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Es ist nur das Internet

04.09.2025

Vielleicht liegt es an meiner Erziehung, vielleicht aber auch an Einsichten meines bisherigen Lebens. Jedenfalls ist mir klar, dass mein Blog keinerlei Relevanz für irgendjemanden hat - abgesehen von mir. Daher verzichte ich sehr getrost auf Reichweitenmessungen jeglicher Art. Selbst wenn nur eine Person das hier lesen würde, wäre für mich die Hingabe gleich der als wenn einhundert Personen lesen würden. Weil das hier mein Hobby, mein Ventil und am Ende auch die Gegenüberstellung mit meinen Gedanken ist. Das ist der spannendeste Part an Loggbok - werden meine Ansichten auch in Jahren noch bestehen? Werden sie den Prüfungen der Zeit - auf Mikro- wie auf Makroebene Stand halten?

Das macht für mich Bloggen aus. Ein Prozess der Auseinandersetzung mit mir selbst und meiner Perspektive auf die Dinge, die ich erlebe und fühle. Dargeboten in einer Form, die ich als zweckmäßig erachte. Getragen von wenigen, aber sehr ehrlichen und konstruktiven Feedbacks. Come to my cozy place, we can have a cup of tea. So fühlt sich Loggbok an und ich mag es. Sehr sogar. Durch die angesprochenen Feedbacks weiß ich, dass Andere diesen Angang mögen. Und das ist für mich völlig ausreichend. Ich schreibe auch nicht, was gefällt. Sondern was mich beschäftigt. Denn nur so funktioniert Loggbok für mich. Durch Fokussierung auf das Wesentliche.

Mir ist völlig klar, dass dieser Ansatz lediglich für mich allein trägt. Dass Loggbok gewissermaßen die Free Jazz-Kombo am verkaufsoffenen Sonntag darstellt, bei der nicht jeder stehen bleiben mag. Das ist völlig ok so. Genau so wichtig finde ich es, dass es die anderen Richtungen gibt, denn nur durch Vielfalt erreicht das Blog-Universum Relevanz. Die Magie liegt jedoch darin, dass wir uns die künstlerische Freiheit zugestehen. Meine Band besetze ich nach meinem Gusto, ich nutze die Instrumente mit den mir gefallenen Tonfolgen. Nur so entsteht Neues.

Aber am Wichtigsten: Ich nehme mich und meine Töne nicht zu ernst. Nicht alles von mir ist geistreich, richtig oder witzig. Und ob es als gelungen verstanden werden kann, ist eine ganz andere Frage. Aber das ist meine Komposition und ich liebe jedes Detail.

Durch die immer wieder aufflammenden Diskussionen um den Markenkern eines Blogs fühle ich mich etwas auf Abstand, auch zu meinem Produkt. Es wird nach meinem Gefühl die ganze Zeit ein Standard herzustellen versucht. Besonders geärgert haben mich Thesen, dass ein Blog ohne Kommentarfunktion kein Blog sei. Es wurde sogar in Zweifel gezogen, dass man solches Werk publizieren müsse und das lieber mit und für sich ausmachen solle. Derartige Verdikte sind anmaßend, mit welcher Mandatierung wird sowas geäußert? Ich empfinde es als fortgesetzten Nachbarschaftsstreit, nur im digitalen Raum. Ohne einen Funken inhaltlichen Gewinn, rein auf eine anekdotische Evidenz beruhend. So machen wir uns die Freude an Blogs nur unnütz madig.

Ich plädiere für weniger Metaebene, lasst uns Blogs durch Inhalte definieren und stärken. Genießen wir die paradisische Irrelevanz und lassen uns von der damit verbundenen Opportunität leiten, Regeln zu brechen. Frech und geistreich zu sein, Kluges und Provozierendes zu teilen. Unser größtes Pfund ist die schiere Unendlichkeit an Gestaltungsmöglichkeiten, mit der wir unsere Blogs ausstatten können. Und lasst uns zu althergebrachten KPIs wie Reichweite eine ironische Distanz schaffen, sie sind am Ende des Tages gar nicht so viel wert.

Denn es ist nur das Internet.


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