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Wer sich länger im Internet als User:in aufhält, wird früher oder später damit konfrontiert - eingestellte Dienste. Manche bekommt man gar nicht mit, um Andere ist es schade. Und dann gibt es die, mit denen irgendwie alles anfing. Zu denen zählt ICQ.
Einst in Israel gegründet (das ist einfach mal 30 Jahre her), war ICQ der Instant Messaging-Dienst, den alle nutzten. Noch vor AIM, MSN und Co. Alles war auf Funktion ausgelegt, damit auch User:innen mit 56K-Modem flott Textnachrichten austauschen konnten. Später kamen Telefonie-Optionen, Spiele und anderer Tüdelkram dazu, den kein Mensch effektiv brauchte. In der Zeit wurde AOL Eigner, allerdings nie so richtig glücklich mit dem Invest und verkaufte nach einiger Zeit an die russische Mail.ru Gruppe weiter.
Spätestens seit dem Zeitpunkt war ICQ in Europa so wirklich durch und niemand nutzte den Dienst ernsthaft noch. Ich war ICQ schon längst entwachsen und seitdem habe ich nicht mehr reingeschaut. Nun wurde verkündet, dass kommenden Monat der “Laden dicht gemacht” wird. Die mit Sicherheit stark gesunkene Zahl aktiver Nutzer:innen wird es sicher verschmerzen. Den Inaktiven wie mir ist es egal, nur eine Randnotiz im Rauschen des Äthers. Aber an meine Nummer kann ich mich wie vermutlich fast alle anderen Nutzer:innen immer noch erinnnern. An alte gute Zeiten eben, in denen das Internet den Hauch von Abenteuer und Verheißung mit sich trug.
Und wir waren dabei.
Primäre Zuständigkeit
In unserer Region gibt es ein Verlässlichkeitsproblem im öffentlichen Nahverkehr auf der Schiene. Das derzeitig tätige Verkehrsunternehmen ist nicht mehr in der Lage, den Auftrag in Gänze zu erfüllen und hat mit der beauftragenden Landesnahverkehrsgesellschaft vereinbart, den Vertrag vorzeitig zu beenden. Statt Ende 2033 endet der Vertrag nun Mitte 2026, das sind aber immer noch zwei Jahre. Und es zeichnet sich ab, dass die Situation sich nicht verbessern wird.
Der Landkreis hat bei der Unternehmensgründung Minoritätsanteile gehalten und nach einiger Zeit für einen soliden Preis an den Mehrheitseigner (ein privates Eisenbahnverkehrsunternehmen) veräußert. Im Gegensatz zu den anderen Landkreisen in der Region hat man (offenkundig auch gesellschaftsrechtlich) die Chance verpasst, Mitgestaltung im Unternehmen zu sichern. Nun kann man zurecht argumentieren, dass der Staat oder andere verwaltungsrechtliche Instanzen keine guten Unternehmer sind, für Aufgaben mit besonderem öffentlichen Interesse (dazu gehört Infrastruktur nun mal) kann das jedoch zum Bumerang werden. Genau diesen Bumerang bekommen tausende Pendler:innen nun tagtäglich an den Kopf.
Mein Weg zur Arbeit beinhaltet eine Fahrt mit besagtem Unternehmen von 24 Minuten pro Strecke. In der Regel verlängert sich die Fahrzeit mittlerweile mindestens um den Faktor 1,5, durch ständig ausfallende Züge (mangelndes Personal, technische Fehler) und Verspätungen anderer Fahrten sind die Züge stets übervoll und die Technik im Zug (Toiletten und Klimaanlage) ist damit stets an der absoluten Belastungsgrenze. Von den Mängeln an der Infrastruktur spreche ich gar nicht, da das ausführende Unternehmen nicht zum roten Riesen gehört, sondern auch nur Trassen mietet und damit arbeiten muss, was die DB an Dingen anbietet.
Landesregierung und Nahverkehrsgesellschaft üben sich in kritischen Ansagen, das Unternehmen versucht mit einer leicht humorvollen Marketingkampagne gegen zu steuern und der Landrat formuliert es auf Frage eines Bürgers in der Kreisratssitzung so (indirektes Zitat aus der Lokalzeitung): “Die Kreisverwaltung habe das Problem, dass sie primär nicht zuständig sei”. Das ist formal richtig, hilft aber den betroffenen Personen, die sich je nach Reisezweck auch täglich mit den Problemen herum schlagen müssen, wenig bis gar nicht. Im Gegenteil schürt das eher Ärger auf die Mühlen der Bürokratie, die solche Probleme nicht lösen kann.
Guter ÖPNV, der den Menschen dient, kostet Geld - und das nicht wenig. Wir sind als Gesellschaft scheinbar nicht willens, dafür zu zahlen. Oder nur das, was das absolute Minimum ist. So bestellt die Landesnahverkehrsgesellschaft halt bei dem Anbieter, der den günstigsten Preis offeriert. Das ist für alle schlecht: Für das Unternehmen, dass sich im Wettbewerb ruiniert. Für die LNVG, die sehendes Auges schlechten Service bestellt. Für die öffentliche Hand, die den Spielraum nicht hat und sich zum Gespött des Volkes macht. Und für die Menschen, die Tag für Tag als Passagiere auf öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind.
Die Frage ist: Lernen wir daraus? Oder spielen wir das immer so weiter, weil es immer einen Sündenbock geben muss?
Hoffen auf Godot
Nach verheißungsvollem Beginn ist mein Blogging-Streak ziemlich abrupt abgerissen. Die Arbeitsthemen haben doch schnell die guten Vorsätze überlagert. Aber es ist nie zu spät, sich wieder reinzubeißen. Inzwischen ist der Februar auch schon so gut wie durch. Der Mensch wiegt bedeutungsschwer den Kopf und fragt sich, wie das denn schon wieder angehen könne. So reich wie das öffentliche Jahr schon wieder an Themen war, ist das Gefühl der Hirnschmelze gar nicht so abwegig.
Ist es für dieses Jahr schon zu spät für Hoffnung? Darf man überhaupt noch hoffen oder ist es eh gleich? Solche Fragen beschäftigen mich immer, wenn ich verschämt in die Nachrichtenlage wie in ein schwarzes Loch blicke und mir dabei leise die Frage vorlege, was denn diesen Planeten überhaupt noch vorm Auseinanderbröseln bewahrt. Hoffnung ist ein kunstvoll fabrizierter Wandteppich, den man sich vor die hässlichste Stelle der Realität hängt und dann langsam dabei zuschaut, wie der Teppich erst klamm, dann feucht und am Ende ein Herd des Schimmels wird. Weil das wenig überrascht, hat man aber gleich einen Ersatz griffbereit und so wiederholt sich das Ritual. Die Wand könnte man zwar sanieren, aber dafür muss der Nachbar mitspielen. Da beginnt oft für Viele das Dilemma.
Es gibt immer wieder Phasen, in der ich der Hoffnung erliege, mich an ihr labe. Ebenso die Momente, in der ich ihr entsage und mich im Zynismus über das Weltgeschenen ergehe. Ist es angebracht, dass ich Partikel im Universum alles verdamme? Ist es nicht eher richtig, dass ich meine Rolle akzeptiere und darauf hoffe, dass alles seine Form erhält, die Dinge in Ordnung kommen? Was ist mein Beitrag für eine bessere Welt und wie bringe ich den in Einklang mit meinen Verpflichtungen? Die Antworten sind nicht eindeutig, es gibt viele Optionen. Es bedaf aber auch Energie und den Willen, diese aufzubringen und sinnvoll zwischen den Prioritäten der Existenz zu verteilen. Hoffnung ist ein wirksames Substrat. Wenn man sie nicht in Godot investiert.
Fast forward
Schon ist wieder Donnerstag Abend. Über die Weltlage möchte man gar nicht nachdenken, dabei ist das sehr akut und beängstigend. Diese Gedanken müssen dringlich strukturiert werden.
Samstag lädt die Schwiegermutter zum Essen ins indische Restaurant. Gestern taten wir den ersten Blick in die Speisekarte, erstaunt waren wir über die Vielzahl von Gerichten mit Rosinen als Zutat. Uns war unklar, dass diese Frucht in der indischen Kulinarik eine derartige Rolle spielt. Jedenfalls werden wir vorbereitet sein, wenn es um die Speisenauswahl geht.
Wenn's beim Spam zweimal nicht klingelt
Der Tag begann sehr unterhaltsam mit einer Spam-iMessage, die von einem angekommenen DHL-Paket sprach und mich zum obligatorischen Linkklick aufforderte. Was der Mensch dahinter nicht beachtete, war die Klarmitteilung seiner Mailadresse. Phisher ist halt doch kein Lehrberuf.
Ansonsten ging es in verschiedenen Arbeitsterminen um wichtige Dinge, manchmal überrascht mich das Verve der Leute, mit der sie ihren persönlichen Einsatz verteidigen und nicht merken, dass es um die Sachthemen und nicht um ihre Motivation geht. Sich selber in dem Moment zurück nehmen, zuhören und Leute bestärken, die wesentlichen Dinge zu sehen, ist nicht immer einfach. Am Ende geht es aber immer darum, dass Sachen erledigt werden. Und da sind 80% eben mehr als 40%.
Insgesamt ist die Woche bisher aber noch entspannt, ich kann mich gut priorisieren und die Dinge zeitgerecht regeln. Ein Projekt mehr würde ich aber schon noch vertragen. Das regelt sich sicher aber bald.