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#TWTWTW KW 35/25
Der Versuch einer Reflektion der Kalenderwoche 35/2025
Diese Woche ist der Kunst und Kultur gewidmet gewesen, besonders der Freitag. Durch den Beitrag von Daniel wurde ich daran erinnert, dass die Mitgliedschaft in einer Stadtbücherei a) unverschämt günstig und b) mit den Segnungen einer Online-Ausleihe versehen ist. Im Falle unserer Stadt ist die Anmeldung sogar online möglich, laut Formular dauert der Vorgang bis zu fünf Werktage. Also schloss ich um 11:27 das Formular ab und verbuchte Folgeschritte auf kommende Woche. Um 15:08 erreichte mich aber eine Mail, dass der Vorgang bearbeitet sei und ich im Dienstleistungsportal weitere Informationen erhalte. Tatsächlich war schon alles erledigt und gleichzeitig erhielt ich den Zugang zur sogenannten Onleihe. Ich war begeistert, suchte mir dann London: Die Biographie von Peter Ackroyd aus und habe direkt 120 Seiten gelesen.
Das alles für 18 Euro pro Jahr. Das sind monatlich 1,50 - wie gut ist das bitte? Nachdem ich durch die Literatur beseelt war, schaute ich am selben Abend noch in der arte-Mediathek Schostakowitsch - Symphonie in Rot und Erik Satie, ein Komponist außerhalb der Zeit. Beide Dokumentationen führen durch das Leben der Protagonisten, in ihren Widersprüchen, Kämpfen und ihrem Schaffen. So unterschiedlich die Biografien auch gewesen sind, so gleich sind sie auch im Ringen mit den äußeren Faktoren. Schostakowitsch, der mit einem ihn bedrohenden System umgehen musste. Satie als Einzelgänger, den der Alkohol zugrunde richtete. Auf jeden Fall beides sehr sehenswert.
Eine Diskussion über Plakatstandorte in der Partei nervte mich so hart, dass ich eine Lösung schaffen wollte. So ersann ich einen Plakatfinder, der Plakatstandorte speichert, das Abhängedatum kennt und daraus eine Historie abbildet. Alles gespeichert in einem simplen Backend, eine schnöde Liste. In der Betatestung gab es hilfreiche Hinweise, die ich gleich verarbeiten konnte. So fühlt es sich also an, Feedback auf etwas Programmiertes zu bekommen. Der Betatest läuft noch und ich hoffe, dass damit Diskussionen und operative Umsetzungen deutlich effektiver werden.
Gekocht wird nachher auch, es gibt eine vegane Bolognese. Das Hack ist bereits fertig gekauft, auf Erbsenbasis. Bei der Rezeptsuche habe ich gelernt, dass Bolognese ohne Sellerie unddenkbar sei. Mein Bedarf an Sellerie ist sehr gering - ich möchte das Rezept aber unbedingt wie gedacht befolgen. Und so wartet eine Knolle auf ihren Einsatz. Bei all dem neu entdeckten Eifer frage ich mich, ob ich jetzt in die Lebensphase des Genusses eingetreten bin. Zeit als Währung für eine erquickliche Erfahrung. Sei es kulinarisch oder kulturell, technisch wie auch analog. Mir behagt der Gedanke, Dinge bewusst zu erleben und zu gestalten. Die Zeitspanne, die wir Leben nennen, mit kleinen Werten zu füllen - ich bin sehr dankbar für diese Entwicklung frei von Zwängen, begründet in einer natürlichen Veränderung.
Kommt gut in die neue Woche!
Am 26.08.2022 begann die Reise von Loggbok, auf Basis von Jekyll und gehostet bei GitHub. Seitdem ist viel passiert. Mit diesem Blog, aber auch bei mir. Und dank Loggbok kann ich anders reflektieren als früher. Jeder Post ist eine kleine Wegmarke der letzten fast 1.100 Tage, Auseinandersetzung mit mir und meinen Erlebnissen. Loggbok ist Teil von mir, mein Hafen in der digitalen Welt. Hier bin ich Kapitän, Maschinist, Matrose und manchmal auch Deckjunge. Und vielleicht erfüllt sich nach diesem Reifeprozess der Name des Blogs - denn ich begreife immer mehr die Freiheit, die sich mir bietet.
Vielen Dank an euch, die ihr hier vorbeischaut und lest, mir bedeutet jeder Kommentar per Mail und jede Reaktion im Fediverse viel.
Egilsay
Der Wind peitscht schwer über die Nordsee, die Luft schmeckt nach Salz. Ich stehe allein am Fährhafen, bei diesem Wetter will niemand raus und schon gar nicht auf diese gottverlassene Insel. Wer im Haus bleiben kann, wärmt sich lieber die Knochen. Aber ich habe eine Mission. Antworten auf Fragen suchen, die mir niemand beantworten kann. Die auch ich als ewige Rätsel in meinem Leben akzeptieren muss. Wo gehöre ich wirklich hin?
Die Fähre legt an, es ist eine wirklich lächerliche Nussschale in der wilden See und ich begreife sofort, dass die Überfahrt kein Spaziergang sein wird. Das Boarding geht schnell und relativ wortlos, wir legen sofort ab. In meinem Kopf spielen tausend Fragen verrückt und gleichzeitig denke ich nichts. Die Dualität der Konfusion. Wir schwanken durch die Böen. Was zum Teufel mache ich hier, 4.000 Kilometer von dem Ort, den ich Zuhause nenne? Werde ich das finden, was ich suche?
Nach einer gefühlten Ewigkeit legen wir an, der Hafen liegt im Westen. Ich habe nur wenige Stunden Zeit, auf der Insel kann man nicht übernachten. Ich winke dem Fährpersonal stumm und marschiere gleich los. Wochenlang habe ich die Karte studiert, wozu eigentlich? Hier leben um die zwanzig Menschen. Es gibt eine Straße nach Norden, eine nach Süden und einen Weg nach Osten. Gefühlt kann ich die ganze Insel bis zur Rückfahrt umrunden. Zielstrebig laufe ich los, ohne wirkliches Ziel. Bin ich hier überhaupt richtig?
An der Ruine von St Magnus vorbei, ein Auto fährt im Schritttempo an mir vorbei. Touristen sieht man hier nur sehr selten. Vereinzelte Häuser, viele Felder, ein paar Nutztiere und jede Menge Vögel. Fernab von jeglichem Klischee über Schottland. Das ist hier das pure raue Leben, für diesen Zustand musst du geboren sein. Wo mag er damals gelebt haben, wo wird mein Vater als Kind mit Altersgenossen gespielt haben? Irrwitzige Fragen, ich kann nur mutmaßen. Was suche ich eigentlich?
In der alten Schule gibt es gegen Spende Tee und die Möglichkeit, sich über Vergangenes zu informieren. Ich blättere hektisch, suche nach Indizien. Dabei finde ich nur Vages, der Tee ist eher miserabel. Ich habe natürlich nichts gefunden, aber auch nichts gesucht. Aber ich war da. Da, wo meine Wurzeln liegen. Es wird Zeit zu gehen, die Fähre wartet. Dann verläuft der Film. Wird es wirklich so sein, wenn ich jemals dorthin fahre? Werde ich das Gefühl haben, dort wirklich angekommen zu sein? Und was ist, wenn nein?
Ich wache auf.
#TWTWTW KW 34/25
Der Versuch einer Reflektion der Kalenderwoche 34/2025
Nachdem die letzten #TWTWTW-Ausgaben alle etwas jammerig klangen, versuche ich mal bewusst die positiven Aspekte der Woche zu listen und alles Störende auszublenden:
- Die Garage ist nun weitgehend sperrmüllfrei. Wir haben sehr viel Kram loswerden können und können nun Kisten sichten, die seit dem Einzug dort stehen. Vermutlich wird auch davon eine Menge der Entsorgung anheim fallen können.
- Auf meinen Beitrag zu den Skill-Upgrades gab es viel positives Feedback. Anscheinend verspüren tatsächlich viele Andere diese Gedanken, das verbindet.
- Donnerstag war Stammtisch der Partei, wir waren 17 Leute (das ist Rekord). Durch Bewerbung vorher konnten wir Interesse erzeugen, es gab eine Reihe sehr interessanter Themen und alle gingen zufrieden heim.
- Gestern kam das ersehnte Paket von Astra mit dem Bier Currydurst. Schon sehr rauchig, eine Kiste davon hätte ich nicht gebraucht. Eine Flasche kriegt wie besprochen Jan. Jetzt habe ich auch wieder einen soliden Willibecher, einen Flaschenöffner für die Homeoffice-Ecke und Bierdeckel. Hat sich also gelohnt und das Bier ist schon lecker.
Und nun zu einer eigentümlichen, aber auch gleichzeitig sehr typischen Geschichte für mich: Für den heutigen Kocheinsatz habe ich ein Rezept rausgesucht, welches eine Menge Steak (400 Gramm) vorsah. Ich bestellte alles über Abholservice von REWE, im Onlineshop stand etwas von 200 Gramm als Menge beim Steak. Also orderte ich zwei. Beim Bezahlen hatte ich mich ein bisschen über den Preis gewundert, ich hatte aber noch Sachen nachgeordert und hatte es damit in Verbindung gebracht. Beim Einpacken fiel es mir aber auf, das Steak war deutlich mehr und teurer als gedacht. Ich musste wohl etwas falsch gelesen haben und stand nun da mit 1,7 kg Tomahawk-Steak.
Anstatt panisch zu werden verstand ich das eher als Challenge. Die Liebste lachte sich natürlich richtig kaputt und ich rief meinen Kumpel Lars an, der mir wie erhofft gute Tipps gab, wie ich die übrige Menge gewinnbringend zubereiten könne. So gab es dieses Wochenende zweimal Steak - einmal in seiner puren Form mit einer Salz-Pfeffer-Kruste, garniert mit frischem Knoblauch und heute als Zutat in einer Asian Fusion-Rezeptur. Die Liebste sagte mir gestern beim Glas Wein in der Küche noch, wie überrascht sie davon war, dass ich das einfach gemacht habe und nicht zurückgescheut bin. Gerade, weil ich das Kochen momentan erst für mich entdecke. Aber was hätte ich tun sollen, das Fleisch war nun mal da.
Insgesamt ging also alles gut aus und ich weiß jetzt, wie man ein Steak zubereitet. Vielleicht wird aus mir doch noch ein passabler Koch.
Wisst ihr noch, damals(TM) und so? Ja genau, da war was. Christian sieht das auch so und hat einen sehr lesenswerten Essay über das Internet, welches er vermisst, hingelegt. Seine Bestandsaufnahme deckt sich sehr mit meiner Wahrnehmung. Schön, dass er sich für Möglichkeit drei seines Fazits entschieden und damit nun auch ein Blog am Start hat.