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Ach Kinners
So ein Blog ist ja vor allem auch Ort der selbstreflektierenden Dokumentation. Dazu gehören dann auch Dinge wie App Defaults oder /uses oder wie auch immer das Kind genannt wird. Nachdem Robert, Thomas, Markus und ich unseren derzeitigen Stand niedergeschrieben haben, kommen jetzt Beiträge, dass das Publizieren ja unsicher sei. Oder sinngemäß wir Wasser predigen, aber Wein saufen würden.
Ich hatte ja im letzten Jahr beschrieben, dass sich meine Fähigkeiten in den letzten Monaten auf diesem Gebiet verändern, aus meiner Betrachtungsweise zum Positiven. Daraus resultiert, dass Dinge im Umbruch sind. Dass sie jetzt so sind, aber in Zukunft anders sein werden. Weil ich daran arbeite. Aber eine Liste wie die App Defaults dokumentiert das Jetzt. Ich finde es wenig hilfreich, ungelegte Eier zu beschreiben. Dann das ist wirklich unsicher, nicht unbedingt einen Status Quo zu beschreiben.
Genau so trifft das auch auf den Vorwurf der Bigotterie zu. Ich bin seit bald achtzehn Jahren Mac-Nutzer. Daraus entsteht eine gewisse technische Basis, die man nicht von heute auf morgen, sondern nur schrittweise abbauen kann. Das kann man mit einem Umzug des Haushalts vergleichen. Wie viel Mist sammelt sich über die Jahre an? Eben. Manche Menschen können sowas schneller, andere machen es eben in dem Tempo, das zu ihrem Leben passt. Außerdem hält die Flexibilität im Wechsel zwischen verschiedenen Betriebssystemen den Geist beweglich.
Am Meisten erstaunt mich, wenn Kritik von Menschen kommt, die entweder aus der bequemen Position der Anonymität oder in einer rein dem absolutistischen Gedanken entspringenden Form schreiben. In einen sachlichen Diskurs zu kommen ist nicht von Interesse, es muss gleich die maximale Gegenposition besetzt werden. Welche Hintergründe es haben mag, völlig gleich. Sowas nutzt niemanden, es verhärtet nur Fronten oder kappt die Dialogfähigkeit.
Vielleicht gehen wir alle mal in uns und überlegen, ob diese Form des Diskurses die ist, die uns alle zufriedener und glücklicher macht. Und wenn nicht, freue ich mich über einen konstruktiven Austausch per Mail. Also wenn euch das nicht zu unsicher ist. 😉
Weil ich es beim Pfotenhauer sah: Ein neues Jahr ist immer auch die Gelegenheit, die App Defaults zu prüfen. Habe ich getan und in /uses aktualisiert. Erfreulicherweise ist der Anteil an selbst gehosteten Lösungen stark gestiegen. Auf der Sollseite steht die noch nicht final definierte Lösung für Cloudservices. Die Experimente mit Nextcloud waren in 2025 leider nicht zufriedenstellend und ich ringe noch mit der idealen Struktur aus “möglichst nur zu Hause liegend” und “aber flexibel erreichbar”. Klar habe ich VPN-Zugriff, aber so richtig schmeckt mir der Workflow noch nicht.
2026 soll ja nicht langweilig werden, nein?
Gerade habe ich begriffen, dass ich den RSS-Feed hier bisherig stiefmütterlich behandelt habe. Daraus resultiert, dass der teilweise unschön statt Titeln nur URLs wiedergibt und gar kein Bild mitlieferte. Daran wird nun gearbeitet. Ich bitte, damit verbundene Ruckeleien gütigst nach zu sehen.
UPDATE: Nach einer gefühlt endlosen Prügelei mit CDATA ist der Feed jetzt in der Form, dass er auf die Menschheit losgelassen werden kann. Wohl bekomm’s.
Blogs befinden sich hier
Die Blogszene neigt ja gern dazu, Definitionen formulieren zu wollen. Geneigte Leser:innen wissen, dass ich dem kritisch gegenüber stehe. Denn nur aus Vielfalt entsteht, was Blogs lesenswert und damit bereichernd macht. Das sehen erfreulicherweise auch geschätzte Bloggende so, hier eine Auswahl an sehr guten Texten in diesem Zusammenhang:
- Thomas Gigold malt ein wunderbares Bild, wie 2026 das Jahr der Blogs und anderen Biotope werden und die Macht der Social Media Networks alter Schule vergehen können. BRING MICH HIN
- Jan Montag verfestigt den Kunstbegriff in Zusammenhang mit Blogs und bringt ein Vivat auf die Kleinode im Netz, die sich durch eine individuelle Gestaltung und erzählten Geschichten auszeichnen. BRING MICH HIN
- Maurice Renk fragt, warum noch bloggen. Die Antwort liefert er praktischerweise gleich mit: Lautes Denken ist nämlich effektiv. BRING MICH HIN
- Literarisch bringt es der unvergleichliche Hulot auf den Punkt, der viele Frösche am Teich ausmacht. Die alle für die biotopische Vielfalt einstehen und das Internet zu einem besseren Ort machen. BRING MICH HIN
Wenn das nun eine Standortbestimmung sein soll, wie sie gerne immer wieder postuliert wird, muss ich sagen: Sie gefällt mir und deswegen ist mir nicht bang um das Blogschutzgebiet. Wir sollten nur alle miteinander drauf achten, dass Konformität genau das ist, was diesem Lebensraum auf Dauer schadet. Wer mag schon jeden Tag das Gleiche lesen und in Designs wiedergegeben sehen?
Besserwisserei als Risiko
Heute ist der erste Digital Independence Day, kurz DIDay. Was sich in den letzten Monaten als leichter Wind durch das Internet trug, soll durch die regelmäßige Wiederholung am ersten Sonntag des Monats verstetigt werden. Im Zuge der Initiativenverkündung und des Zeitstrahls bis heute habe ich verschiedentliche Bedenken zur Kenntnis genommen, unter Anderem:
Die Kurzfristigkeit der Verkündung, das Testimonial, den Ort und die Form der Verkündung, den Namen des Ganzen, Kritik an den ersten Rezepten. Dazu kommen jetzt noch Menschen im Fediverse, die den bereitwilligen Wechselnden erstmal lang und sehr belehrend erklären, was sie falsch machen würden, die falsche Instanz z.B. oder dass sie Software A für den Zweck nutzen würden, den Software B erfüllen soll.
Was mich dabei erstaunt: All diese Menschen wollen im Kern das Gleiche: Die Stärkung demokratischer Strukturen durch Nutzung freier Software. Damit das funktioniert, müssen Leute erstmal dort ankommen. Und das funktioniert über niedrigschwellige Angebote. Dabei werden die neu hinzukommenden Nutzer:innen zwangsläufig Fehler begehen, weil sie es nicht besser wissen und oft durch Impulse in die für sie neue Welt stolpern. Die ersten Erfahrungen werden durch Besserwissertum und daraus resultierender Arroganz sofort im Kern negativ und die wichtigen Bemühungen sind zunichte gemacht. Das Schlimme: Negative Erfahrungen tragen sich immer mehrfach weiter.
Unsere Aufgabe als erfahrene Nutzer:innen ist nicht die der Maßregelung und zusätzlichen Verwirrung. Es ist die der offenen Arme, hilfreichen Kommentare und unser Wissen zu teilen. Menschen sind vielfach offener und neugierig auf die terra incognita, wenn ihnen Hilfe zur Selbsthilfe gegeben wird. Dabei sollten wir uns auf das fokussieren, was Menschen für den Start hilft, damit sie Lust aufs Weiterentdecken haben. Das ist nach meinem Verständnis Ziel des Digital Independence Days und darum unterstütze ich diese Initiative.
Lasst uns für ein besseres und gestärkteres Internet einstehen und denen helfen, die das auch möchten.