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Mal wieder lange nichts passiert hier. Das lag an einem sehr bewegten Monat, in dem ein anstrengender Kommunalwahlkampf endete, ich eine Woche krank war, trotzdem viel arbeitete, mir dann einen Muskel an einer blödestmöglichen Stelle zerrte und dann tagelang flach lag. Zusätzlich die große Erschöpfung der letzten Monate absorbieren und dann der Nervenkrimi über den Ausgang der Wahl. Mit einem schlechten persönlichen Ergebnis für mich, aber dennoch der Wahl in den Stadtrat dank des Listenplatzes.

In knapp vier Wochen bin ich also für fünf Jahre Ratsherr und werde Entscheidungen über die Zunkuft der Kommune politisch debattieren und mitbeschließen. Das zu schreiben und diese Gewissheit in mir zu tragen ist immer noch eine sehr surreale Empfindung. Demut vor der Verantwortung und der Wille, diese Arbeit deswegen so gut wie möglich zu machen durchströmen mich. Und ich trage eine große Vorfreude in mir, endlich loslegen zu können.

Deswegen war der September doch besser, als er sich anfühlte.

30.08.2026

Der leichte Sonntag und eine gefüllte Tüte Brötchen im Gepäck sind wir auf dem Heimweg durchs Dorf, als uns schon ein hohes “Limonade” entgegen gerufen wird. Hinter einem Stand, der dem amerikanischen Klischee entliehen ist, stehen zwei Mädchen. Zum Fahrradkonzert wittern sie die Möglichkeit, ihr Taschengeld aufzubessern. Als wir näher kommen, fragt die Größere der beiden, ob wir denn Limonade kaufen mögen. Bedauernd entgegne ich, dass ich kein Kleingeld in der Tasche hätte. Aber da weiß die findige Geschäftsfrau natürlich Rat, auch per PayPal würde man Zahlungen entgegen nehmen.

Und so scanne ich den QR-Code und zahle digital, die Liebste und ich erhalten je einen kleinen Becher. Gefüllt werden diese mit einem Schuss Sirup und Mineralwasser, dazu sogar mit Eis. Und mit einem kleinen Schmunzler auf den Lippen verabschieden wir uns und setzen den Heimweg fort. An den Pferden vorbei, die Becher in der Hand. Fühlt sich leicht dekadent an, aber irgendwie passt das zu diesem Sonntag. Was für eine kleine nette Begebenheit.

26.08.2026

“… Diese verdammte Reise macht mich noch wahnsinnig. Die Mannschaft ist geschwätzig und der Rum schon seit Wochen leer. Keines der Missionsziele ist bisher in irgendeiner Weise erfüllt worden, der Zahlmeister des Königs wird uns bald die Mittel streichen. Ich hetze gedanklich von Ausweg zu Ausweg, kein Plan erweist sich jedoch als durchführbar. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird es bald eine Meuterei …”

Szenenwechsel

“Auf einer bisher unerforschten Sandbank im Philipps-Atoll fanden Forscher vor drei Wochen eine gut erhaltene Seekiste mit vermutlichen Kapitänsutensilien. Das Logbuch deutet auf den Besitz des Leutnants Thomas R. Godfrey hin, der mit dem Dreimaster HMS Pride und vierzig Mann Besatzung unterwegs gewesen sein muss. Der letzte Eintrag vom 12. Juli 1782 endet abrupt und deutet auf eine Meuterei an Bord hin. Über das Schiff und seinen Verbleib gibt es keine gesicherten Informationen, so dass von einem Totalverlust von Schiff und Mannschaft auszugehen ist. Über die Mission finden sich keine konkreten Angaben, auch die Archive der britischen Marine scheinen keine Hinweise zu geben. Einzig Akten von Buckingham Palace könnten das Rätsel lösen. König und Premierminister schweigen aber beharrlich und damit scheint sich anzudeuten, dass es eine nicht ganz saubere Hintergrundgeschichte geben muss. Wir bleiben an der Sache dran - unser Podcast freut sich übrigens auch, wenn du dran …”

Hätten diese Amateure doch den doppelten Boden geöffnet. Dann hätten sie den wahren Grund der Reise erfahren, Godfrey war auf der Flucht. Der Flucht vor sich selbst.

Er kam nie an. Aber fand ewigen Frieden.

21.08.2026

Tja, irgendwie ruhig hier, nein? Mir fehlt ehrlich gesagt seit einiger Zeit die Muße und vor allem (viel schlimmer) die Begeisterung fürs Bloggen. Das liegt einerseits an den Nebenwirkungen des Wahlkampfs (viel Organisation und noch mehr Zeitbedarf), aber vor allem daran, dass mich der Blick auf andere Angebote dermaßen beelendet und verärgert, dass ich zu dieser Gemeinschaft nichts beitragen möchte.

Die Durchdringung von AI sorgt dafür, dass zig Blogs entweder gleich aussehen, komplette Bebilderung mit den immer gleichen Motiven und auch Fehlern (sowohl Texte auf den Bildern als auch Objekte) verwenden und teilweise stellt man schon nach einem Absatz fest, dass der Beitrag fast ausschließlich den Drahtwindungen einer LLM entstammt. Diese Pest greift immer mehr um sich, ein aufgeklärter rationaler Dialog ist jedoch nicht möglich. Denn sobald man eine Form von Einwand dagegen formuliert, heult das Heer der Technologieoffenen auf und fühlt sich in der Bloggerehre verletzt. Man mache das doch schon so lange und Hilfen könne man doch nutzen, jeder sei doch frei in der Gestaltung und was noch an Argumenten kommt. Ich mag es nicht mehr hören.

Kreativität hat den entscheidenen Wert, dass sie sich aus dem Menschen heraus bildet. Aus seiner Wahrnehmung, aus Erfahrungen und vor allem aus Gefühlen. Das Produkt daraus ist eine Momentaufnahme, ein greifbar gewordener Impuls. Kunst entsteht, weil der Mensch dieser Gefühlslage freien Lauf gewährt. Was seit Monaten in der “Szene” passiert, ist eine maximale Negierung des Kunstbegriffs, indem einfach jeder nur denkbare technische Strohhalm ergriffen und damit eine ungenießbare Pampe serviert wird, bei der denkende Leser:innen entweder würgen müssen, Durchfall bekommen oder beides gleichzeitig erleiden.

Das hindert die heavy users aber nicht daran, sich stolz die Bezeichnung Blogger ans Revers zu heften. Eine Begrifflichkeit, die eigentlich daraus entstand, klugen Menschen in den Anfangstagen des Bloggens nicht die eigentlich richtige Begrifflichkeit Journalist:in und damit die ihnen gebührende Wertschätzung zu verleihen. Inzwischen scheint der einstige Differenzierungsbegriff zur Berufsbezeichnung derer erwachsen zu sein, die eben genau das nicht sind oder sein wollen. Oder lieber auf vermeintliche Reichweiten schielen, verbunden mit der Hoffnung auf die schnelle Währung der eigenen Wahl.

Was daraus entsteht, ist weder interessant noch inspirierend oder von irgendwelchem Wert. Es verschwendet die Zeit der Leser:innen und Ressourcen. Es sorgt nur dafür, dass Menschen wie ich die Lust am Hobby verlieren. Keine Freude mehr daran verspüren, mit echten Inhalten gegen zu halten. Oder mit eigenen Gedanken zum Thema dieser AI-Machwerke zu werden, sei es in Zustimmung mit mehrfachem Durchspülen der schon längst akzeptierten Argumente oder mit fast unmittelbar widerlegbaren Gegenargumenten. Das Kapilarsystem freut sich, so vergeht jedoch der Wesenskern der Gattung Blog und irgendwann trocket auch dieses wertvolle Biotop aus.

Ich habe in den letzten Tagen mehrfach überlegt, ob ich Loggbok in eine neue, nicht-öffentliche Form wandele. Diese Konsequenz mag ich jedoch nicht ziehen, weil mir etwas an dem Austausch mit den Leuten liegt, die ebenso denken wie ich. Mit Sicherheit werde ich aber meinen Konsum anderer Blogs und auch meine Mitwirkung in verbindenden Strukturen überdenken.

TL; DR: Bloggt euch doch ins Knie!

29.07.2026

So langsam dämmert es Menschen, dass das mit AI zumindest in der aktuellen Form eine scheiß Idee ist. Studien belegen, dass Menschen sich eine Arbeitswelt vor AI zurück wünschen. Denn die Korrektur von Slop frisst mehr Zeit als die manuelle Erstellung von Ergebnissen. Ich selber habe auch schon mehrfach die Diskrepanz zwischen Anforderung (“Nutz bitte AI.”) und Erwartung (“Das ist doch mit AI gemacht.”) erlebt. Teilweise sogar dann, wenn ich es selbst gemacht habe und dann beweisen musste, dass AI nicht beteiligt war. Für alle sehr unangenehm und von den wirklich wichtigen Dingen ablenkend.

Im Blog-Kontext kam es heute zwischen Johannes und Martin zu einer Diskussion, die das ganze Dillemma aufzeigt. Wir denken nur noch mit Scheren im Kopf, teilen zwischen gut und böse und knallen uns Vorwürfe an den Latz. Nicht immer geht der Austausch so aus wie zwischen den Beiden, am Ende bleiben doch Verletzungen. Und das ist scheiße. Nur, weil eine vermeintliche Innovation alles an zwischenmenschlichem Vertrauen in Frage stellt. Gleich in welcher Beziehung man zueinander steht.

Wilkommen im Zeitalter des Misstrauens. Der Eintritt kostet nur die Menschlichkeit.

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