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Social Media must die

04.01.2024

Nachdem Elon Musk bewiesen hat, dass Vermögen und Unvermögen gleichermaßen eine Person kennzeichnen können und er Twitter X tagtäglich näher Richtung Erdkern fährt, hat sich in der Netzgemeinde immer noch der irrige Wunsch nach “Aber wie früher”-Alternativen manifestiert. Mittlerweile gibt es ja reichlich Auswahl, Cross-Posting auf den verschiedenen Kanälen ist der neue Trend. Für den überwiegenden Teil der Menschen in Deutschland ist Threads seit drei Wochen neu, sie hatten es vor der zwischenzeitlichen Pausierung aufgrund der “Bedenken” nicht rechtzeitig reingeschafft.

Auch ich habe mir Threads angeschaut und habe schon nach kurzer Zeit attestiert, dass das so ein Schuss in den Ofen wird. Die “Für dich”-Timeline ist eine einzige Zumutung von teils ekelhaften Aussagen, bei der sich manche Protagonist:innen gerade zu darin überbieten, wer die nächste blockierungs und meldewürdige Grütze von sich gibt. Trotz massiver Block-Aktivität meinerseits rutschten jeden Tag neue “Perlen” dieser Art nach, mittlerweile muss ich 200+ Accounts gesperrt haben. Problematisch ist auch, dass aufgrund des Hypes viele solcher oft misogynen Takes direkt viral gehen oder jemand anders den Mist mit einer “Gegenrede” repostet. So oder so: Threads ist in wenigen Tagen so anstrengend geworden wie Twitter kurz vor der Musk-Übernahme.

Es ist offenkundig, dass vielen Personen dort die Möglichkeit der Reichweite nicht bekommt und sie diese liebend gerne für Provokationen oder den traurigen Beweis mangelnder Reflektionsfähigkeit zu nutzen. Dem Problem kann man nur durch eine Fragmentierung beikommen, denn offenkundig sind nicht die Plattformen an sich schuld (die Algorithmen sind ja auch nur so gut oder schlecht, wie man sie füttert), sondern die Personen und Inhalte. Das macht aus dem rabbit hole das shit hole.

Und das Fediverse? Ist das nicht auch Social Media? Für mich ist da eine Abgrenzung, weil ich die Infrastruktur dafür ja selber vorhalte (bzw. vorhalten lasse) und mein eigener Herr bin hinsichtlich der Frage, mit welchen anderen Instanzen meine eigene Instanz föderiert ist. Den Begriff “Personal Media” finde ich dafür geeigneter, gemeinsam mit dem Blog ist das eine unabhängige und nachhaltige Umgebung ohne auf das Wohlwollen Dritter angewiesen zu sein. Ich habe in den über fünf Jahren auch nur eine Person blocken müssen, die ganz offensichtlich ein Troll war und anonym Stress machte (dann aber ebenso schnell von der Instanz geblockt wurde wie sie sich dort anmeldete). Das hat sich organisch geregelt, sowas würde man bei X, Meta und wie sie alle heißen kaum erleben. Noch ein Grund mehr, sich von diesen Plattformen zu lösen.

Eines meiner Ziele für 2024 ist es, Social Media aufs absolute Minimum zu reduzieren und Personal Media dafür in allen Bereichen zu verankern. Sowohl in den Tools als auch im Austausch mit Menschen. In den letzten Jahren habe ich schon coole Personen kennen gelernt, denen Viralität ebenso gleich ist und mit denen jede Interaktion Freude macht. Und das ohne sich vor größtmöglichen Publikum zum Affen zu machen, sondern einfach indem man ähnlich gelagerte Interessen hat oder spannende Dinge teilt. Dafür verzichte ich sehr gerne auf “Social Media”.


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