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29.07.2025

Meine persönliche Geschichte mit Linux beginnt Anfang der 00er, als ich von jemanden Installations-CDs für SUSE bekomme. Das Setup war mit “pain in the ass” nur unzureichend beschrieben, mein Beschäftigungswille war auch nach kurzer Zeit gebrochen und ich habe für mich entschieden, dass Windows XP doch das bessere Betriebssystem für mich sei. Kurze Zeit später entdeckte ich dann die Welt von Apple und bin seitdem dort auch sehr zufrieden. Alle paar Monde packt mich aber doch der Wille, es zumindest nochmals zu probieren. Lange Zeit war dabei Ubuntu der Driver, seit einiger Zeit Linux Mint, aber es hielt trotzdem nie lange an. Die Gründe dafür:

Die Optik

Ja klar, die Distributionen sind dafür gebaut, auch möglichst abwärtskompatibel zu laufen. Aus Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit ist das maximal zu unterstützen. Ich möchte auch nicht die ehrenamtliche Arbeit von zahllosen Open Source-Entwicklern in irgendeiner Weise kritisieren. Aber da treffen einfach Realitätsperspektiven aufeinander. Es gibt wirklich keine Distro, die mich out-of-the-box überzeugt. Natürlich gibt es Dinge wie Ricing, also das Selbstgestalten der Umgebung durch Anpassungen der verwendeten Elemente. Aber das ist zeitlich aufwendig, nicht immer funktioniert es und oftmals bleibt es ein Kompromiss mit Beigeschmack. Dazu kommt, dass Linux gewisse Schriftarten sehr gut rendern kann, ein gewisser Teil (und das sind ausgerechnet meine Lieblings-Fonts) bleibt an den Kanten unscharf. Das triggert mich unheimlich und ich muss zugeben - ich hassse Open Sans. Diese bauchige Gestaltung hat nichts mit einer Sans Serif zu tun. Für diese Meinung kann man mich gerne kritisieren, aber da bin ich Purist. Und für Puristen ist Linux im ersten Schritt halt eine gewisse Enttäuschung. Wenn man darüber aber spricht, stößt man gleich auf das nächste Hindernis.

Der Umgang in der Community

Liest man in Foren oder anderen Selbsthilfeangeboten, besteht die Welt der Anwender:innen gefühlt nur aus zwei Extremen: Power-User & Neuling. Dazwischen gibt es nichts jedenfalls nicht in der Breite. So verlaufen die Gespräche immer gleich: Ein Neuling stellt eine vermeintlich naive Frage, bekommt fünf bis sechs hochkomplexe Antworten und mindestens einen mittelfreundlichen Hinweis, sich bei nächster Gelegenheit doch wieder zu verziehen, wenn man sich nicht auf Linux einlassen wolle. Diese Erlebnisse sorgen in der Regel dafür, dass das zarte Vertrauenspflänzchen bei denen, die es wirklich versuchen wollen, direkt eingeht und sie im schlimmsten Fall es nie wieder probieren werden. Natürlich kann man gewisse Fragen nach dem xten Mal nicht mehr hören und vermutlich ist der Frust von Entwicklern irgendwann massiv aufgebaut - aber am Ende ist jede gelungene Kommunikation auch ein von Linux überzeugter Mensch. Besonders jetzt, in der Zeit der Wiederentdeckung digitaler Souveränität wäre es ein Gewinn, viele Menschen für Linux zu begeistern. Vor allem tun einige Distributionen massiv viel dafür, dass der Einstieg so einfach wie möglich ist.

Und trotzdem, es gibt auch viele Gründe für Linux. Ich begreife viele Aspekte des Computers besser, bleibe durch das Hüpfen von OS zu OS im Kopf beweglich und zwinge mich zu veränderten Routinen in der Nutzung. Mittlerweile habe ich systemd-analyze durchgespielt und fühle mich beim Gedanken geeky, den Bootvorgang mit etwas Terminalgemurkse beschleunigt zu haben. Folglich ist das Terminal über die Zeit auch bei meinen Macs immer wichtiger geworden. Ich profitiere also in egal welchem Setting von meinen gemachten Erfahrungen. Und das ist für mich der wahre Mehrwert, gleich welches Betriebssystem für mich im Alltag das Geeignetere ist.

Mit dem Hauch an Comeback der Blog-Welt ist ja auch RSS wieder in den Blickpunkt geraten. Der praktische Ansatz erschließt sich mir - nicht immer kriegt man sofort mit, wenn in der Nachbarschaft neue Inhalte das Licht der Welt erblickten. Und wie es gute Blogger:innen so halten, habe ich einen RSS-Reader eingerichtet. In meinem Fall handelt es sich um eine selbstgehostete freshRSS-Instanz. Also alles wie aus dem Lehrbuch, oder?

Das Problem ist, dass ein RSS-Reader auch immer eine Konsistenz erfordert. Nämlich das bewusste Abarbeiten der neuen Beiträge. Links erinnert mich eine hinterlegte Zahl an neue Einträge, die ich noch nicht zur Kenntnis genommen habe. Ehrlich gesagt triggert mich das. Ich lese Blogs, weil ich es möchte - nicht weil mich ein Tool daran erinnert. Meine Aufmerksamkeit durch Benachrichtigungen triggern lassen ist doch genau der Makel von Social Media, den wir alle beklagen. Natürlich habt ihr recht, wenn ihr meinen Umgang damit in Frage stellt. Aber so bin ich nunmal, diese Zahlen stressen mich. Und dazu kommt noch etwas.

Blogs sind wie schon oft erwähnt kleine Kunstwerke. Indem ich sie besuche und dort verweile, zolle ich ihnen Anerkennung. Wenn ich eine Sehenswürdigkeit besuchen möchte, gehe ich ja auch dort hin und schaue mir nicht Bilder an einer anderen Stelle an. Nein, ich entscheide mich zu einer bewussten physischen Präsenz und erfasse Details. Setze mich auf eine bereitgestellte Bank oder andere Sitzgelegenheit und lasse den Ort auf mich wirken. Beobachte andere Menschen und ihre Auseinandersetzung mit der Kunst, dem Denkmal oder was auch immer sich an genau dieser Stelle befindet.

Natürlich, der Feed kann auch als Wegweiser dienen. Was gibt es gerade dort zu sehen, wofür lohnt sich der Besuch? Mein Naturell fühlt sich dadurch aber latent entkoppelt, ich will selber umherstreifen. Verpasse ich dadurch etwas? Ja, mag sein. Aber ich gewinne auch was - nämlich ungestellte Eindrücke und kleine Feinheiten, die ich bemerke, für mich aufnehmen und einordnen kann. Anregungen, sowohl zum Positiven als auch in Reflexionen, Dinge anders zu lösen. Kunst als Spiegel für meinen Kunstbegriff und zur Diskussion des Selbigen. All das kann RSS als Blick durchs Schlüsselloch für mich nicht leisten.

Daher hier ein Plädoyer für alle Abenteurer: Lasst uns RSS als Synonym für “Richtig schöne Seiten” verstehen und öfter vor Ort verweilen, kommentieren oder den Augenblick teilen. Es gibt viele Sehenswürdigkeiten, die einen Besuch lohnen.

27.07.2025

Der Versuch einer Reflektion der Kalenderwoche 30/2025

Zack, eine weitere Woche vorbei. Dabei habe ich gar nicht so viel erlebt, aber der selbst auferlegte Ritus will gepflegt werden. Arbeitstechnisch habe ich am Freitag Nachmittag Bekanntschaft mit meiner Schmerzgrenze im Bezug auf den persönlichen Umgang mit Kund:innen gemacht. Ich arbeite mein halbes Leben als Dienstleister, das eigentlich sehr gern und meine bisherigen und auch aktuellen Kund:innen wissen um meine hohe Flexibilität. Wenn aber jemand permanent die Sach- mit der persönlichen Ebene vermischt, ist irgendwann das Maß voll. Zudem befinde ich mich in einem Alter, wo ich mit solchen Spielplatz-Verhaltensweisen nicht mehr umgehen muss. Daraus wird sich nun die Entscheidung ergeben, ob die Gegenseite das versteht oder ich das Mandat beende.

Im Bezug auf alkoholfreie Biere habe ich das Null Bock von Einbecker probiert und schätzen gelernt, der zweite Sechersträger ist bereits im Gebrauch (wobei zwei Flaschen gestern von Jan abgeholt wurden). Im August wartet eine besondere Lieferung auf die Verkostung: das Currywurstbier von Astra und Hela (ja, die mit diesem Ketchup). Verrückte Crossovers muss man ja auch eine Chance geben, nein? Auch hier werde ich mindestens eine Flasche mit meinem brother in beer adventures teilen. Allein trinken ist bekanntlich uncool, also lasse ich es erst gar nicht dazu kommen.

Bereits im Fediverse ausgeschlachtet, aber hier noch nicht erwähnt: Nachdem ich unlängst Björn für vinyl41 fünf Fragen beantwortete und wir zuletzt relativ viel an Nachrichten tickerten, überraschte er mich mit einer #FollowFriday-Widmung auf seinem Blog. Auch an dieser Stelle möchte ich es nicht versäumen, mich zu bedanken. Dieser Kontakt und viele weitere positive Erfahrungen erinnern immer wieder daran, wie viel positive Energie im Fediverse und in auf den ersten Blick “alten” Konzepten wie einem Webring stecken. In den letzten Jahren sind mir viele sehr korrekte Menschen begegnet, mit denen vernetzt sein zu dürfen ein Privilleg ist und die ich alle uneingeschränkt empfehlen kann. Ihr findet diese Selektion an großartigen Personen in der /blogroll. Bitte schaut vorbei und wenn euch Inhalte ansprechen, vernetzt euch. Gemeinsam wirken wir am Besten.

Apropos Internet: In Großbritannien ist die Bevölkerung sehr erfindungsreich bei der Überwindung des Online Safety Acts und der damit verbundenen Verpflichtungen zur Offenlegung des Ausweises. Mit ChatGPT lässt sich anscheinend ein Dokument erzeugen, was Zugangskontrollen überzeugt. Währenddessen pöbeln auf Reddit die armen Schotten, die wie so oft einfach in die Misere (siehe Brexit) reingezogen werden. Am Ende bleibt festzuhalten: Das Internet ist nicht kaputt, unser Umgang damit war es aber von Anfang an.

20.07.2025

Der Versuch einer Reflektion der Kalenderwoche 29/2025

Ab jetzt nenne ich die Wochenrückblicke auch “That was the week that was” oder #TWTWTW. Wo das herkommt, erklärt sich hier.

Arbeitstechnisch fing ein weiteres Kundenprojekt an. Es besteht die reelle Chance, die Auftragsdelle des ersten Halbjahres in sehr komprimierter Form nachzuholen. Entscheidend ist für mich jetzt, die Auslastung smart zu steuern und an den richtigen Stellen zu priorisieren, um alles unter einen Hut zu bekommen. Ich habe die Hoffnung, dass mir das gelingt. Gleichzeitig muss ich aber sehr achtsam mit mir sein, diese längere Phase des langsameren Tempos hat mich etwas “eingemottet”. Aus dem Modus muss ich schnell, aber wirksam entweichen.

Schon wieder eine kaputte Waschmaschine, ich mag mich gar nicht mehr ärgern. Die Nachfolgerin ist bereits bestellt und ist ein Kompromiss aus Leistungsfähigkeit und dem dazu angemessenen Preisverhältnis. Früher haben diese Geräte doch ewig gehalten, oder? Mein Vater hatte Geräte von Miele, die gefühlt in seiner Jugend hergestellt waren und beständig liefen. Der Nachbar über uns meinte die Tage zu mir, allein diese Displays sein nicht für die Ewigkeit gemacht und erhöhen die Störanfälligkeit aufgrund der betriebsnotwendigen Vibration der Maschinen. Das mag ein valider Punkt sein, weniger ist ja oft mehr. Aber am Display lag es bei uns nicht.

Gestern waren wir wieder schwimmen, diesmal kam auch der Thronfolger mit. Ein schönes Erlebnis, jedoch war es ziemlich voll und nach wenigen Minuten spürte ich bereits den aufkommenden Sonnenbrand. Der hat sich im Laufe des Nachmittags bestätigt, es ist jetzt aber bereits besser. Und da es uns alle erwischt hat, erträgt es sich gemeinsam leichter. Wir waren noch etwas im inneren Freizeitbecken, das ist aber eindeutig für kleinere Menschen gemacht und nach einiger Zeit wurde uns das auch zu anstrengend. Wir werden also uns eher die Tage ausgucken, die das Schwimmen im Außenbecken für Viele unattraktiv erscheinen lassen.

Sperrmüll war auch noch, ein erster Schritt für notwendige Entrümpelungen. Die Garage ist inzwischen wieder begehbar und wir werden dort mit einer weiteren strukturierten Abfuhr alles los werden. Der Keller ist das noch größere Übel, aber auch dort sind erste Dinge verschwunden. Stück für Stück, dann wird sich der Ballast schon schleichen. Dass es am Donnerstag Abend regnete, als wir den Kram an die Straße stellten, war schon nervig. Aber am Ende soll das ja auch abhärten. Zumindest war das die Kernbotschaft von Sprüchen, die ich mir als Heranwachsender anhören durfte.

Heute entdeckte ich diese ominöse Liste von 1001 Alben, die man vor seinem Ableben hören solle. Dafür gibt es auch ein Tool, das jeden Tag ein anderes dieser Alben zum Hören vorgibt. Mit einem “Projektnamen” und einer Mail-Adresse kann man sein eigenes Projekt machen. Ich ziehe das jetzt durch, das wären ja immerhin 2,75 Jahre tägliches Hören eines Albums. Und dazu kann man ja auch Dinge schreiben. Was mich beim Durchsehen der Liste beruhigte: Viele der Alben sagen mir etwas, wenn auch teilweise nur in den sehr bekannten Exzerpten. Jetzt kann ich das Wissen abrunden. Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich das Bill Evans Trio.

In der Stadt geht es immer noch um Bäume, Feuerwehrgebäude und Spielplätze. Mein Wunsch nach Weitblick aus letzter Woche ergänzt sich auch um Unaufgeregtheit, gepaart mit einem “Auch mal den Artikel lesen und nicht anhand der Überschriften urteilen”. Bezahlschranken tragen dazu aber nicht zwangsläufig bei.

17.07.2025

Vor einem halben Jahr habe ich die Umstellung von Jekyll auf Hugo vorgenommen und muss sagen, dass ich es bisher nicht ein einziges Mal bereut habe. Hugo ist viel flotter, in sich schlüssiger und gibt mir den Gestaltungsraum, den ich mit Jekyll nicht fand. Manchmal muss man einfach den Cut machen.

Zur Feier des Tages habe ich Loggbok neue Features spendiert, es gibt jetzt dezidierte Layouts für Link-Beiträge (siehe unter diesem Beitrag, ein Klick auf den Titel öffnet den verlinkten Beitrag) und Zitate (siehe demnächst). Auch für Fotos habe ich etwas vorbereitet, hier muss ich aber noch den Workflow finden, der mir eine einfache und nicht zu überladende Präsentation ermöglicht. Bis zum dritten Geburtstag von Loggbok ist aber noch etwas Zeit. Die nehme ich mir auch ganz bewusst.

Jedenfalls wird Loggbok immer mehr zu dem Platz, den ich als digitale Heimat begreife. Meine persönliche Zufriedenheit steigt mit jeder Iteration und ich freue mich sehr über die Entwicklung, die Loggbok und damit auch ich machen. Jedes Release wird etwas besser, einfacher und effizienter. Und ich lerne mit jeder Anpassung etwas, stolpere nicht mehr durch den Code und werde trittsicherer. Für mich ist das eine sehr schöne Lernkurve.

Loggbok, ich habe dich gern - schön, dass es dich gibt. Happy Feature-Day!

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