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Die Blogszene neigt ja gern dazu, Definitionen formulieren zu wollen. Geneigte Leser:innen wissen, dass ich dem kritisch gegenüber stehe. Denn nur aus Vielfalt entsteht, was Blogs lesenswert und damit bereichernd macht. Das sehen erfreulicherweise auch geschätzte Bloggende so, hier eine Auswahl an sehr guten Texten in diesem Zusammenhang:

  • Thomas Gigold malt ein wunderbares Bild, wie 2026 das Jahr der Blogs und anderen Biotope werden und die Macht der Social Media Networks alter Schule vergehen können. BRING MICH HIN
  • Jan Montag verfestigt den Kunstbegriff in Zusammenhang mit Blogs und bringt ein Vivat auf die Kleinode im Netz, die sich durch eine individuelle Gestaltung und erzählten Geschichten auszeichnen. BRING MICH HIN
  • Maurice Renk fragt, warum noch bloggen. Die Antwort liefert er praktischerweise gleich mit: Lautes Denken ist nämlich effektiv. BRING MICH HIN
  • Literarisch bringt es der unvergleichliche Hulot auf den Punkt, der viele Frösche am Teich ausmacht. Die alle für die biotopische Vielfalt einstehen und das Internet zu einem besseren Ort machen. BRING MICH HIN

Wenn das nun eine Standortbestimmung sein soll, wie sie gerne immer wieder postuliert wird, muss ich sagen: Sie gefällt mir und deswegen ist mir nicht bang um das Blogschutzgebiet. Wir sollten nur alle miteinander drauf achten, dass Konformität genau das ist, was diesem Lebensraum auf Dauer schadet. Wer mag schon jeden Tag das Gleiche lesen und in Designs wiedergegeben sehen?

Heute ist der erste Digital Independence Day, kurz DIDay. Was sich in den letzten Monaten als leichter Wind durch das Internet trug, soll durch die regelmäßige Wiederholung am ersten Sonntag des Monats verstetigt werden. Im Zuge der Initiativenverkündung und des Zeitstrahls bis heute habe ich verschiedentliche Bedenken zur Kenntnis genommen, unter Anderem:

Die Kurzfristigkeit der Verkündung, das Testimonial, den Ort und die Form der Verkündung, den Namen des Ganzen, Kritik an den ersten Rezepten. Dazu kommen jetzt noch Menschen im Fediverse, die den bereitwilligen Wechselnden erstmal lang und sehr belehrend erklären, was sie falsch machen würden, die falsche Instanz z.B. oder dass sie Software A für den Zweck nutzen würden, den Software B erfüllen soll.

Was mich dabei erstaunt: All diese Menschen wollen im Kern das Gleiche: Die Stärkung demokratischer Strukturen durch Nutzung freier Software. Damit das funktioniert, müssen Leute erstmal dort ankommen. Und das funktioniert über niedrigschwellige Angebote. Dabei werden die neu hinzukommenden Nutzer:innen zwangsläufig Fehler begehen, weil sie es nicht besser wissen und oft durch Impulse in die für sie neue Welt stolpern. Die ersten Erfahrungen werden durch Besserwissertum und daraus resultierender Arroganz sofort im Kern negativ und die wichtigen Bemühungen sind zunichte gemacht. Das Schlimme: Negative Erfahrungen tragen sich immer mehrfach weiter.

Unsere Aufgabe als erfahrene Nutzer:innen ist nicht die der Maßregelung und zusätzlichen Verwirrung. Es ist die der offenen Arme, hilfreichen Kommentare und unser Wissen zu teilen. Menschen sind vielfach offener und neugierig auf die terra incognita, wenn ihnen Hilfe zur Selbsthilfe gegeben wird. Dabei sollten wir uns auf das fokussieren, was Menschen für den Start hilft, damit sie Lust aufs Weiterentdecken haben. Das ist nach meinem Verständnis Ziel des Digital Independence Days und darum unterstütze ich diese Initiative.

Lasst uns für ein besseres und gestärkteres Internet einstehen und denen helfen, die das auch möchten.

Ich bin ehrlich, auf den großen Jahresfragebogen habe ich keine Lust. Dafür war das Jahr auch zu sehr von Arbeitsdingen und latenter Sorge um die Existenz geprägt, immer mit so einem “ging ja nochmal gut” garniert. Darauf zurück blicken finde ich müßig. Aber es gibt so ein paar Stichworte, die ich doch nennen mag:

Faslam auf dem Mars, der Abschied von Müppi, die Rückkehr in die Partei und der Blitzeinstieg in Vorstandsarbeit duch Kooptierung, die ausgesprochene und dann zurück genommene Kündigung, das Miniatur Wunderland, Himmelfahrt in Hoopte, die Schwimmausflüge in die Insel, die immer noch andauernde Kochchallenge, wirklich tolle Feedbacks zu Loggbok und dessen drittem Geburtstag, tolle Leute über UberBloger kennengelernt, weiße Haare im Bart bekommen, den Homeserver gemeistert, die RSS News und der Plakatfinder, das Sommerfest und das Grünkohlessen, Maronenschnaps in Pattensen, ein ganzes Jahr Webkram-Pingpong mit Stefan, die schottischen Geschenke zu Weihnachten, der IRC-Channel.

Ein Jahr voller Facetten, Farbtupfer und Sprenkel. Danke, dass ihr Teil davon wart. Ich wünsche euch, dass ihr einen entspannten Übertritt in die Zukunft namens 2026 habt.

30.12.2025

Inzwischen hat sich Einiges in Sachen IRC getan, wir sind alle sehr emsig und finderisch in der Ausgestaltung der persönlichen Setups. Björn hat Halloy entdeckt, Robert dafür Igloo. Jan ist mit dem PowerMac G5 drin und plant, den Amiga in den Chat zu befördern. Paralell werden ZNC-Instanzen erstellt bzw. konfiguriert und an den config.tomls von Halloy geschraubt. Man könnte das als großen Nerdtraum bezeichnen. mthie wird schmunzeln, weil er nie aus dem Kaninchenbau entschwunden ist, in dem wir jetzt versammelt sind.

Zudem sind John, Jürgen, Markus und Massimo auch am Start und so gewinnt das ganze Ding bereits jetzt an Gestalt und vor allem Spaß für alle. Ob auf Lemmy getrunken oder über alte Hardware in Fachsimpelei gesprochen wird - die Bandbreite an Themen ist groß und ein schöner Komplementär zu den Blogs und Fediverse-Posts. Man lernt die Menschen dahinter nochmal anders kennen. Das finde ich sehr wertvoll und zeigt, dass alle wirklich großartige Charaktere sind.

Vielleicht kriege ich meinen ZNC dieses Jahr auch noch lauffähig, ich scheitere gerade noch am selbst signierten Zertifikat von Unraid. Aber das ist ja das kleinste Problem, nein?

Die Serie Thunderbirds aus den Sechzigern ist Vielen bekannt, Jeff Tracy und seine fünf Söhne arbeiten als International Rescue gemeinsam mit Verbündeten wie Lady Penelope an der aktiven Verhinderung bzw. Behebung von Katastrophen, meistens verursacht durch den Superschurken The Hood. Das Besondere: Die Serie wird durch Marionetten als Protagonisten getragen. Diese hatten eine Technik für die Lippensynchronisierung verbaut, die als Supermarionation bekannt wurde.

Der Weg zu dieser damals bahnbrechenden (und reich an Explosionen und anderen Spezialeffekten) Serie war für AP Films und seine leitenden Personen Gerry und Sylvia Anderson hart. Gerry Anderson hegte große Ablehnung gegen Marionetten, als er erstmals einen Auftrag für die Serie The Adventures of Twizzle erhielt. Doch das Geld rettete seine Produktionsfirma und die immer währende Antipathie gegen seine Protagnosten machte Anderson erfinderisch. Über die Jahre kamen mit Four Feathers Fall, Supercar, Fireball XL 5 und Stingray Serien raus, die die technische Innovation Supermarionation verstetigten. Thunderbirds war dann die Essenz mit enormen Einsatz von Spezialeffekten, in jeder Folge gab es mindestens eine massive Explosion. Gleichzeitig war dies der Zenit der Entwicklung.

Es folgten Captain Scarlet und Joe 90, doch der perfektionistische Gerry Anderson hat ein Problem nie gelöst bekommen: Marionetten das richtige Laufen beizubringen. Durch die Weiterentwicklung kam ein weiteres Problem hinzu. Die Technik von Supermarionation wanderte aus dem Kopf der Marionetten in den Oberkörper. Der Kopf nahm dadurch realistische Proportionen an, war aber fast unsteuerbar geworden. All das führte dazu, dass aus AP Films heraus die Entwicklung zu Century21 als neue Entität und die Verlagerung auf Produktionen mit echten Schauspieler:innen geschah. 1972 wurde das Studio aufgelöst, alles an Sets zerstört. Doch der Mythos und der Kult um die Supermarionation-Serien verschwand nie.

2014 gingen Andrew T. Smith und Stephen La Rivère auf Spurensuche, trafen Andersons Sohn Jamie und viele Beteiligte dieser Zeit oder bedienten sich aus Archivmaterial und skizzierten diesen Weg nach. Dabei treten auch viele der Puppen auf, Lady Penelope und ihr Butler Parker verbinden im Dialog die Stränge zwischen den Meilenstienen und als Zuschauer erfährt man, wieso die Andersons keine Hochzeitsnacht hatten (die Arbeit war im kritischen Status) und warum der Geldgeber Lew Grade sich in einen Schrank zurückzog. Zwei Stunden Doku vergehen wie im Flug, weil man viele kleine Geschichten und Hintergründe erfährt. Ich habe mich sehr unterhalten gefühlt.

Die Doku ist bei Netflix verfügbar, IMDb kommt auf 7,5 von 10. Für mich ist es eine 9.

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