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Mit zunehmenden Alter bezeugt man zwei Phänomene: Das Ableben von Personen, deren An- und Einsichten als moralischen Anker und Leitplanke für Handlungen und Perspektiven galten und das wachsende Interesse junger Menschen an den eigen entwickelten Gradmessern. Während der Austausch mit Altvorderen Richtung und Sicherheit gibt, ist die Rückkopplung eine delikate Angelegenheit. Ratschläge geben ist immer ein riskantes Geschäft, vor allem bei stetig komplexer werdender Realität durch die Veränderung von äußeren Faktoren.

Auch durch mein politisches Engagement angetrieben stelle ich mir die Fragen: Wie kann das gelingen? Wie vermittle ich Zuversicht und ermutige junge Menschen, ihren Weg zu gehen und sich für das Gemeinwesen einzusetzen? Wenn an jeder Ecke die Ablenkung und der Ausweg locken, wenn Kräfte mit falschen Motiven an den Grundfesten von Moral und gesellschaftlichem Zussamenhalt rütteln? Was sage ich unserem Sohn, dass noch nicht alles verloren ist und er die Chance der Partizipation nutzen soll?

Genau so wie ich mir damals die Hilfestellungen erwartete, sehe ich mich nun verpflichtet, diese zu geben. Aus dem Verständnis heraus, dass nichts geschenkt, aber alles offen ist. Dass eine Basis gelegt, aber noch viel Raum für neue Meilensteine und Perspektiven vorhanden ist. Die Kraft Vieler den Wandel ermöglicht, Veränderung ein nötiger Prozess für mehr Möglichkeiten ist. Und Zuhören Energie kostet, auch innere Widersprüche triggert und doch am Ende das Werkzeug für Verständigung und Zusammenhalt ist. Dass es in Ordnung ist, auch mal zu zweifeln - weil es jede:r tut.

Ich habe nicht auf alles Antworten. Das deckt sich natürlich zwangsläufig nicht mit der Erwartung des jungen Menschen, dass ich bei Einordnungsfragen die vollumfängliche Weisheit teilen kann. Aber ich kann die Sorgen ernst nehmen, sie im Dialog neutral betrachten und daraus anhand meiner Erfahrungen eine Einschätzung teilen. In dem Moment einfach auf Augenhöhe da sein. Oftmals ist genau das schon der erste, entscheidene Schritt für mehr Zuversicht.

Zuversicht ist kein einmalig definierter Zustand, er wird immer wieder neu herausgefordert und ein jeder muss die Antworten auf die Frage nach dem Sinn für sich selbst finden. Dabei braucht es aber ab und zu den kleinen Impuls, das Wesentliche aus anderem Blickwinkel zu beurteilen. Helfen wir, indem wir zuhören und Raum für Fragen und Antworten schaffen.

Uhus. Eichhörnchen. Ähnlicher als man denken mag.

Liest sich auf dem ersten Blick schräg, aber wenn man länger darüber nachdenkt (was ich tue), liegt in dem Stilmittel der Fabel viel Lehrreiches. Genauso auch die Ermutigung, andere Perspektiven einzunehmen oder diese zumindest in Betracht zu ziehen. Die Fabel weist in ihrer Analogie auf einen Umstand hin, aus dem die Leser:innen dann ihre Schlüsse ziehen mögen.

Das Gute: Man kann sich mit dem Nachdenken Zeit lassen. Oder die Erkenntnisse mit anderen Einflüssen verheiraten. Man geht aber immer klüger aus der Auseinandersetzung mit der Fabel. Auch wenn es eben dauert.

Und für Verbote bin ich auch. Und früher hätte ich ja viel interessanteres Zeug geschrieben. Den Ball flach halten sollte ich auch besser. KI ist eh da und wir sollten uns nicht so anstellen.

Das ist die eine Seite der Zusammenschau an Reaktionen auf meinen Beitrag. Und wenn ich das lese, frage ich mich, ob ich so missverständlich geschrieben habe oder ob man meine Aussagen missverstehen möchte. Weil es das eigene Weltbild piekst. Da sind wir aber beim Kern der Sache: Es gibt in der Realität nicht nur 0 und 1, sondern auch die Zwischentöne. Damit ich nochmals meine Intention darlege und ich nicht missverstanden werden kann, hier im Schnelldurchlauf:

  • Ich habe nichts gegen KI. Ich kritisiere nur, wie unreflektiert sie verwendet wird.
  • Ich habe nichts gegen einen punktuellen Einsatz von KI. Es ist nur sehr bescheiden, wenn ganze Blogs oder Artikel komplett der KI entstammen.
  • Solche komplett generierten Artikel habe ich kritisiert.
  • Ich habe mitgeteilt, dass ich solche Artikel nicht mehr lesen möchte. Ein Verbot habe ich nicht gefordert.
  • Aus der Beobachtung, dass viele Menschen ähnlich wie ich denken, habe ich die marktwirtschaftliche Perspektive auf Angebot und Nachfrage eingebracht.
  • Marktwirtschaft basiert auf freien Entscheidungen, nicht auf Verboten.

Um das Ganze mal in ein Beispiel zu gießen: Wenn ich im Supermarkt beim Lebensmitteleinkauf Produkt A nicht mehr kaufe, weil mich die Qualität nicht überzeugt, ist das ja auch keine Intoleranz. Genau so verhält es sich mit Blogs. Eure Meinungsfreiheit wird 0,0 beschnitten, wenn ich eure Blogs nicht mehr lese. Andererseits gibt es für mich auch keine staatsbürgerliche Verpflichtung, bestimmte Inhalte lesen zu müssen - besonders wenn sie ohne Mehrwert sind. Freiheit bedeutet übrigens auch, sich bewusst gegen etwas zu entscheiden oder es zu lassen.

Ich finde es gelinde gesagt traurig, dass nur noch in Kontroversen gedacht wird und man eine solche Äußerung gerne zum Skandalon erhebt, um dann irgendwelche Zustände beklagen zu können und dann die Backlinks einsammeln zu dürfen. Dann aber zugleich den Verfall gesellschaftlichen Zusammenhalts zu beklagen und zu tun, als wäre die andere Seite schuld daran, ist an Bigotterie nicht zu überbieten. Wir machen Blogs und ringen nicht um den Frankfurter Buchpreis. Vielleicht sollten Andere auch mal den Ball flach halten. Und Artikel dem Sinn nach lesen, bevor man mit Schaum vorm Mund haarscharf vorbei zielende Repliken verfasst.

Nachdem ich vorgestern ja die Frage stellte, ob wir Bloggenden denn müde seien, habe ich gestern Abend und heute Vormittag mittelschwere Blutstürze bekommen (meine Follower auf Mastodon bekamen das in erster Reihe mit). Der Hintergrund war, dass ich über Rivva einen Artikel eines Bloggers entdeckte, den ich bisher als reflektierten und vor allem selbstständig denkenden Menschen wahrnahm. In einer gewissen Erwartungshaltung (auch in Bezug auf das Thema) öffnete ich also den Link und wurde gleich durch das AI-generierte Titelbild auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Als ich dann den Text durchscrollte, wurde ich wütend.

Denn es handelte sich um eine mehr oder weniger lieblos zusammen geworfene Struktur von zehn Punkten, die sehr erkennbar in AI gefiltert und formuliert wurden. Nichts daran war originell oder lösungsorientiert, sondern einfach nur eine Anhäufung von inhaltlichen Plattitüden. Mich hat es wütend gemacht, weil ich in diesem Moment meine Aufmerksamkeit einem Produkt widmen wollte, was offenkundig nicht ansatzweise belastbar ist. Es ist ganz einfach: Ich lese Blogs nicht, weil ich KI-generierte Texte konsumieren möchte. Wenn das der Fall ist, öffne ich die Seite einer KI und generiere mir diese Inhalte. Wenn ich ein Blog öffne, erwarte ich Inhalte einer bloggenden Person. Die sich Gedanken gemacht hat und diese mitteilt. Gleich ob strukturiert oder aus dem Affekt heraus. Denn dafür gebe ich meine Lebenszeit und Aufmerksamkeit her. Also wäre es doch nur fair, wenn Invest und Produkt in einer gewissen Relation von Werten stehen.

Wer sein Blog für solche Slops verwendet, macht nichts Anderes als wenn sie oder er KI-Grütze auf Social Media veröffentlicht. Das führt Menschen in die Irre, stiehlt ihre Ressourcen und sorgt nur für Unmut. Gerade dann, wenn man sich einer Historie in Blogger-Jahren rühmt. Wenn trotzdem solcher Slop veröffentlicht wird, muss ich annehmen, dass einem die Leserschaft egal ist. Und dann ist für mich das Resultat, dass mir diese Blogs egal sind. Weil mir meine Ressourcen zu wertvoll sind.

11.02.2026

In den letzten Wochen fiel es mir erst schleichend, dann immer stärker auf. Die Schlagzahl an Posts auf den von mir geschätzten Blogs hat sich reduziert. Schaue ich in die RSS News, gab es früher zehn bis fünfzehn Beiträge pro Tag. Jetzt sind es vier bis fünf. Auch im Gesamtkosmos von UberBlogr fühlt es sich wie eine leichte Delle an. Vielleicht gar nicht so sehr in der Quantität, aber in der Zusammenwirkung. Es scheint, als wäre der erste Enthusiasmus einer Geschäftigkeit in kleineren Zirkeln gewichen.

Natürlich ist UberBlogr keine Community, sondern “nur” ein Webring. Aber für mich steht trotzdem ein Vernetzungsgedanke dahinter, Menschen mit einer gemeinsamen Passion und vielleicht sogar Interessen. Daraus ist beispielsweise auch der IRC-Kanal entwachsen, der mittlerweile Teil der täglichen Aktivitäten ist. Aber auch hier hat sich das Nutzerpotenzial auf eine Fraktion verstetigt - die aber auch eine sehr großte Schnittmenge an Interessen und Themen hat. In dem Zuge hatten mthie™️ und ich gestern eine Unterhaltung, in der er mir mein Gefühl auch bestätigte: es wird irgendwie etwas weniger an Beiträgen. Und auch generischer.

Zu den Gründen kann nur gemutmaßt werden. Es gab letztes Jahr die eine oder andere Kontroverse zu der Frage, was und wie Blogs denn sein müssen. Ob KI dazu gehört. Ob es noch Meinungsfreiheit gewährleisten würde, wenn Leute sagen, dass sie bei Nichtgefallen dann Blogs halt auch nicht lesen. Alles am Ende Diskussionen, die darin endeten, dass doch jede:r weiter in der eigenen Suppe rührt. Und vielleicht hier und dort Verletzungen entstanden. Dazu das Ringen um Aufmerksamkeiten, Reichweiten und Engagement - auch in Auseinandersetzungen manifestiert. Am Ende ist alles nur individuelle Perspektive, es gibt keine Industriestandards für Blogs. Und das ist das Gute.

Oder liegt es einfach an der Weltlage, dem Wetter oder bilde ich es mir einfach nur ein? Alles Spekulation, am Ende zählt nur das geschriebene Wort. Davon wünsche ich mir mehr, ohne Abwägungen oder Kalkül. Einfach pure Gedanken, transformiert in Code und gebannt auf Bildschirmen. Müdigkeit vergeht, wenn man in die Bewegung gerät.

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