Die Welt in der wir leben
11.01.2026
Mein Vater wurde 1934 geboren und wuchs während des zweite Weltkriegs auf. Auf seiner Insel bekam er keine unmittelbaren Gewalthandlungen mit. Jedoch als Kind übers Radio zu hören wie die Welt in Flammen steht, musste Einfluss auf ihn gehabt haben. Dann begann das, was wir in der Geschichtsschreibung als kalten Krieg kennen, die Aufteilung von Interessengebieten zwischen Großmächten. Mit dem Zusammenbruch des sowjetischen Blocks 1989-1991 hatten wir die Hoffnung verknüpft, dass wir nie wieder in solch eine Situation gelangen und Freiheit in Frieden unser aller Bestreben sein wird.
Nun scheint sich wieder eine Hemisphärenaufteilung zu ergeben und wir schauen alle fassungslos zu, wie Menschen mit einer sehr eigennützigen Agenda ihre Vorstellungen umsetzen bzw. bekunden. Waren wir zu naiv? Haben wir zu sehr auf Diplomatie und die Macht der Einsicht gehofft? War die Wende eine Illusion? Ich würde all diese Fragen aus meinen Überlegungen heraus mit einem Nein beantworten. Aber für gemeinsame Friedensordnung braucht es ein Zielbild und Konsequenz.
Churchill hatte dies nach dem Krieg mit den Vereinigten Staaten von Europa vorgedacht. Für diese Vision gab es aber nicht den nötigen Rückhalt, stattdessen gibt es eine Europäische Union. Mit der viele Menschen unglücklich sind, weil sie die EU als rein regulatorische und damit intransparente Institution begreifen. Dabei ist ein geeintes Europa der Schlüssel zur Souveränität, der uns vor den Interessen Einzelner stark macht. Stattdessen sind wir auf das Wohlwollen von diesen Menschen angewiesen. Weil wir diese Souveränität nicht mit voller Konsequenz wollten.
Einen nicht unerheblichen Teil seines Lebens verbrachte mein Vater im Dienst des britischen Militärs. Er sah die Welt, aber auch den Horror in Nordirland Anfang der 70er. Über diese Erlebnisse sprach er nicht, aber die Andeutung löste in mir das Gefühl aus, dass niemand solche Dinge erleben darf. Dass wir es besser machen müssen. Seine Welt war eine, die im Chaos begann und langsam friedlicher wurde. Wir scheinen gerade Zeuge einer gegenteiligen Entwicklung zu werden. In einer Welt geboren, in der alles möglich war und Verständigung (fast) allerorten herrschte. Die nun Stück für Stück in Erosion begriffen ist.
Ich möchte nicht eines Tages im dem Bewusstsein von der Welt gehen, sie so zu verlassen, wie mein Vater sie vorgefunden hat.
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