Micro und Macro
09.04.2025
Heute bin ich über die aktuelle Folge Realitätsabgleich (WRINT) gestolpert und hörte Holgi & Toby über Eskalationen im Privaten sprechen. Dabei sprach Holgi einen Gedanken an, der mich packte. Es gibt die Micro- (die private) und die Macro-Umgebung (das Weltgeschehen), in denen beiden ideal “Ruhe” herrscht. Sollte eines mal unruhig werden, hat man im Zweifel immer noch das Andere als Ausgleich. Was passiert aber, wenn in beiden Umgebungen dauerhaft disruptive Ereignisse eintreten und man nur noch getrieben ist?
Für mich war die Folge sehr heilsam, weil es wieder den Horizont dafür öffnete, dass es auch anderen Menschen so geht wie mir. Man blickt auf das Weltgeschehen und sieht in Vielem nur noch Irrsinn. Die Ratio weicht der Gier und kurzfristigen Perspektiven. Im Privaten gibt es bei einigen Menschen mehr, bei anderen weniger Einschläge härterer Art. Aber wenn ein fragiles Micro auf ein volatiles Macro trifft, kracht es. Und das nicht zu knapp.
Im Leben sind wir alle Amateure, mit zunehmenden Alter erfasse ich das immer mehr und gleichzeitig will ich immer weniger mit der Welt da draußen zu tun haben. Jedenfalls mit der Oberflächlichkeit, mit der Verirrung in falsche oder nicht vorhandene Werte. Gleichzeitig erfordert das Berufsleben, diese Spielchen zu einem gewissen Grad mit zu betreiben. Und das unabhängig von dem Beruf, den man ausübt. In meiner Branche ist das sicherlich ausgeprägter. Inzwischen (re)agiere ich da mit einer Distanz. Ich werde bald vierzig, ich muss nicht mehr jede Hürde überspringen.
Mit Augenmaß handeln ist die Devise. Das Micro ist viel unmittelbarer als das Macro. Das soll kein Plädoyer für den Rückzug ins Private sein. Aber am Ende kann ich nur das beeinflussen, was sich in meiner Reichweite befindet. Der Rest wird sich schon zurecht ruckeln. Wäre schön, wenn wir diesen Prozessen etwas mehr Raum gäben. Aber was weiß denn ich.
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