26.12.2025
Die Serie Thunderbirds aus den Sechzigern ist Vielen bekannt, Jeff Tracy und seine fünf Söhne arbeiten als International Rescue gemeinsam mit Verbündeten wie Lady Penelope an der aktiven Verhinderung bzw. Behebung von Katastrophen, meistens verursacht durch den Superschurken The Hood. Das Besondere: Die Serie wird durch Marionetten als Protagonisten getragen. Diese hatten eine Technik für die Lippensynchronisierung verbaut, die als Supermarionation bekannt wurde.
Der Weg zu dieser damals bahnbrechenden (und reich an Explosionen und anderen Spezialeffekten) Serie war für AP Films und seine leitenden Personen Gerry und Sylvia Anderson hart. Gerry Anderson hegte große Ablehnung gegen Marionetten, als er erstmals einen Auftrag für die Serie The Adventures of Twizzle erhielt. Doch das Geld rettete seine Produktionsfirma und die immer währende Antipathie gegen seine Protagnosten machte Anderson erfinderisch. Über die Jahre kamen mit Four Feathers Fall, Supercar, Fireball XL 5 und Stingray Serien raus, die die technische Innovation Supermarionation verstetigten. Thunderbirds war dann die Essenz mit enormen Einsatz von Spezialeffekten, in jeder Folge gab es mindestens eine massive Explosion. Gleichzeitig war dies der Zenit der Entwicklung.
Es folgten Captain Scarlet und Joe 90, doch der perfektionistische Gerry Anderson hat ein Problem nie gelöst bekommen: Marionetten das richtige Laufen beizubringen. Durch die Weiterentwicklung kam ein weiteres Problem hinzu. Die Technik von Supermarionation wanderte aus dem Kopf der Marionetten in den Oberkörper. Der Kopf nahm dadurch realistische Proportionen an, war aber fast unsteuerbar geworden. All das führte dazu, dass aus AP Films heraus die Entwicklung zu Century21 als neue Entität und die Verlagerung auf Produktionen mit echten Schauspieler:innen geschah. 1972 wurde das Studio aufgelöst, alles an Sets zerstört. Doch der Mythos und der Kult um die Supermarionation-Serien verschwand nie.
2014 gingen Andrew T. Smith und Stephen La Rivère auf Spurensuche, trafen Andersons Sohn Jamie und viele Beteiligte dieser Zeit oder bedienten sich aus Archivmaterial und skizzierten diesen Weg nach. Dabei treten auch viele der Puppen auf, Lady Penelope und ihr Butler Parker verbinden im Dialog die Stränge zwischen den Meilenstienen und als Zuschauer erfährt man, wieso die Andersons keine Hochzeitsnacht hatten (die Arbeit war im kritischen Status) und warum der Geldgeber Lew Grade sich in einen Schrank zurückzog. Zwei Stunden Doku vergehen wie im Flug, weil man viele kleine Geschichten und Hintergründe erfährt. Ich habe mich sehr unterhalten gefühlt.
Die Doku ist bei Netflix verfügbar, IMDb kommt auf 7,5 von 10. Für mich ist es eine 9.