Den Monat überleben
18.11.2025
Der November ist spätestens seit dem Tod meines Vaters für mich der Kropf im Jahresverlauf. Ein absolut dunkler und trüber Monat, den es einfach zu durchstehen gilt. Natürlich gönne ich den Menschen auf der anderen Seite der Erdkugel den Sommer. Aber innerlich zieht mich diese Phase sehr runter. Ich brauche mit zunehmenden Jahren auch immer länger, aus diesem Novemberblues in die Weihnachtszeit zu gleiten. Diese Umschaltung von gefühlter Trostlosigkeit in Vorfreude ist mental eine ziemliche Herausforderung.
Einen harten Tag habe ich schon durchstanden, ein harter Tag steht mir noch bevor. Das wird der Todestag meines Vaters sein. Der Film, wie ich nach Hause fahre und das alles erlebe, fährt zuverlässig bereits jetzt in meinem Kopf ab. Als wolle mir mein Gehirn nochmals sehr nachdrücklich beweisen, dass das real ist. Auch nach fast acht Jahren verdrängt man diese Erfahrung nicht, vermutlich werden die Bilder vielleicht etwas blasser. Etwas erträglicher.
Bis dahin werde ich wohl oder übel lernen müssen, den November in Schonhaltung zu überleben. Einfach das Beste draus zu machen und an den Tagen, die mich fordern, Pause einzulegen. Dinge zu tun, die mir helfen oder mich ablenken. Und auch zuzulassen, wenn der Film mich zu sehr fordert und es nicht versuchen, runter zu schlucken. Denn dann wird es nur schlimmer.
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