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Einfaches Prinzip

07.07.2025

Es gibt einige Dinge, von denen ich nachhaltig überzeugt bin. Und bei denen ich wiederholt die Erfahrung machen durfte, dass mich diese Prinzipien im Leben bisher nie enttäuschten. Eines ist das Prinzip, Menschen offen zu begegnen und ihnen die Chance zu geben, sich und ihre Sichtweisen zu erklären. Manche Zeitgenoss:innen mögen das als Naivität abtun, aber für mein Seelenheil ist es zuträglicher, nicht gleich an jeder Stelle möglichen Verrat zu riechen. Im Zuge meiner beruflichen Entwicklung habe ich mir eine durchaus veritable empathische Antenne aneignen können, die mir schnell sagt, ab wann ich die Offenheit abregeln muss.

Offenheit hilft mir, Menschen vorurteilsfrei zu begegnen. Ihren Antrieb und ihre Motivation nachzuvollziehen und den gemeinsamen Nenner zu finden - gleich in welcher Situation. Wir leben in einer pluralistischen und vielfältigen Gesellschaft, das Gegenteil von Offenheit kann ich mir folglich nicht leisten. Mir ist die Perspektive von Minderheitsgruppen wichtig und wenn ich etwas tun kann, was ihnen hilft - dann mache ich das. Das sind oftmals nur kleine Dinge, die aber gleich einen positiven Effekt haben und das Gefühl von Akzeptanz und Wahrnehmung erzeugen.

Mir ist bewusst, dass andere Menschen diese Sichtweise nicht teilen. Ich werde auch niemanden zwingen, meine Perspektive zu übernehmen. Aus vielfältiger Erfahrung weiß ich, dass Lebenswege oftmals sehr verschlungene Pfade nehmen und allein aus diesen Erfahrungen Einstellungen entstehen und nicht unmittelbar zur Disposition stehen. Womit ich mich aber schwer tue, ist das Heranziehen jedes noch so dünnen Arguments um die eigene Wahrnehmung um jeden Preis verteidigen und jede andere Akzentuierung im Wesenskern negieren zu wollen. Auf einer Metaebene kann jede gesellschaftliche Konvention als ideologisch geprägt und damit hinterfragbar definiert werden. Wir sollten uns nicht anmaßen, den heiligen Gral der Lebensführung entdeckt zu haben.

Fremde Perspektiven, andere Eindrücke empfinde ich nicht als Störfaktor. Sie bereichern meine Denkweise und fordern mich heraus, gewonnene Standpunkte auf Schwachstellen abzuklopfen. Was gestern oder möglicherweise heute galt, muss morgen nicht zwangsläufig richtig sein. Wir tun als Gesellschaft gut daran, auf den Wandel der Zeit progressiv zu reagieren. Und das bedeutet auch, dass man von Zeit zu Zeit liebgewonnene oder als normal verstandene Konventionen reflektieren sollte.

Allein aus einem einfachen Prinzip.


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