So richtig denken
06.02.2026
Auf seinem Blog stellt Thomas die Frage, wann wir Lesenden denn das letzte Mal so richtig hart nachgedacht hätten. Eine angesichts der pandemischen Ausbreitung an Nutzung von KI-Modellen sicherlich berechtigte Frage - aber von welcher Dimension sprechen wir denn?
Der Denkprozess erfordert einen wesentlichen Parameter: das Ziel. Dabei kann bidirektional gedacht werden, ob vom Ausgangs- oder vom Endpunkt. KI-Nutzung entkoppelt von dieser Fähigkeit, da sie Abwägungsprozesse und Risikenbewertung glättet und damit die Komplexität von Entscheidungssituationen abkappt. Das rächt sich bei völliger Übernahme der Ergebnisse. Die besondere Gefahr liegt dabei in der Ungeduld, also der unmittelbaren Erwartung von konkreten Strategien oder Umsetzungsarbeiten zur Bewältigung von Herausforderungen. Hegel führte dazu aus, dass Ungeduld das Unmögliche verlange - nämlich die Erreichung des Ziels ohne die Mittel. Diese Mittel verfügt auch nicht die KI, sie summiert nur Wissenszustände aus verschiedentlichen Quellen.
Die Notwendigkeit, hart zu denken ergibt sich auch aus der gestellten Aufgabe: Muss ich eine kurzfristige Entscheidung ohne große Konsequenzenrisiken treffen (Sehr triviales Beispiel: Was essen wir heute Abend?) oder im Verlauf eines Projekts nach Eintreten eines Problems den weiteren Prozess reevaluieren - eingedenk aller Kommunikations- und Prozessschritte. Zudem kommt der Aspekt, ob hartes Denken überhaupt sinnvoll ist: Entscheidungen können durch Abwägen jeder Granularität auch zerdacht werden und die Entscheidung sich im späteren Verlauf als schädlich erweisen. Diese Einschätzung ist Teil eines Denkprozesses, aber hier kommt es auf die Perspektive und die Rolle in der Aufgabe sowie die pragmatische Handhabbarkeit an.
Mein persönlicher Ansatz ist, mir immer das Ziel kurz klar zu machen: Was möchte ich erreichen, wie ist für eventuell Beteiligte der beste Ausgang bzw. der gangbarste Kompromiss? Daraus leiten sich Abwägungen und Risiken gut ab und ich kann je nach Schwere der Entscheidung mit Pro/Contra-Einschätzungen eine zu dem Zeitpunkt fundierte Entscheidung treffen. Die Zeit fürs Durchdenken nehme ich mir bewusst, aber so wie es in den Ablauf passt. Das kann auch in Alltagssituationen sein, in denen ich mechanisch Tätigkeiten ausführe und Denkkapazität anderweitig nutzen kann.
In der Bewertung bin ich mir mit Thomas aber einig: Nachdenken macht Spaß und kann gut gesteuert Wirkung erzeugen. Im Zweifel auch gemeinsam, so werden Perspektiven unterschiedlicher Art berücksichtigt und die Lösung bessser.
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