da ja noch Weihnachten ist, habe ich ihm das Geschenk aus dem Sommer gestern Abend mit roter Schleife umwickelt und großer Freude durch Entfernen der DMARC-Regel zurück gegeben. Seitdem herrscht himmlische Ruhe in den Postfächern. Ob die Spammer auch Weihnachten feiern und deswegen die Füße still halten? Ich weiß es nicht, hoffe aber eher auf den Effekt der Regelentfernung.