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Eigentlich rechne ich sehr bald damit, dass immer mehr Menschen das Dilemma von Künstlicher Intelligenz bewusst wird. Sie ist nicht intelligent, sondern wie ich letztens treffend las “stochastische Papageien”. Mathematik des Zufalls hilft uns aber nicht weiter, wenn wir Herausforderungen nachhaltig bewegen wollen. Schnell kommt dann die Rede auf Workslop, also professionell aussehende Arbeitsergebnisse - die bei Licht betrachtet aber generischer und nutzloser Müll sind. Alles mit KI generiert, aber schädigend für den Betrieb. Dann erfahrene Arbeitskräfte müssen dann ein Vielfaches an Zeit aufwenden, um das Problem zu lösen.

Wir Menschen sind groß im Verdrängen, Delegieren ist unsere liebste Tätigkeit. Die höchsten Weihen der Selbstoptimierung erlangt, wer alles bei sich selbst auf das Minimum kürzt und seine sonstigen Aufgaben in Beruf und Privatleben auslagert. Einzig bleibt als Herausforderung dieses egozentrischen Schneeballsystems: Was passiert, wenn auch das Herr der Delegationsempfänger:innen delegieren möchte? KI bietet dafür ein geduldiges Vehikel, die Risiken werden aber kaum betrachtet. Diese vermeintliche Demokratisierung der Delegation ist in Wahrheit eine Sackgasse der Unzulänglichkeit. Und ich freue mich auf den Tag, an dem die Blase mit voller Wucht platzt.

07.10.2025

Zorn und Eifer, gleich der betrachteten Situation. Wohin man sich auch umblickt, die sachlichen Argumente sind der Lautstärke und dem Beharren an überholten Einsichten oder leicht umstoßbaren Behauptungen gewichen. Emotion als Triebfeder für dauerhaftes Sendungsbewusstsein - das Schaulaufen im Jahrmarkt der Befindlichkeiten. Das Theater hat rund um die Uhr auf, wir können anscheinend nicht genug davon bekommen.

Am Ende bleibt aber die Erkenntnis, dass wir gar nichts mehr voneinander wissen. Wer sind wir, wo kommen wir her, was beschäftigt uns und ist unser Motor im Leben? Würden wir einander ernsthaft zuhören, miteinander in den Dialog geraten und Identität nicht als negativ beeinflussenden Faktor, sondern als Beitrag zur Diskussion und zur Gesellschaft begreifen, was wäre dann möglich? Wir können Gemeinschaft nur mit den Menschen machen, die nun mal da sind. Dafür braucht es die Dialogfähigkeit, gleich auf welcher Seite.

Inhaltliche Auseinandersetzung kann schmerzhaft sein, sie kann uns vor Widersprüche stellen und unser Denken oder Handeln hinterfragen. Es gibt aber keine Alternative zum Wandel, kein anderes Konzept als das der Gesellschaft. Es braucht weniger Zorn und Eifer, mehr Gelassenheit. Mehr Interesse am Anderen, mehr Offenheit. Nur dann gelingt uns die Aufgabe, miteinander in Frieden zu leben.

03.10.2025

Eine Woche Stille. Auch kein Wochenrückblick, dafür war keine Zeit und noch viel weniger Inhalt. Heute ist Feiertag, das ist ein wohltuender Puffer nach all der Mühsal der letzten Wochen. Zeit fürs Innehalten, für Beschäftigung mit anderen Dingen. Es liegt ein wunderbarer Schleier über den ganzen Tag, eine Käseglocke der Ruhe. Als gäbe es den Tag eigentlich gar nicht, als wäre seine Existenz ein geduldetes Versehen. In all der Hektik und dem Lärm eine Oase der Seligkeit. Niemand ist beunruhigt, alle nehmen den Zustand als gegeben hin und jede:r macht einfach wie man sich fühlt.

Warum kann nicht viel öfter Puffertag sein?

21.09.2025

Der Versuch einer Reflektion der Kalenderwoche 38/2025

Donnerstag war ich zum ersten Mal im Sitzungssaal des Rathauses, ein ehrwürdiger Raum mit nussfarbener Holzvertäfelung und hellem Parkett. Die Tische tragen zart rosafarbene Tischdecken wie früher und die Ausschussmitglieder sitzen auf Stühlen, die der Gründerzeit entliehen zu sein scheinen. Beim Ausschuss handelte es sich um den für Bau- und Verkehrsangelegenheiten, die Tagesordnung war in einigen Punkten interessant. Zwischendurch kochte die Diskussion auch etwas höher, am Ende kann man es als typischen Dissens von Überzeugungen und belegbaren Fakten verordnen. Politik ist im Kleinen halt auch wie im Großen.

Ansonsten war die Woche anstrengend und zehrend, wieder habe ich kaum etwas von Belang zu Wege gebracht und ich ergebe mich wohl dem Schicksal der mir auferlegten Pflichten. Die Wochenenden reichen kaum zur Erholung und ehe ich mich versehe sitze ich wieder im Karussell des Alltäglichen. Das muss dringend besser werden, ich verspüre eine sehr grundsätzliche Müdigkeit und einen Unwillen des Aushalten Müssens. Wer hier hilfreiche Strategien aufzeigen kann, bitte ich um kurzes Signal an die bekannten Kanäle.

Ansonsten möchte ich viel lieber an dieser Stelle auf interessante Beiträge aus dem UberBlogr-Universum hinweisen:

  • Konstantin hat 72 Stunden auf sein Handy verzichtet und dabei notwendigerweise verschiedene Erfahrungen gemacht. Diese hat er in einer Notizenserie hinterlegt. Bring mich hin
  • mthie weist auf einen richtig großen Fehler von Slack hin. Bring mich hin
  • Der Sohn von Alex ist volljährig und damit einhergehend verändert sich die väterliche Rolle auch zum eigenständigeren Subjekt mit deutlich weniger Obligationen. Bring mich hin
  • Piehnat erzählt aus dem Nähkästchen des Distro-Hoppings. Bring mich hin
  • Gezielte Langeweile als Hort der mentalen Regeneration und der Reflektion? Klingt anstrengend und wir Menschen umschiffen das gern. Thomas hat dazu interessante Aspekte aufgeschrieben. Bring mich hin

Kommt gut durch die neue Woche!

18.09.2025

Als ich Montag den Text zum Festplatten-Link fertigte, schoß mir eine Remineszenz an meinen ersten Computer durch den Kopf. Das ist schon wirklich sehr lange her (wir reden von einem Zeitraum von 30 Jahren), aber ich will trotzdem versuchen meine Erinnerungen zu fokussieren.

Das Gerät stammte von einem kleinen PC-Dienstleister an der niedersächsisch/ostwestfälischen Grenze, es gibt ihn schon lange nicht mehr. Es handelte sich um einen sogenannten Big Tower, vier Laufwerkschächte für CD-Laufwerke, zwei für Disketten. Belegt war nur ein Diskettenschacht, im zweiten Schacht saß die Festplatte. Es gab nicht mal eine Soundkarte, sondern nur den PC-Speaker. Der Prozessor war dafür ein lupenreiner 586er, den ich mit (natürlich immer eingeschalteten) Turbo-Schalter auf wahnsinnige 133 Mhz beschleunigen konnte. Installiert war Windows for Workgroups 3.11 und im Boot-Menü waren vorinstallierte DOS-Spiele (wie Battle Chess und Commander Keen) wählbar. An den RAM kann ich mich nicht mehr erinnern, aber an diesen typischen Schalter mit dem satten Klick. Dem Hochdrehen des Lüfters und dem aggressiven BIOS-Check-Ton. Der unsäglichen VGA-Grafik auf einem 14 Zoll-Monitor.

Im Prinzip war das Gerät für mich völlig überdimensioniert und ich habe sehr oft die Software geschrottet. Aber genau so habe ich auch eine Soundkarte (Soundblaster 16) und ein CD-Laufwerk (keines mit mechanischem Ausfahren, ich musste die Blende eindrücken, dann schob sich der Schlitten raus und ich konnte wie bei einer Musikanlage eine Klappe öffnen) eingebaut. Internet hatte ich keins, aber viel Software - dafür keine wirkliche Anleitung und viele Ideen. Die Maus hatte kein Scrollrad, aber drei Tasten. Die Tastatur war mechanisch, beides wurde mit DIN und COM1 angeschlossen.

Der Gedanke an diesen Computer ist purer Anachronismus, ein völlig aus der Zeit gefallenes Gerät, welches ständig etwas störrisch war und zwischendurch auch mal ein Jahr unbenutzbar, weil ich wieder etwas an Windows zerstört hatte und mich der Beichte nicht traute. Aber es war mein Computer, mein Tor zu einer neuen Welt. Anfang der 2000er bekam ich ein neues Gerät mit Windows XP und Core2Duo-Prozessor, das war ein Quantensprung. Der alte PC wurde dann verschrottet, ich bin heute darüber sehr traurig. Aber andererseits bleibt die Erinnerung an eine sehr coole Zeit. Schön wars.

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