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1985 war für die Musikbranche ein definierendes Jahr. Musik mutierte zur globalen und visuellen Marke, durch TV-Sender wie MTV und VH-1 immerzu verfügbar. Gleichzeitig prägten große Stadionkonzerte, die Dominanz von Synth-Pop und der Übergang von Vinyl auf die Compact Disc das Jahr. Und es war das Jahr, in dem ich zur Welt kam. Daher möchte ich euch mit auf eine Reise nehmen, die in zwölf Posts (antizyklisch) das Musikjahr 1985 seziert und aufzeigt, was so faszinierend an den Klangerzeugnissen dieser Zeitspanne war.

Der kalte Krieg bleibt politisch beherrschendes Thema, nach einer Abfolge alternder und gebrechlicher Generalsekretäre übernimmt ein gewisser Herr Gorbatschow das wichtigste Amt in der Sowjetunion. Von Entspannung ist aber noch nichts zu spüren, dafür ist die Rhetorik zwischen ihm & US-Präsident Reagan zu festgefahren. Unter diesem Einfluss gedeiht jedoch eine popkulturelle Öffnung, deren Auswirkungen noch heute spürbar sind. Musiker:innen & Bands gewinnen Wiedererkennungswerte rund um die Welt und sind Imageträger:innen, sowohl in ihrer Kunst, als auch in Werbung und durch Unterstützung für soziale Belange. Zugleich stützt das Fernsehen als Medium die Überhöhung der Stars, sowohl durch die Ausstrahlung von Musikvideos als auch die Live-Übertragung von Events wie Live8. Der visuelle Eindruck gewinnt dadurch hohe Relevanz. Sowohl die Gestaltung von Videos (vgl. Take on me von a-ha) als auch Mode & Looks der Künstler:innen setzen Trends. Zugleich wandert die Jugendkultur aus den Suburbans und Stadtteilen ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Hip-Hop wird ein Faktor in der Musik, Breakdance gehört selbstverständlich dazu und verbreitert das Spektrum der kulturellen Strömung enorm. 1985 ist popkulturell ein Jahr der Prosperität.

Die CD setzt neue Maßstäbe in der Transformation von Musik ins Digitale. Auch die Produktionen lösen sich vermehrt vom Tonband zu fortschrittlicheren Methodiken. MIDI und Synthesizer sorgen für klareren und vielfältigeren Klang. Kreative Ideen lassen sich immer einfacher und ohne massiven Einsatz von zusätzlichen Ressourcen umsetzen, das schafft eine Demokratisierung der musikalischen Fähigkeiten und Output, der das Jahrzehnt prägt. Refrains werden zu massentauglichen Trägern von Emotionen, unterlegt durch technischer konstruierte Musik. Diese Musik wird poppiger, trotz der Vielfalt an Stilrichtungen. Und zugleich wird die Kunst sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst, Bob Geldorf trommelt im Sommer zu Live8 zusammen und schafft so den Zusammenhaltsmoment des Jahres. Diese Charity-Bewegung wird sich in Kampagnen wie USA for Africa weiter tragen und so den Blick auf die Menschen richten, die fernab von den Scheinwerfern der Konzerte solchen Ausmaßes leben.

1985 war also ein wichtiges Jahr - geprägt von Aufbruch, neuen Möglichkeiten und vor allem viel guter Musik. Mit einer gesunden Portion Subjektivität werde ich in den kommenden Wochen für jeden Monat des Jahres einordnen, welche Releases und warum sie wichtig waren. Denn wir alle wissen: Ein Jahr geschieht nicht auf einmal.

15.03.2026

Es geht nur noch um das Erreichen der Amplitude, niemals um den Median. Die Ausprägung ins Positive oder Negative ist nebensächlich. Hauptsache, es scheppert und wir alle spüren Emotionen, schütten Hormone aus. Am Besten schreiben wir das noch ins Internet und entfachen Flächenbrände im Ausmaß des Regenwaldes. Ferngelenkt von Accounts, deren Menschen dahinter wir nicht kennen und deren Absichten uns nicht klar sind. Aber wir reagieren und das mit epochaler Wucht.

Aber wem nützt Rückenmark-gesteuerte Geschäftigkeit? Uns wohl kaum, Anderen nur in ihrer Gehässigkeit. Ich möchte mich weder vor einen Karren spannen lassen noch permanent auf der Hut sein müssen, weil ich nicht weiß, wer mich wie zur Emotion verleiten lassen will und aus welchem Kalkül. Meine Reaktion gehört mir, niemand Anderem. Und genau so schreibe ich auch niemanden vor, wie sie oder er auf mich reagieren soll. Wenn es dich triggert, was ich sage oder schreibe, ist das nicht meine Verantwortung. Ich würde mich aber freuen, wenn du mir sagst, warum.

Dauerhaft Amplituden erzeugen führt in letzter Konsequenz zur Systemüberlastung. Wenn es knallt, geht was kaputt. Das erleben wir in der Gesellschaft tagtäglich, im Internet wie in der Petrischale. Das bemängeln wir achselzuckend und öffnen dann wieder Instagram und die anderen tollen Apps, die uns gleich wieder den nächsten vermeintlchen Skandal auf die Netzhaut brennen.

Wann sind wir endlich so satt davon, dass wir nur noch kotzen?

13.03.2026

Manchmal begegnet man Menschen im Leben nur flüchtig, rein durchs Internet und man blickt einfach nur durch ein Schlüsselloch. Ohne die Person wirklich zu kennen, aber mit der leisen Ahnung, dass auf der anderen Seite ein ganz feiner Mensch sitzt. Das traf auf Oswald Prucker zu. Dies in der Vergangenheitsform schreiben zu müssen, tut mir weh. Denn Ossi starb unerwartet am 7.2., also vor knapp fünf Wochen.

Ich hatte mich schon gewundert, warum seit einigen Tagen nichts mehr zu lesen war. Eine Suche später war ich dann schlauer, aber auch sehr traurig. Mit Ossi ging ein leuchtendes Vorbild an Gemeinsinn, ein überzeugter und überzeugender Akteur für das Gemeinwohl in seinem Wohnort Merdingen und ein hochengagierter Sozialdemokrat. Von dem ich einfach durchs Lesen und den Austausch in Kommentaren in seinem Blog oder bei Mastodon ein paar sehr wichtige Dinge über Kommunalpolitik lernen durfte. Immer zugewandt, stets offen und neugierig - auch in seinem Engagement beim D64.

Ossis Vorbild wird mich in meinem Engagement für kommunalpolitische Fragestellungen begleiten. In komplex erscheinenden Momenten wird sein Ratschlag “Erstmal eine Nacht darüber schlafen” eine sichere Leitplanke für alle weiteren Entscheidungen sein. Dafür schon jetzt vielen Dank Ossi!

Seiner Familie, Freunden und den Genoss:innen in Merdingen und im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald wünsche ich alles Gute und viel Kraft für den Weg ohne Ossi - seine Spur wird bleiben.

Mit zunehmenden Alter bezeugt man zwei Phänomene: Das Ableben von Personen, deren An- und Einsichten als moralischen Anker und Leitplanke für Handlungen und Perspektiven galten und das wachsende Interesse junger Menschen an den eigen entwickelten Gradmessern. Während der Austausch mit Altvorderen Richtung und Sicherheit gibt, ist die Rückkopplung eine delikate Angelegenheit. Ratschläge geben ist immer ein riskantes Geschäft, vor allem bei stetig komplexer werdender Realität durch die Veränderung von äußeren Faktoren.

Auch durch mein politisches Engagement angetrieben stelle ich mir die Fragen: Wie kann das gelingen? Wie vermittle ich Zuversicht und ermutige junge Menschen, ihren Weg zu gehen und sich für das Gemeinwesen einzusetzen? Wenn an jeder Ecke die Ablenkung und der Ausweg locken, wenn Kräfte mit falschen Motiven an den Grundfesten von Moral und gesellschaftlichem Zussamenhalt rütteln? Was sage ich unserem Sohn, dass noch nicht alles verloren ist und er die Chance der Partizipation nutzen soll?

Genau so wie ich mir damals die Hilfestellungen erwartete, sehe ich mich nun verpflichtet, diese zu geben. Aus dem Verständnis heraus, dass nichts geschenkt, aber alles offen ist. Dass eine Basis gelegt, aber noch viel Raum für neue Meilensteine und Perspektiven vorhanden ist. Die Kraft Vieler den Wandel ermöglicht, Veränderung ein nötiger Prozess für mehr Möglichkeiten ist. Und Zuhören Energie kostet, auch innere Widersprüche triggert und doch am Ende das Werkzeug für Verständigung und Zusammenhalt ist. Dass es in Ordnung ist, auch mal zu zweifeln - weil es jede:r tut.

Ich habe nicht auf alles Antworten. Das deckt sich natürlich zwangsläufig nicht mit der Erwartung des jungen Menschen, dass ich bei Einordnungsfragen die vollumfängliche Weisheit teilen kann. Aber ich kann die Sorgen ernst nehmen, sie im Dialog neutral betrachten und daraus anhand meiner Erfahrungen eine Einschätzung teilen. In dem Moment einfach auf Augenhöhe da sein. Oftmals ist genau das schon der erste, entscheidene Schritt für mehr Zuversicht.

Zuversicht ist kein einmalig definierter Zustand, er wird immer wieder neu herausgefordert und ein jeder muss die Antworten auf die Frage nach dem Sinn für sich selbst finden. Dabei braucht es aber ab und zu den kleinen Impuls, das Wesentliche aus anderem Blickwinkel zu beurteilen. Helfen wir, indem wir zuhören und Raum für Fragen und Antworten schaffen.

Uhus. Eichhörnchen. Ähnlicher als man denken mag.

Liest sich auf dem ersten Blick schräg, aber wenn man länger darüber nachdenkt (was ich tue), liegt in dem Stilmittel der Fabel viel Lehrreiches. Genauso auch die Ermutigung, andere Perspektiven einzunehmen oder diese zumindest in Betracht zu ziehen. Die Fabel weist in ihrer Analogie auf einen Umstand hin, aus dem die Leser:innen dann ihre Schlüsse ziehen mögen.

Das Gute: Man kann sich mit dem Nachdenken Zeit lassen. Oder die Erkenntnisse mit anderen Einflüssen verheiraten. Man geht aber immer klüger aus der Auseinandersetzung mit der Fabel. Auch wenn es eben dauert.

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