Alles auf Effizienz
02.02.2026
Selbstoptimierung ist nichts Anderes als Selbstbetrug. Sie gaukelt einem vor, dass man in der gleichen Zeit viel mehr Dinge schaffen kann. Am Ende ist man vielleicht vordergründig leistungsfähiger, niemand sieht aber den dafür nötigen administrativen Aufwand oder die körperlichen Grenzen, die dafür überschreitet werden. Oder die Reibungen, die im interdisziplinären Austausch entstehen - weil Verantwortungen die ganze Zeit hin und her geschubst werden und daraus bei allen ungute Gefühle entstehen.
Wir jagen wie Kleinkinder zu Weihnachten den Glücksgefühlen im Alltag hinterher, bestellen uns ach so praktische und gleichzeitig sinnlose Helferchen in Form von Geräten ins Haus. Diese sollen banale Aufgaben lösen, kosten am Ende aber mehr Zeit und bringen kein wesentlich besseres Ergebnis zu Tage. Dabei hören wir ewig lange Sprachnachrichten auf 1,5facher Geschwindigkeit und müssen uns Informationen zusammen puzzeln, die mit 25 Sekunden Telefonat bereits verständlich ausgetauscht wären. Unser Privatleben wird in delegierbare und persönlich verpflichtende Aufgaben priorisiert, Routine wird zur Abarbeitungsschlange mit kritischem Blick auf Aufwand und Ertrag.
Dabei verbiegen wir uns tagtäglich gegen jede Natur und erkennen situativ gerne an Feiertagen mit darum garnierten Urlaub oder in Momenten der inneren Zweifel: Was wir da tun, ist eigentlich völliger Wahnsinn. Nur um dann nochmals durchzuatmen und kurz darauf das Hamsterrad mit der gleichen fröhlichen Energie zu besteigen. Das nennen wir Pflichtbewusstsein. Dabei hoffen wir, dass uns segensreiche Erfindungen wie KI oder andere Automatismen ohne große Vorleistung unterstützen. Denn unser Alltag ist ja so beschwerlich.
Die Wahrheit ist, dass uns all das von dem entkoppelt, was wirklich effizient ist: Entscheidungen treffen, was uns wirklich wichtig ist. Dafür auch in Kauf zu nehmen, dass Ressourcen knapper sein könnten oder unsere Zeit sich anders staffelt, weil wir sie anders einsetzen. Nah an dem zu sein, was die wirklich wesentlichen Eckpfeiler unserer Leben ist und für das den Raum setzen, was uns gut tun und glücklich macht. All work and no play makes Jack a dull boy. Wir sind nicht dafür da um nur zu funktionieren. Aber dafür, ein selbstbestimmtes Leben mit viel Platz für das Wertvolle zu führen.
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