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Richtig schöne Seiten

28.07.2025

Mit dem Hauch an Comeback der Blog-Welt ist ja auch RSS wieder in den Blickpunkt geraten. Der praktische Ansatz erschließt sich mir - nicht immer kriegt man sofort mit, wenn in der Nachbarschaft neue Inhalte das Licht der Welt erblickten. Und wie es gute Blogger:innen so halten, habe ich einen RSS-Reader eingerichtet. In meinem Fall handelt es sich um eine selbstgehostete freshRSS-Instanz. Also alles wie aus dem Lehrbuch, oder?

Das Problem ist, dass ein RSS-Reader auch immer eine Konsistenz erfordert. Nämlich das bewusste Abarbeiten der neuen Beiträge. Links erinnert mich eine hinterlegte Zahl an neue Einträge, die ich noch nicht zur Kenntnis genommen habe. Ehrlich gesagt triggert mich das. Ich lese Blogs, weil ich es möchte - nicht weil mich ein Tool daran erinnert. Meine Aufmerksamkeit durch Benachrichtigungen triggern lassen ist doch genau der Makel von Social Media, den wir alle beklagen. Natürlich habt ihr recht, wenn ihr meinen Umgang damit in Frage stellt. Aber so bin ich nunmal, diese Zahlen stressen mich. Und dazu kommt noch etwas.

Blogs sind wie schon oft erwähnt kleine Kunstwerke. Indem ich sie besuche und dort verweile, zolle ich ihnen Anerkennung. Wenn ich eine Sehenswürdigkeit besuchen möchte, gehe ich ja auch dort hin und schaue mir nicht Bilder an einer anderen Stelle an. Nein, ich entscheide mich zu einer bewussten physischen Präsenz und erfasse Details. Setze mich auf eine bereitgestellte Bank oder andere Sitzgelegenheit und lasse den Ort auf mich wirken. Beobachte andere Menschen und ihre Auseinandersetzung mit der Kunst, dem Denkmal oder was auch immer sich an genau dieser Stelle befindet.

Natürlich, der Feed kann auch als Wegweiser dienen. Was gibt es gerade dort zu sehen, wofür lohnt sich der Besuch? Mein Naturell fühlt sich dadurch aber latent entkoppelt, ich will selber umherstreifen. Verpasse ich dadurch etwas? Ja, mag sein. Aber ich gewinne auch was - nämlich ungestellte Eindrücke und kleine Feinheiten, die ich bemerke, für mich aufnehmen und einordnen kann. Anregungen, sowohl zum Positiven als auch in Reflexionen, Dinge anders zu lösen. Kunst als Spiegel für meinen Kunstbegriff und zur Diskussion des Selbigen. All das kann RSS als Blick durchs Schlüsselloch für mich nicht leisten.

Daher hier ein Plädoyer für alle Abenteurer: Lasst uns RSS als Synonym für “Richtig schöne Seiten” verstehen und öfter vor Ort verweilen, kommentieren oder den Augenblick teilen. Es gibt viele Sehenswürdigkeiten, die einen Besuch lohnen.


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