Journal total
18.09.2024
Momentan bin ich kein angenehmer Zeitgenosse, eher ausgelaugt und mit einer kurzen Zündschnur versehen. Das ist in Umständen begründet, die ich nur bedingt ändern kann bzw. wenn nur mit viel Unsicherheit für mich und Andere. Daher widerstrebt mir dieser eher drastische Schritt und so versuche ich Wege zu erforschen, die Linderung versprechen. Etwas, was dabei immer wieder genannt wird, ist das Führen von Journals.
Journals sind ja sehr eng mit der Achtsamkeitsbewegung (totaler Euphemismus, ich weiß) verbunden. Deren Motive verstehe ich, ich finde es nur fatal, dass es überhaupt solche Dinge geben muss, weil die Bedingungen des alltäglichen Lebens mit seinen Anforderungen so sind. Die Verantwortung für ein System, welches Menschen nicht glücklich machen kann, wird so auf den Einzelnen umgelegt, der halt auf sich acht geben soll. Und wenn man aktuelle Statistiken verfolgt, kommen eine ganze Menge Menschen nicht damit klar. Nüchtern betrachtet ist das scheiße. Vielleicht klingt das auch nach Midlife-Crisis, aber der Gedanke wohnt schon lange in mir.
Jedenfalls werde ich den Lauf der Dinge nicht ändern und muss eben diese Eigenverantwortung übernehmen. Deswegen habe ich gestern ein ungenutztes Notizbuch rausgekramt und in ein Bullet Journal verwandelt. Dabei habe ich gemerkt: Reflektives Betrachten braucht Zeit. Vorbereitung, alles direkt aufschreiben und nachbetrachten. Vorteilhaft ist, dass ich alles aus meinem Gehirn auslagern kann. Das befreit, konfrontiert natürlich aber. Und da ist die Krux, weil ich ja die Klarheit auf das Problem schon habe. Es nochmals zu lesen, macht es nicht besser. Sondern nur präsenter.
Vielleicht ist die Lektion aber eine Andere, die ich einfach nehmen muss, um meine aktuelle Situation zu gestalten: Akzeptanz und eine Spur Gleichmut. Solange die Dinge so sind und ich keinen Einfluss auf sie habe, darf ich mich nicht zu sehr darüber ärgern. Es hilft nichts, diesen Themen Emotionen hinterher zu werfen. Stattdessen sollte ich mich lieber auf Dinge fokussieren, die solches Involvement verdienen. Diese Dinge zu erleben und darüber zu schreiben hat ja auch Wert. Also wird das Bullet Journal nun stringent geführt bis es voll ist. Und vielleicht schaue ich in einem Jahr ja zurück und merke, wie mir dieses Buch gut getan hat. Wäre ja ein gutes Resultat.
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