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Ira et studio
Zorn und Eifer, gleich der betrachteten Situation. Wohin man sich auch umblickt, die sachlichen Argumente sind der Lautstärke und dem Beharren an überholten Einsichten oder leicht umstoßbaren Behauptungen gewichen. Emotion als Triebfeder für dauerhaftes Sendungsbewusstsein - das Schaulaufen im Jahrmarkt der Befindlichkeiten. Das Theater hat rund um die Uhr auf, wir können anscheinend nicht genug davon bekommen.
Am Ende bleibt aber die Erkenntnis, dass wir gar nichts mehr voneinander wissen. Wer sind wir, wo kommen wir her, was beschäftigt uns und ist unser Motor im Leben? Würden wir einander ernsthaft zuhören, miteinander in den Dialog geraten und Identität nicht als negativ beeinflussenden Faktor, sondern als Beitrag zur Diskussion und zur Gesellschaft begreifen, was wäre dann möglich? Wir können Gemeinschaft nur mit den Menschen machen, die nun mal da sind. Dafür braucht es die Dialogfähigkeit, gleich auf welcher Seite.
Inhaltliche Auseinandersetzung kann schmerzhaft sein, sie kann uns vor Widersprüche stellen und unser Denken oder Handeln hinterfragen. Es gibt aber keine Alternative zum Wandel, kein anderes Konzept als das der Gesellschaft. Es braucht weniger Zorn und Eifer, mehr Gelassenheit. Mehr Interesse am Anderen, mehr Offenheit. Nur dann gelingt uns die Aufgabe, miteinander in Frieden zu leben.
Puffertag
Eine Woche Stille. Auch kein Wochenrückblick, dafür war keine Zeit und noch viel weniger Inhalt. Heute ist Feiertag, das ist ein wohltuender Puffer nach all der Mühsal der letzten Wochen. Zeit fürs Innehalten, für Beschäftigung mit anderen Dingen. Es liegt ein wunderbarer Schleier über den ganzen Tag, eine Käseglocke der Ruhe. Als gäbe es den Tag eigentlich gar nicht, als wäre seine Existenz ein geduldetes Versehen. In all der Hektik und dem Lärm eine Oase der Seligkeit. Niemand ist beunruhigt, alle nehmen den Zustand als gegeben hin und jede:r macht einfach wie man sich fühlt.
Warum kann nicht viel öfter Puffertag sein?
Huch, der Titel ist auf einmal so groß. Und die Trennlinien weg. Das Menü unter den einzelnen Einträgen auch. Jedes Mal wird das Ganze hier ein wenig schlanker. Auch wenn CSS-Vererbung reines Teufelszeug ist und meistens keiner konsistenter Logik folgend alles tut, was man eigentlich nicht will. Aber mit viel Geduld geht es dann doch. Schön.
#TWTWTW KW 38/25
Der Versuch einer Reflektion der Kalenderwoche 38/2025
Donnerstag war ich zum ersten Mal im Sitzungssaal des Rathauses, ein ehrwürdiger Raum mit nussfarbener Holzvertäfelung und hellem Parkett. Die Tische tragen zart rosafarbene Tischdecken wie früher und die Ausschussmitglieder sitzen auf Stühlen, die der Gründerzeit entliehen zu sein scheinen. Beim Ausschuss handelte es sich um den für Bau- und Verkehrsangelegenheiten, die Tagesordnung war in einigen Punkten interessant. Zwischendurch kochte die Diskussion auch etwas höher, am Ende kann man es als typischen Dissens von Überzeugungen und belegbaren Fakten verordnen. Politik ist im Kleinen halt auch wie im Großen.
Ansonsten war die Woche anstrengend und zehrend, wieder habe ich kaum etwas von Belang zu Wege gebracht und ich ergebe mich wohl dem Schicksal der mir auferlegten Pflichten. Die Wochenenden reichen kaum zur Erholung und ehe ich mich versehe sitze ich wieder im Karussell des Alltäglichen. Das muss dringend besser werden, ich verspüre eine sehr grundsätzliche Müdigkeit und einen Unwillen des Aushalten Müssens. Wer hier hilfreiche Strategien aufzeigen kann, bitte ich um kurzes Signal an die bekannten Kanäle.
Ansonsten möchte ich viel lieber an dieser Stelle auf interessante Beiträge aus dem UberBlogr-Universum hinweisen:
- Konstantin hat 72 Stunden auf sein Handy verzichtet und dabei notwendigerweise verschiedene Erfahrungen gemacht. Diese hat er in einer Notizenserie hinterlegt. Bring mich hin
- mthie weist auf einen richtig großen Fehler von Slack hin. Bring mich hin
- Der Sohn von Alex ist volljährig und damit einhergehend verändert sich die väterliche Rolle auch zum eigenständigeren Subjekt mit deutlich weniger Obligationen. Bring mich hin
- Piehnat erzählt aus dem Nähkästchen des Distro-Hoppings. Bring mich hin
- Gezielte Langeweile als Hort der mentalen Regeneration und der Reflektion? Klingt anstrengend und wir Menschen umschiffen das gern. Thomas hat dazu interessante Aspekte aufgeschrieben. Bring mich hin
Kommt gut durch die neue Woche!
The kids are alright. Sie essen halt jetzt Pudding mit der Gabel, weil sie das auf TikTok gesehen haben. Und während wir immer noch über Netzkultur und die Zukunft des Internets debattieren und unseren Umgang mit den Bedrohungen durch Big Tech finden wollen, trifft sich die Jugend in Scharen zu Veranstaltungen wie sie sich Monty Python nicht hätten besser ausdenken können.
Wir sollten endlich begreifen, dass ein Großteil der Menschheit das Internet lediglich als Werkzeug sieht und verwendet.