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Vielleicht liegt es an meiner Erziehung, vielleicht aber auch an Einsichten meines bisherigen Lebens. Jedenfalls ist mir klar, dass mein Blog keinerlei Relevanz für irgendjemanden hat - abgesehen von mir. Daher verzichte ich sehr getrost auf Reichweitenmessungen jeglicher Art. Selbst wenn nur eine Person das hier lesen würde, wäre für mich die Hingabe gleich der als wenn einhundert Personen lesen würden. Weil das hier mein Hobby, mein Ventil und am Ende auch die Gegenüberstellung mit meinen Gedanken ist. Das ist der spannendeste Part an Loggbok - werden meine Ansichten auch in Jahren noch bestehen? Werden sie den Prüfungen der Zeit - auf Mikro- wie auf Makroebene Stand halten?

Das macht für mich Bloggen aus. Ein Prozess der Auseinandersetzung mit mir selbst und meiner Perspektive auf die Dinge, die ich erlebe und fühle. Dargeboten in einer Form, die ich als zweckmäßig erachte. Getragen von wenigen, aber sehr ehrlichen und konstruktiven Feedbacks. Come to my cozy place, we can have a cup of tea. So fühlt sich Loggbok an und ich mag es. Sehr sogar. Durch die angesprochenen Feedbacks weiß ich, dass Andere diesen Angang mögen. Und das ist für mich völlig ausreichend. Ich schreibe auch nicht, was gefällt. Sondern was mich beschäftigt. Denn nur so funktioniert Loggbok für mich. Durch Fokussierung auf das Wesentliche.

Mir ist völlig klar, dass dieser Ansatz lediglich für mich allein trägt. Dass Loggbok gewissermaßen die Free Jazz-Kombo am verkaufsoffenen Sonntag darstellt, bei der nicht jeder stehen bleiben mag. Das ist völlig ok so. Genau so wichtig finde ich es, dass es die anderen Richtungen gibt, denn nur durch Vielfalt erreicht das Blog-Universum Relevanz. Die Magie liegt jedoch darin, dass wir uns die künstlerische Freiheit zugestehen. Meine Band besetze ich nach meinem Gusto, ich nutze die Instrumente mit den mir gefallenen Tonfolgen. Nur so entsteht Neues.

Aber am Wichtigsten: Ich nehme mich und meine Töne nicht zu ernst. Nicht alles von mir ist geistreich, richtig oder witzig. Und ob es als gelungen verstanden werden kann, ist eine ganz andere Frage. Aber das ist meine Komposition und ich liebe jedes Detail.

Durch die immer wieder aufflammenden Diskussionen um den Markenkern eines Blogs fühle ich mich etwas auf Abstand, auch zu meinem Produkt. Es wird nach meinem Gefühl die ganze Zeit ein Standard herzustellen versucht. Besonders geärgert haben mich Thesen, dass ein Blog ohne Kommentarfunktion kein Blog sei. Es wurde sogar in Zweifel gezogen, dass man solches Werk publizieren müsse und das lieber mit und für sich ausmachen solle. Derartige Verdikte sind anmaßend, mit welcher Mandatierung wird sowas geäußert? Ich empfinde es als fortgesetzten Nachbarschaftsstreit, nur im digitalen Raum. Ohne einen Funken inhaltlichen Gewinn, rein auf eine anekdotische Evidenz beruhend. So machen wir uns die Freude an Blogs nur unnütz madig.

Ich plädiere für weniger Metaebene, lasst uns Blogs durch Inhalte definieren und stärken. Genießen wir die paradisische Irrelevanz und lassen uns von der damit verbundenen Opportunität leiten, Regeln zu brechen. Frech und geistreich zu sein, Kluges und Provozierendes zu teilen. Unser größtes Pfund ist die schiere Unendlichkeit an Gestaltungsmöglichkeiten, mit der wir unsere Blogs ausstatten können. Und lasst uns zu althergebrachten KPIs wie Reichweite eine ironische Distanz schaffen, sie sind am Ende des Tages gar nicht so viel wert.

Denn es ist nur das Internet.

01.09.2025

Roger war das mittlere von fünf Kindern, 1938 geboren. Seine Kindheit war durch bittere Armut geprägt, auf einer kargen schottischen Insel. Diese teilte er mit drei Brüdern und einer Schwester. Nach der Schule schlug er sich durch, erst als Hilfsarbeiter auf einer Farm bei der Versorgung der Tiere und Bestellung der Felder. Dann rief ihn die Armee, er sah neben der englischen Insel auch auch den mittleren und fernen Osten. In Singapur erreichte ihn 1969 die Information, dass seine Dienste nicht länger benötigt wären.

Danach ging er nach Australien, wo er 25 Jahre lebte und arbeitete. Seine Ehe, die er erst im Alter von fünfzig Jahren einging, endete 1997 nach neun Jahren kinderlos. Ein Jahr versuchte er, wieder in Schottland Fuß zu fassen. Doch die Sehnsucht nach Australien blieb, er kehrte zurück und ließ sich in der Gegend von Melbourne nieder. Dort starb Roger 2021, nach einem wie er sagte sehr gutem Leben.

Ich habe Roger nie kennen gelernt, von ihm habe ich erst durch eine Nachlasskanzlei erfahren. Diese war auf der Suche nach Nachfahren und fand meine Geschwister und mich nach längerer Suche. Auch geschuldet durch dem Umstand, dass die Schreibweisen des Nachnamens sich bei ihm und uns unterschieden. Ich wusste zwar, dass mein Vater Geschwister hatte, aber er wurde nie präziser. Vielleicht litt er darunter, dass die Familie durch die Armut bedingt auseinander riss und jedes Familienmitglied seine eigenen Wege gehen musste. Die beschriebenen Details kenne ich also nicht aus persönlicher Erzählung, sondern jemand hat sich in der Seniorenresidenz damals Zeit genommen und Roger nach seinem Leben befragt. Für diese Mühen bin ich sehr dankbar, weil sie einige Fragen zumindest in groben Zügen klären.

Die australischen Mühlen mahlen noch langsamer als die hiesigen, deswegen ist erst jetzt, vier Jahre nach seinem Tod, der letzte Nachlass auf dem Weg zu uns. Ein Karton mit Kleinigkeiten, nichts von Wert. Die letzten nicht verkaufbaren Habseligkeiten, letzte Spuren eines erloschenen Lebens. Wir wissen, dass alte Dokumente dabei sein werden. Ausweise mit natürlich den obligatorischen Passfotos. Wird Roger ähnlich ausgesehen haben wie unser Vater? Gibt es vielleicht doch noch versteckte Hinweise, die uns ein Detail verraten? Mich beschäftigt das Ganze sehr, das Paket ist bis jetzt schon eine Woche unterwegs und kam heute früh anscheinend in Frankfurt an.

Natürlich wird es Roger nicht zurück bringen und schon gar nicht uns den Menschen näher bringen. Aber in seinem Tod hat Roger uns ein kleines Stück Wissen vermacht, dafür sind wir sehr dankbar.

Mögest du in Frieden ruhen.

31.08.2025

Der Versuch einer Reflektion der Kalenderwoche 35/2025

Diese Woche ist der Kunst und Kultur gewidmet gewesen, besonders der Freitag. Durch den Beitrag von Daniel wurde ich daran erinnert, dass die Mitgliedschaft in einer Stadtbücherei a) unverschämt günstig und b) mit den Segnungen einer Online-Ausleihe versehen ist. Im Falle unserer Stadt ist die Anmeldung sogar online möglich, laut Formular dauert der Vorgang bis zu fünf Werktage. Also schloss ich um 11:27 das Formular ab und verbuchte Folgeschritte auf kommende Woche. Um 15:08 erreichte mich aber eine Mail, dass der Vorgang bearbeitet sei und ich im Dienstleistungsportal weitere Informationen erhalte. Tatsächlich war schon alles erledigt und gleichzeitig erhielt ich den Zugang zur sogenannten Onleihe. Ich war begeistert, suchte mir dann London: Die Biographie von Peter Ackroyd aus und habe direkt 120 Seiten gelesen.

Das alles für 18 Euro pro Jahr. Das sind monatlich 1,50 - wie gut ist das bitte? Nachdem ich durch die Literatur beseelt war, schaute ich am selben Abend noch in der arte-Mediathek Schostakowitsch - Symphonie in Rot und Erik Satie, ein Komponist außerhalb der Zeit. Beide Dokumentationen führen durch das Leben der Protagonisten, in ihren Widersprüchen, Kämpfen und ihrem Schaffen. So unterschiedlich die Biografien auch gewesen sind, so gleich sind sie auch im Ringen mit den äußeren Faktoren. Schostakowitsch, der mit einem ihn bedrohenden System umgehen musste. Satie als Einzelgänger, den der Alkohol zugrunde richtete. Auf jeden Fall beides sehr sehenswert.

Eine Diskussion über Plakatstandorte in der Partei nervte mich so hart, dass ich eine Lösung schaffen wollte. So ersann ich einen Plakatfinder, der Plakatstandorte speichert, das Abhängedatum kennt und daraus eine Historie abbildet. Alles gespeichert in einem simplen Backend, eine schnöde Liste. In der Betatestung gab es hilfreiche Hinweise, die ich gleich verarbeiten konnte. So fühlt es sich also an, Feedback auf etwas Programmiertes zu bekommen. Der Betatest läuft noch und ich hoffe, dass damit Diskussionen und operative Umsetzungen deutlich effektiver werden.

Gekocht wird nachher auch, es gibt eine vegane Bolognese. Das Hack ist bereits fertig gekauft, auf Erbsenbasis. Bei der Rezeptsuche habe ich gelernt, dass Bolognese ohne Sellerie unddenkbar sei. Mein Bedarf an Sellerie ist sehr gering - ich möchte das Rezept aber unbedingt wie gedacht befolgen. Und so wartet eine Knolle auf ihren Einsatz. Bei all dem neu entdeckten Eifer frage ich mich, ob ich jetzt in die Lebensphase des Genusses eingetreten bin. Zeit als Währung für eine erquickliche Erfahrung. Sei es kulinarisch oder kulturell, technisch wie auch analog. Mir behagt der Gedanke, Dinge bewusst zu erleben und zu gestalten. Die Zeitspanne, die wir Leben nennen, mit kleinen Werten zu füllen - ich bin sehr dankbar für diese Entwicklung frei von Zwängen, begründet in einer natürlichen Veränderung.

Kommt gut in die neue Woche!

25.08.2025

Der Wind peitscht schwer über die Nordsee, die Luft schmeckt nach Salz. Ich stehe allein am Fährhafen, bei diesem Wetter will niemand raus und schon gar nicht auf diese gottverlassene Insel. Wer im Haus bleiben kann, wärmt sich lieber die Knochen. Aber ich habe eine Mission. Antworten auf Fragen suchen, die mir niemand beantworten kann. Die auch ich als ewige Rätsel in meinem Leben akzeptieren muss. Wo gehöre ich wirklich hin?

Die Fähre legt an, es ist eine wirklich lächerliche Nussschale in der wilden See und ich begreife sofort, dass die Überfahrt kein Spaziergang sein wird. Das Boarding geht schnell und relativ wortlos, wir legen sofort ab. In meinem Kopf spielen tausend Fragen verrückt und gleichzeitig denke ich nichts. Die Dualität der Konfusion. Wir schwanken durch die Böen. Was zum Teufel mache ich hier, 4.000 Kilometer von dem Ort, den ich Zuhause nenne? Werde ich das finden, was ich suche?

Nach einer gefühlten Ewigkeit legen wir an, der Hafen liegt im Westen. Ich habe nur wenige Stunden Zeit, auf der Insel kann man nicht übernachten. Ich winke dem Fährpersonal stumm und marschiere gleich los. Wochenlang habe ich die Karte studiert, wozu eigentlich? Hier leben um die zwanzig Menschen. Es gibt eine Straße nach Norden, eine nach Süden und einen Weg nach Osten. Gefühlt kann ich die ganze Insel bis zur Rückfahrt umrunden. Zielstrebig laufe ich los, ohne wirkliches Ziel. Bin ich hier überhaupt richtig?

An der Ruine von St Magnus vorbei, ein Auto fährt im Schritttempo an mir vorbei. Touristen sieht man hier nur sehr selten. Vereinzelte Häuser, viele Felder, ein paar Nutztiere und jede Menge Vögel. Fernab von jeglichem Klischee über Schottland. Das ist hier das pure raue Leben, für diesen Zustand musst du geboren sein. Wo mag er damals gelebt haben, wo wird mein Vater als Kind mit Altersgenossen gespielt haben? Irrwitzige Fragen, ich kann nur mutmaßen. Was suche ich eigentlich?

In der alten Schule gibt es gegen Spende Tee und die Möglichkeit, sich über Vergangenes zu informieren. Ich blättere hektisch, suche nach Indizien. Dabei finde ich nur Vages, der Tee ist eher miserabel. Ich habe natürlich nichts gefunden, aber auch nichts gesucht. Aber ich war da. Da, wo meine Wurzeln liegen. Es wird Zeit zu gehen, die Fähre wartet. Dann verläuft der Film. Wird es wirklich so sein, wenn ich jemals dorthin fahre? Werde ich das Gefühl haben, dort wirklich angekommen zu sein? Und was ist, wenn nein?

Ich wache auf.

24.08.2025

Der Versuch einer Reflektion der Kalenderwoche 34/2025

Nachdem die letzten #TWTWTW-Ausgaben alle etwas jammerig klangen, versuche ich mal bewusst die positiven Aspekte der Woche zu listen und alles Störende auszublenden:

  • Die Garage ist nun weitgehend sperrmüllfrei. Wir haben sehr viel Kram loswerden können und können nun Kisten sichten, die seit dem Einzug dort stehen. Vermutlich wird auch davon eine Menge der Entsorgung anheim fallen können.
  • Auf meinen Beitrag zu den Skill-Upgrades gab es viel positives Feedback. Anscheinend verspüren tatsächlich viele Andere diese Gedanken, das verbindet.
  • Donnerstag war Stammtisch der Partei, wir waren 17 Leute (das ist Rekord). Durch Bewerbung vorher konnten wir Interesse erzeugen, es gab eine Reihe sehr interessanter Themen und alle gingen zufrieden heim.
  • Gestern kam das ersehnte Paket von Astra mit dem Bier Currydurst. Schon sehr rauchig, eine Kiste davon hätte ich nicht gebraucht. Eine Flasche kriegt wie besprochen Jan. Jetzt habe ich auch wieder einen soliden Willibecher, einen Flaschenöffner für die Homeoffice-Ecke und Bierdeckel. Hat sich also gelohnt und das Bier ist schon lecker.

Und nun zu einer eigentümlichen, aber auch gleichzeitig sehr typischen Geschichte für mich: Für den heutigen Kocheinsatz habe ich ein Rezept rausgesucht, welches eine Menge Steak (400 Gramm) vorsah. Ich bestellte alles über Abholservice von REWE, im Onlineshop stand etwas von 200 Gramm als Menge beim Steak. Also orderte ich zwei. Beim Bezahlen hatte ich mich ein bisschen über den Preis gewundert, ich hatte aber noch Sachen nachgeordert und hatte es damit in Verbindung gebracht. Beim Einpacken fiel es mir aber auf, das Steak war deutlich mehr und teurer als gedacht. Ich musste wohl etwas falsch gelesen haben und stand nun da mit 1,7 kg Tomahawk-Steak.

Anstatt panisch zu werden verstand ich das eher als Challenge. Die Liebste lachte sich natürlich richtig kaputt und ich rief meinen Kumpel Lars an, der mir wie erhofft gute Tipps gab, wie ich die übrige Menge gewinnbringend zubereiten könne. So gab es dieses Wochenende zweimal Steak - einmal in seiner puren Form mit einer Salz-Pfeffer-Kruste, garniert mit frischem Knoblauch und heute als Zutat in einer Asian Fusion-Rezeptur. Die Liebste sagte mir gestern beim Glas Wein in der Küche noch, wie überrascht sie davon war, dass ich das einfach gemacht habe und nicht zurückgescheut bin. Gerade, weil ich das Kochen momentan erst für mich entdecke. Aber was hätte ich tun sollen, das Fleisch war nun mal da.

Insgesamt ging also alles gut aus und ich weiß jetzt, wie man ein Steak zubereitet. Vielleicht wird aus mir doch noch ein passabler Koch.

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