Das Internet als Straße
06.06.2024
Wer sich dieses kleine Blog in den letzten Tagen genauer angeschaut hat, hat festgestellt, dass es jetzt Mitglied im UberBlogr-Webring ist. Ein Webring ist eine architektonisch ringförmig gedachte Verbindung von Seiten, bei denen User:innen bequem immer weiter “skippen” können und so andere Inhalte der Mitglieder:innen entdecken können. Dabei kann der Webring entweder thematisch oder typmäßig gestaltet sein, je nach Webring sind die Mitmachregeln unterschiedlich.
Eines der Mitglieder hat die Analogie in den Raum gestellt, dass der Webring eine Straße ist und jedes Blog wie ein Haus. Gerade in einer Zeit, in der Spaltung immer mehr Raum bekommt als das Verbindende, finde ich das eine sehr schöne Bildsprache. Mein “Haus” ist eine Schnapszahl, es trägt die Nummer 33. Vor einer Woche lag es gefühlt am Ende der Straße, inzwischen wurde fleißig angebaut und mein Haus wird bald mitten im Dorf, irgendwann vielleicht sogar recht am Anfang der Straße zu finden sein. Die Anwohner sind alle unterschiedlich, bringen unterschiedliche Erfahrungen und Themen ein. Uns alle eint aber, dass wir unseren Platz gestalten und Freude daran haben, den “Baufortschritt” miteinander zu teilen. Es macht großen Spaß zu entdecken, was links und rechts, am Dorfeingang und am -ende alles Neues entsteht. Und wer denn alles noch so dazu kommt, gerade sind wieder drei potenzielle Einwohner:innen auf der Warteliste.
Was Thomas als “Dorfgründer” auf die Beine gestellt hat, ist keine Utopie - sondern der Beleg, dass man im Internet miteinander vernetzt sein und Freude haben kann, ohne in Kurzform zu denken und zu argumentieren und ohne sich verbal gegenseitig auf die Mütze zu geben. Es braucht keine algorithmische Verwurstung, sondern Menschen mit Gedanken, Geschichten und Gestaltungswillen. Neugier aufeinander ist natürlich auch essenziell. Aber was ich in den letzten Tagen alles an tollen Beiträgen las, gibt Hoffnung, dass das Internet nicht verloren ist. Man sollte nur seine Aufenthalte in den Molochen wohl dosieren und ansonsten “sein” Dorf genießen. Zu Hause ist es halt immer am Schönsten.
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