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21.08.2026

Tja, irgendwie ruhig hier, nein? Mir fehlt ehrlich gesagt seit einiger Zeit die Muße und vor allem (viel schlimmer) die Begeisterung fürs Bloggen. Das liegt einerseits an den Nebenwirkungen des Wahlkampfs (viel Organisation und noch mehr Zeitbedarf), aber vor allem daran, dass mich der Blick auf andere Angebote dermaßen beelendet und verärgert, dass ich zu dieser Gemeinschaft nichts beitragen möchte.

Die Durchdringung von AI sorgt dafür, dass zig Blogs entweder gleich aussehen, komplette Bebilderung mit den immer gleichen Motiven und auch Fehlern (sowohl Texte auf den Bildern als auch Objekte) verwenden und teilweise stellt man schon nach einem Absatz fest, dass der Beitrag fast ausschließlich den Drahtwindungen einer LLM entstammt. Diese Pest greift immer mehr um sich, ein aufgeklärter rationaler Dialog ist jedoch nicht möglich. Denn sobald man eine Form von Einwand dagegen formuliert, heult das Heer der Technologieoffenen auf und fühlt sich in der Bloggerehre verletzt. Man mache das doch schon so lange und Hilfen könne man doch nutzen, jeder sei doch frei in der Gestaltung und was noch an Argumenten kommt. Ich mag es nicht mehr hören.

Kreativität hat den entscheidenen Wert, dass sie sich aus dem Menschen heraus bildet. Aus seiner Wahrnehmung, aus Erfahrungen und vor allem aus Gefühlen. Das Produkt daraus ist eine Momentaufnahme, ein greifbar gewordener Impuls. Kunst entsteht, weil der Mensch dieser Gefühlslage freien Lauf gewährt. Was seit Monaten in der “Szene” passiert, ist eine maximale Negierung des Kunstbegriffs, indem einfach jeder nur denkbare technische Strohhalm ergriffen und damit eine ungenießbare Pampe serviert wird, bei der denkende Leser:innen entweder würgen müssen, Durchfall bekommen oder beides gleichzeitig erleiden.

Das hindert die heavy users aber nicht daran, sich stolz die Bezeichnung Blogger ans Revers zu heften. Eine Begrifflichkeit, die eigentlich daraus entstand, klugen Menschen in den Anfangstagen des Bloggens nicht die eigentlich richtige Begrifflichkeit Journalist:in und damit die ihnen gebührende Wertschätzung zu verleihen. Inzwischen scheint der einstige Differenzierungsbegriff zur Berufsbezeichnung derer erwachsen zu sein, die eben genau das nicht sind oder sein wollen. Oder lieber auf vermeintliche Reichweiten schielen, verbunden mit der Hoffnung auf die schnelle Währung der eigenen Wahl.

Was daraus entsteht, ist weder interessant noch inspirierend oder von irgendwelchem Wert. Es verschwendet die Zeit der Leser:innen und Ressourcen. Es sorgt nur dafür, dass Menschen wie ich die Lust am Hobby verlieren. Keine Freude mehr daran verspüren, mit echten Inhalten gegen zu halten. Oder mit eigenen Gedanken zum Thema dieser AI-Machwerke zu werden, sei es in Zustimmung mit mehrfachem Durchspülen der schon längst akzeptierten Argumente oder mit fast unmittelbar widerlegbaren Gegenargumenten. Das Kapilarsystem freut sich, so vergeht jedoch der Wesenskern der Gattung Blog und irgendwann trocket auch dieses wertvolle Biotop aus.

Ich habe in den letzten Tagen mehrfach überlegt, ob ich Loggbok in eine neue, nicht-öffentliche Form wandele. Diese Konsequenz mag ich jedoch nicht ziehen, weil mir etwas an dem Austausch mit den Leuten liegt, die ebenso denken wie ich. Mit Sicherheit werde ich aber meinen Konsum anderer Blogs und auch meine Mitwirkung in verbindenden Strukturen überdenken.

TL; DR: Bloggt euch doch ins Knie!

29.07.2026

So langsam dämmert es Menschen, dass das mit AI zumindest in der aktuellen Form eine scheiß Idee ist. Studien belegen, dass Menschen sich eine Arbeitswelt vor AI zurück wünschen. Denn die Korrektur von Slop frisst mehr Zeit als die manuelle Erstellung von Ergebnissen. Ich selber habe auch schon mehrfach die Diskrepanz zwischen Anforderung (“Nutz bitte AI.”) und Erwartung (“Das ist doch mit AI gemacht.”) erlebt. Teilweise sogar dann, wenn ich es selbst gemacht habe und dann beweisen musste, dass AI nicht beteiligt war. Für alle sehr unangenehm und von den wirklich wichtigen Dingen ablenkend.

Im Blog-Kontext kam es heute zwischen Johannes und Martin zu einer Diskussion, die das ganze Dillemma aufzeigt. Wir denken nur noch mit Scheren im Kopf, teilen zwischen gut und böse und knallen uns Vorwürfe an den Latz. Nicht immer geht der Austausch so aus wie zwischen den Beiden, am Ende bleiben doch Verletzungen. Und das ist scheiße. Nur, weil eine vermeintliche Innovation alles an zwischenmenschlichem Vertrauen in Frage stellt. Gleich in welcher Beziehung man zueinander steht.

Wilkommen im Zeitalter des Misstrauens. Der Eintritt kostet nur die Menschlichkeit.

26.07.2026

In dem Berg aus Wolken reißt eine winzige Lücke auf. Groß genug für die untergehende Sonne, letzte Lichtstrahlen zu hinterlassen. Ein Band in Tafelkreide-artigem Rosa umspannt die Stadt, in der sich alles bereit für die Nacht und den folgenden Wochenstart macht. Für den Moment herrscht Ruhe. Man könnte es fast Frieden nennen. Ich kaue auf einer Scheibe Brot rum und bemühe mich um einen klugen Gedanken. Etwas Geistreiches mit einer gewissen Matinee-Reife. Aber da ist dieses Pastell. Es ist viel größer als alles, was ich in diesem Moment denken könnte.

Es weiß nichts von Krisen, Kriegen und all den anderen furchtbaren Dingen des Zeitgeschehens. Es ist jetzt da. Aber gleich weg. Dieser kleine Moment der Nahbarkeit. Direkt durch die Naturkraft an Wind und der untergehenden Sonne wieder aufgehoben. Und doch habe ich es gesehen. Weiß, dass es da war. Ein Bild, dass mir die Erinnerung morgen wieder ausgelöscht haben wird. Aber für den Augenblick habe ich mich berührt gefühlt.

Frieden beginnt dort, wo man ihn fühlt.

Ambiguitätstoleranz klingt nach fernöstlicher Kampfkunsttechnik, bezeichnet aber den Umgang mit Widersprüchen zwischen Anspruch und Handeln. Oder zwischen Überzeugungen und Weltgeschehen. Diese Fähigkeit hilft uns, in eben solchen Situationen nicht wie ein kopfloser Idiot zu agieren. Sondern gezielte Strategien für das Überwinden zu identifizieren und anzuwenden. Oder im Zweifel auch mal die Parade der Absurdität an sich vorbeiziehen zu lassen, ohne gleich korrigierend in Aktion zu gehen.

Meine Beobachtung ist, dass wir diese wichtige Fähigkeit entweder gar nicht mehr anwenden (weil uns das kritische Denken zu mühsam scheint) oder die Bewältigungsstrategie in ihrer Planung abgekürzt wird (“Machen eh alle, ich kann eh nichts dagegen tun”, etc.). Das führt dann zu Blüten wie der Verdammung von Ressourcenverschwendung bei gleichzeitig inbrünstiger AI-Nutzung oder das Beklagen von Herausforderungen gesellschaftlicher Art und das sich daran anschließende Wählen von Kräften, die gar keine Lösung für irgendetwas wissen.

Wir werden es nie schaffen, widerspruchslos leben zu können. Es gilt immer wieder Bündnisse zu schmieden, Kompromisse zu finden und Aufgaben mit konträren Zielsetzungen zu bewältigen. Am Ende zählen aber das größere Ziel und die Fähigkeit, die vorhandene Situation zu antizipieren und den geeigneten Weg zur Lösung zu identifizieren. Dabei sollte man sich aber immer im Rahmen dessen bewegen, was man persönlich vertreten kann. Und im Zweifel kann das auch bedeuten, dass man etwas ablehnt. Oder nicht als richtige Person für die Spreizung zwischen Ideal und Tatsache sieht.

Freier Wille und persönliche Freiheit sind keine Persilscheine für eine allumfassende Denkverweigerung. Sie sind Ansporn und Verpflichtung, uns bewusst mit den Widersprüchen des Lebens auseinander zu setzen und Abwägungen zu treffen. Und wenn wir in einer Angelegenheit zur abschließenden Überzeugung gelangten, diese dann auch mit der notwendigen Konsequenz zu verteidigen. Vor Anderen, aber auch vor uns selbst. Denn Persönlichkeit reift auch daran, wie man mit diesen Reibungen umgeht.

Inzwischen bin ich Anfang Vierzig und das Fenster für berufliche Veränderungen verengt sich natürlich. Realistisch betrachtet muss ich den sich stetig wandelnden Nachfragemarkt immer wieder neu antizipieren, um meine Expertise-Relevanz zu belegen. Durch meine derzeitige Position bin ich in unterschiedliche Projekte involviert und dadurch ergeben sich beständig neue Konstellationen. Genau so gibt es aber auch Elemente, die sich unabhängig von Kunden und fachlichen Inhalten nicht verändern. Und daraus ergibt sich manchmal das Gefühl, dass da doch mehr sein müsste.

Gerade bin ich Teil eines Projekts, in dem sich das “Mehr” organisch entwickelt hat. Neue Aufgaben, neue Ufer. Mit viel Rückenwind von allen Beteiligten und einem ersten substanziellen Erfolgserlebnis. Gefühlt weit weg von dem, was ich die letzten Jahre machte. Aber auch sehr nah, weil es mich zum Ursprung meiner beruflichen Karriere zurück führt. Und mich als Brücke zwischen dieser Vergangenheit und der Gegenwart dienen lässt. Dieser Prozess ist sehr spannend, belebt meine Ambitionen neu und bringt zudem eine neue Dimension auf die Frage: “Was will ich denn eigentlich noch machen?”.

Denn eines ist klar: Irgendwann wird meine Glaubwürdigkeit sich verändern. Weil ich älter werde. Die Transformation in andere Rollen oder fachliche Ausrichtungen kann helfen, dieses gefühlte Manko auszugleichen. Vor allem, weil ich diese Veränderung Anfang des Jahres nicht erwartet hatte. Aber diese Chance ist jetzt da. Und ich habe große Lust herauszufinden, ob ich darin eine Antwort auf meine Frage finde.

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