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Auf die harte Tour

Heute Mittag war auf einmal Zapfenstreich. Mein VPS machte keinen Mucks mehr. Laut Webinterface des Hosters war er betriebsbereit und auch über VNC erreichbar. Aber der Login funktionierte nicht mehr, genau so wenig war er per Ping erreichbar. Der Neustart dauerte ewig und auch die Neuinstallation verdächtig lang. Das Ergebnis blieb aber gleich: Es ging nichts mehr.

Also habe ich einen länger im Kopf schwelenden Plan umgesetzt, den bisherigen VPS gekündigt und bei Hetzner zugeschlagen. Aber wie nun aufsetzen? Auf Cloudron hatte ich keine Lust mehr, also beschloss ich spontan: Ich lerne Docker. Neunzig Minuten nach Bereitstellung war der Server konfiguriert, abgesichert und The Lounge betriebsbereit. Und mir hat sich nebenbei eine neue digitale Welt erschlossen. Nämlich die des Selberwerkelns mit Docker, fernab von vorgefertigter und sich immer kratzig anfühlender UI mit Beschränkungen.

Vor einiger Zeit noch wäre mir das zu heikel gewesen, jetzt habe ich ein paar Dokus gelesen und gemacht. Gleichzeitig konnte ich wieder hilfreiche Hinweise aus dem IRC mitnehmen, die mir die Config-Datei für The Lounge verbesserten. Aber ich bin auch froh, dass das jetzt nur der Bastelserver war, den ich sehr einfach from scratch neu bauen konnte. Auf die harte Tour lernen macht so mehr Spaß.


Was nimmt man da?

Dann sollte ich Google jetzt auch nicht mehr verwenden, richtig? Was nimmt man da?

Die Liebste und ich sprechen in den letzten Tagen immer wieder über die Weltlage und somit auch über damit verbundene Fragen der Haltung in Konsum- und Nutzungsverhalten. Dabei rückt mein Homeserver auch in den Fokus. Denn dort liegen ja bereits einige Lösungen wie zum Beispiel SearXNG. Meine Antwort “Ja, ich hoste da etwas.” führt nicht mehr zu einer ironischen Reaktion. Sondern zu Interesse und tatsächlich praktischer Anwendung.

Und während sich die Liebste SearXNG als Applet auf dem Home-Bildschirm einrichtete, verstand ich: Überzeugung von alternativen Lösungen passiert nicht durch Druck. Sondern dadurch, in richtigen Momenten die Alternative bereit zu halten und als Möglichkeit aufzuzeigen. Ist jetzt alles besser? Nein. Wird der weitere Wechsel genau so einfach sein? Auch nicht. Aber der Beleg ist angetreten, dass eine solche Veränderung machbar ist.


An Hugo liebe ich, dass man mit einem Partial Dinge bauen kann, für die andere Blog-Systeme Plugins bräuchten. Somit findet sich in der Einzelansicht nun ein Abschnitt für Beiträge, die am gleichen Tag (aber in früheren Jahren) erschienen. Die kleine Zeitreise macht nach fast dreieinhalb Jahren Loggbok nun endlich Sinn und dient nicht zuletzt mir als Rückspiegel. Wieder ein kleines Stück besser geworden und das ohne Druck. Schön.

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Die Welt in der wir leben

Mein Vater wurde 1934 geboren und wuchs während des zweite Weltkriegs auf. Auf seiner Insel bekam er keine unmittelbaren Gewalthandlungen mit. Jedoch als Kind übers Radio zu hören wie die Welt in Flammen steht, musste Einfluss auf ihn gehabt haben. Dann begann das, was wir in der Geschichtsschreibung als kalten Krieg kennen, die Aufteilung von Interessengebieten zwischen Großmächten. Mit dem Zusammenbruch des sowjetischen Blocks 1989-1991 hatten wir die Hoffnung verknüpft, dass wir nie wieder in solch eine Situation gelangen und Freiheit in Frieden unser aller Bestreben sein wird.

Nun scheint sich wieder eine Hemisphärenaufteilung zu ergeben und wir schauen alle fassungslos zu, wie Menschen mit einer sehr eigennützigen Agenda ihre Vorstellungen umsetzen bzw. bekunden. Waren wir zu naiv? Haben wir zu sehr auf Diplomatie und die Macht der Einsicht gehofft? War die Wende eine Illusion? Ich würde all diese Fragen aus meinen Überlegungen heraus mit einem Nein beantworten. Aber für gemeinsame Friedensordnung braucht es ein Zielbild und Konsequenz.

Churchill hatte dies nach dem Krieg mit den Vereinigten Staaten von Europa vorgedacht. Für diese Vision gab es aber nicht den nötigen Rückhalt, stattdessen gibt es eine Europäische Union. Mit der viele Menschen unglücklich sind, weil sie die EU als rein regulatorische und damit intransparente Institution begreifen. Dabei ist ein geeintes Europa der Schlüssel zur Souveränität, der uns vor den Interessen Einzelner stark macht. Stattdessen sind wir auf das Wohlwollen von diesen Menschen angewiesen. Weil wir diese Souveränität nicht mit voller Konsequenz wollten.

Einen nicht unerheblichen Teil seines Lebens verbrachte mein Vater im Dienst des britischen Militärs. Er sah die Welt, aber auch den Horror in Nordirland Anfang der 70er. Über diese Erlebnisse sprach er nicht, aber die Andeutung löste in mir das Gefühl aus, dass niemand solche Dinge erleben darf. Dass wir es besser machen müssen. Seine Welt war eine, die im Chaos begann und langsam friedlicher wurde. Wir scheinen gerade Zeuge einer gegenteiligen Entwicklung zu werden. In einer Welt geboren, in der alles möglich war und Verständigung (fast) allerorten herrschte. Die nun Stück für Stück in Erosion begriffen ist.

Ich möchte nicht eines Tages im dem Bewusstsein von der Welt gehen, sie so zu verlassen, wie mein Vater sie vorgefunden hat.


In 1440 Minuten um die Welt →

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