Genormter Tee
30.05.2024
Mein Vater war Schotte, meine Mutter ist deutsch und hat niedersächsische Ahnen (aus der Gegend von Cloppenburg). Beide Zweige haben eine Teekultur und so ergab es sich, dass ich nicht nur Teetrinker wurde - vor allem in den letzten zwei Jahren habe ich versucht und bin weiter dran, beide Kulturen irgendwie zu verbinden.
Vom Vater übernahm ich in der Jugend die one cup-Vorgehensweise, die mit Beuteln von Tetley “gefüllt” wird. Natürlich gibt es auch andere Marken. Aber dieser Tee ist stark und ich mag ihn. Die andere Familienseite operierte klassisch mit losem Tee im Filter, Kanne und Stövchen sowie Kandis - also schon ostfriesisch im Angang. Ich habe das immer etwas abseits bewundert, fand das für mich allein eher umständlich.
Durch mehrfachen Urlaub auf einer ostfriesichen Insel ist mir diese Form der Teezeremonie aber näher gerückt und mein Teekonsum hat sich entsprechend intensiviert. Die Liebste hat mir über Geschenke die nötige “Hardware” verschafft und an Wochenenden verbringe ich mittlerweile gut und gerne ein bis zwei Stunden in der Küche, in denen ich am Fenster sitzend Tee trinke und dabei frühstücke, mir ein Bild über die Weltlage verschaffe oder Musik höre. Wenn ich Urlaub habe und wir den zuhause verbringen, sogar täglich.
Beim geschätzen Thomas Gigold las ich die Tage, dass es eine ISO-Norm für die Zubereitung von Tee gibt, mich als Verfechter von Standards und Anleitungen sprach das natürlich an. Zudem traf es sich, dass mein Vorrat an Tetley-Beuteln zu Neige ging und ich auf die Notreserve an losem Tee zurück greifen musste. So habe ich eine Woche lang diese ISO-Norm in der Praxis angewandt und komme zu folgendem Schluss:
Es hat meditativeren Charakter, wenn man mehr Schritte in gewisser Sorgsamkeit durchführen muss. Gerade an die richtige Portionierung des Tees muss man sich ran tasten, die Norm kann nur bedingt subjektives Geschmacksempfinden standardisieren. Andererseits habe ich das Vorgehen noch nicht im Arbeitsalltag verprobt und bin mir unsicher, ob sich der Aufwand lohnt, wenn ich stressbedingt den Tee eher “hinter die Binde kippe”. Vermutlich ist die Lösung einfach, den Mittelweg zu finden aus dem schnellen one cup-Verfahren und für längere Meetings Kanne und Stövchen. Die Zeit wird zeigen, wie sich mein Verfahren praktisch optimiert.
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