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#TWTWTW KW 31/25

Der Versuch einer Reflektion der Kalenderwoche 31/2025

Huch, wieder eine Woche vorbei und dann ist auch noch #TWTWTW verspätet? Das ist ja eine Frechheit, hat aber Gründe.

Beruflich war es eine wilde Woche. Viele Themen, leider ein großes und sehr nerviges. Zum Ende hin wurde alles wieder einigermaßen gut. Aber noch so eine Abfolge von extremen Arbeitstagen (Donnerstag und Freitag der Vorwoche) brauche ich so schnell nicht wieder. Am Ende habe ich viel kalte Suppe ausgelöffelt. So kann man es zusammen fassen und tiefer ins Detail möchte ich gar nicht gehen.

Anfang bis Mitte der Woche hatte ich zwischendurch aber Muße, zu bloggen. Und habe damit im Kleinen ein Thema gesetzt: RSS oder doch lieber die Seiten ansurfen. Dass einige Blogger-Kollegen ihre Sicht der Dinge schilderten, hat mich sehr gefreut und lehrreich war es dazu. Dann meldete sich auch noch Frank und hat mir sehr charmant meinen Fehler in der robots.txt aufgezeigt - davon berichtete ich ja. In der Konversation gab es zwei, drei Sätze, die sich bei mir eingebrannt haben und sicher Teil des Jahresrückblicks sein werden. Es ist ein Ritterschlag, wenn meine kleine Versuchsanordnung ohne großes Ziel anerkannt wird. Gar nicht so aus einer egoistischen Perspektive, sondern die Dankbarkeit über echtes, wertschätzendes Feedback. Meine Anregung an euch: Gebt jemanden aus eurem Umfeld ein solches Feedback - auch als Übung für euch. Am Ende geht ihr beide reicher aus dieser Unterhaltung.

Eine andere mir wichtige Sache: Vor ein paar Wochen hatte ich in meiner Not wegen der Philetta in der Küche und des einfach nicht erwerbbaren NF-Tonsteckers bei der Firma Neufeldt & Kuhnke um Rat gebeten - Jörg und Team sind mir im Fediverse aufgefallen und Profis im Erhalt von alten Schätzen. Was ich im Folgenden erleben durfte, war eines der fantastischsten Kundenführungserlebnisse jemals. Innerhalb einer kurzen Zeitspanne beobachtete ich das Entstehen eines Prototyps, die Höhen und gelegentlichen Herausforderungen einer Entwicklung und letzte Woche dann die Nachricht, dass der Stecker fertig sei und wir den Vorserien-Prototypen erhalten werden. Anfrage, Bestellung und Abwicklung über das Fediverse, nur die Rechnung und die Zahlung liefen woanders. Vergesst Instagram Shopping und den ganzen anderen Dreck - das ist das wahre Einkaufserlebnis. Und ich fühlte mich zeitweise, als wäre ich dabei gewesen. Und all das ein Erbe des vielgepriesenen German Engineerings. Neufeldt & Kuhnke gehen sehr bewusst Wege abseits des Mainstreams und brauchen daher diese Unterstützung, die wir als shop local kennen. Daher meine dringende Bitte: Schaut auf der Seite vorbei, folgt dem Mastodon-Kanal und checkt, ob ihr nicht im Keller eine Gerätschaft oder eine andere Absonderlichkeit der Vergangenheit hortet. N&K können das.

Warum erst heute der Rückblick? Der Kater war am Wochenende wieder von einer Verstopfung geplagt und unser Sonntag und besonders die Nacht zum Montag davon geprägt. Inzwischen waren wir aber beim Tierarzt und der Patient lässt sich gerade die Sonne auf den Pelz scheinen. Soweit also alles gut - die Liebste und ich könnten aber drei Tage durchschlafen.

Der Vorsatz für die neue Woche: Piano ist auch ein Tempo.


Handreichungen zu RSS

Mit meinem Beitrag am Montag habe ich offensichtlich einen Nerv getroffen, das zeigen die Rückmeldungen in Form von Mails, Posts im Fediverse und auch Erwähnungen in anderen Blogs. Dafür möchte ich mich bedanken - in einen konstruktiven Austausch zu geraten war meine Hoffnung. Dass diese sich erfüllt, freut mich sehr.

Was ich interessant finde, ist die anscheinende Mehrdeutigkeit des Posts. Während Daniel und Frank das von mir beschriebene “Landstreichertum” auch empfinden, haben Jan, John und Björn aus meinem Text ein Plädoyer für die Nutzung von RSS abgeleitet. Meine eigentliche Intention war es, Erstgenanntes als Modus operandi darzustellen und für den Besuch von Blogs zu werben. Die Darstellung als Einstehen für RSS empfinde ich jedoch nicht als fehlgeleitet, sondern als anders interpretiert. Weil genau so wichtig.

In einer Situation, in der das Internet zum Oligopol zu verkommen droht, brauchen wir den Pluralismus als feste Wehr. Inhalte, fern von regulierter Durchlauferhitzer-Qualität. Auf souveränen Plattformen, einzig der dezentralen Kommunikation verpflichtet. RSS ist dafür ein mehr als probates Mittel, den Überblick zu wahren. Genau so wie sich durch Impulse treiben zu lassen. Oder auf Rivva die neuesten Trends abzuleiten. Wichtig ist das Handeln, die freien Angebote wahrzunehmen. Und da möchte ich alle ermutigen, in Aktion zu treten. Gleich wie ihr das organisiert.

Wir haben mit der wieder stärker werdenden Blogger:innenszene die einzigartige Chance, Kommunikation zu gestalten. Gewohnheiten zu hinterfragen, Konventionen auf ihre Belastbarkeit zu erproben und fast verloren geglaubte Räume zurückzuerobern. Lasst uns die Gelegenheit nutzen. Es ist unser Raum, jetzt und hier.


Linux á la carte

Meine persönliche Geschichte mit Linux beginnt Anfang der 00er, als ich von jemanden Installations-CDs für SUSE bekomme. Das Setup war mit “pain in the ass” nur unzureichend beschrieben, mein Beschäftigungswille war auch nach kurzer Zeit gebrochen und ich habe für mich entschieden, dass Windows XP doch das bessere Betriebssystem für mich sei. Kurze Zeit später entdeckte ich dann die Welt von Apple und bin seitdem dort auch sehr zufrieden. Alle paar Monde packt mich aber doch der Wille, es zumindest nochmals zu probieren. Lange Zeit war dabei Ubuntu der Driver, seit einiger Zeit Linux Mint, aber es hielt trotzdem nie lange an. Die Gründe dafür:

Die Optik

Ja klar, die Distributionen sind dafür gebaut, auch möglichst abwärtskompatibel zu laufen. Aus Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit ist das maximal zu unterstützen. Ich möchte auch nicht die ehrenamtliche Arbeit von zahllosen Open Source-Entwicklern in irgendeiner Weise kritisieren. Aber da treffen einfach Realitätsperspektiven aufeinander. Es gibt wirklich keine Distro, die mich out-of-the-box überzeugt. Natürlich gibt es Dinge wie Ricing, also das Selbstgestalten der Umgebung durch Anpassungen der verwendeten Elemente. Aber das ist zeitlich aufwendig, nicht immer funktioniert es und oftmals bleibt es ein Kompromiss mit Beigeschmack. Dazu kommt, dass Linux gewisse Schriftarten sehr gut rendern kann, ein gewisser Teil (und das sind ausgerechnet meine Lieblings-Fonts) bleibt an den Kanten unscharf. Das triggert mich unheimlich und ich muss zugeben - ich hassse Open Sans. Diese bauchige Gestaltung hat nichts mit einer Sans Serif zu tun. Für diese Meinung kann man mich gerne kritisieren, aber da bin ich Purist. Und für Puristen ist Linux im ersten Schritt halt eine gewisse Enttäuschung. Wenn man darüber aber spricht, stößt man gleich auf das nächste Hindernis.

Der Umgang in der Community

Liest man in Foren oder anderen Selbsthilfeangeboten, besteht die Welt der Anwender:innen gefühlt nur aus zwei Extremen: Power-User & Neuling. Dazwischen gibt es nichts jedenfalls nicht in der Breite. So verlaufen die Gespräche immer gleich: Ein Neuling stellt eine vermeintlich naive Frage, bekommt fünf bis sechs hochkomplexe Antworten und mindestens einen mittelfreundlichen Hinweis, sich bei nächster Gelegenheit doch wieder zu verziehen, wenn man sich nicht auf Linux einlassen wolle. Diese Erlebnisse sorgen in der Regel dafür, dass das zarte Vertrauenspflänzchen bei denen, die es wirklich versuchen wollen, direkt eingeht und sie im schlimmsten Fall es nie wieder probieren werden. Natürlich kann man gewisse Fragen nach dem xten Mal nicht mehr hören und vermutlich ist der Frust von Entwicklern irgendwann massiv aufgebaut - aber am Ende ist jede gelungene Kommunikation auch ein von Linux überzeugter Mensch. Besonders jetzt, in der Zeit der Wiederentdeckung digitaler Souveränität wäre es ein Gewinn, viele Menschen für Linux zu begeistern. Vor allem tun einige Distributionen massiv viel dafür, dass der Einstieg so einfach wie möglich ist.

Und trotzdem, es gibt auch viele Gründe für Linux. Ich begreife viele Aspekte des Computers besser, bleibe durch das Hüpfen von OS zu OS im Kopf beweglich und zwinge mich zu veränderten Routinen in der Nutzung. Mittlerweile habe ich systemd-analyze durchgespielt und fühle mich beim Gedanken geeky, den Bootvorgang mit etwas Terminalgemurkse beschleunigt zu haben. Folglich ist das Terminal über die Zeit auch bei meinen Macs immer wichtiger geworden. Ich profitiere also in egal welchem Setting von meinen gemachten Erfahrungen. Und das ist für mich der wahre Mehrwert, gleich welches Betriebssystem für mich im Alltag das Geeignetere ist.


Manchmal braucht es ja nur einen Hinweis. Den gab mir der geschätzte Frank heute und wies mich darauf hin, dass meine robots.txt-Syntax fehlerhaft sei. Die ist jetzt korrigiert und damit unser beider Absicht erfüllt: Loggbok ab jetzt auch bei Rivva. Das Ganze passiert höchst exklusiv, andere Dienste dürfen nicht crawlen. Und ich frage im Zukunft jemanden, der es besser weiß, bevor ich an der robots.txt fummel.

Weil es zur Meldung thematisch passt: Rheingold - Fluss.

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Richtig schöne Seiten

Mit dem Hauch an Comeback der Blog-Welt ist ja auch RSS wieder in den Blickpunkt geraten. Der praktische Ansatz erschließt sich mir - nicht immer kriegt man sofort mit, wenn in der Nachbarschaft neue Inhalte das Licht der Welt erblickten. Und wie es gute Blogger:innen so halten, habe ich einen RSS-Reader eingerichtet. In meinem Fall handelt es sich um eine selbstgehostete freshRSS-Instanz. Also alles wie aus dem Lehrbuch, oder?

Das Problem ist, dass ein RSS-Reader auch immer eine Konsistenz erfordert. Nämlich das bewusste Abarbeiten der neuen Beiträge. Links erinnert mich eine hinterlegte Zahl an neue Einträge, die ich noch nicht zur Kenntnis genommen habe. Ehrlich gesagt triggert mich das. Ich lese Blogs, weil ich es möchte - nicht weil mich ein Tool daran erinnert. Meine Aufmerksamkeit durch Benachrichtigungen triggern lassen ist doch genau der Makel von Social Media, den wir alle beklagen. Natürlich habt ihr recht, wenn ihr meinen Umgang damit in Frage stellt. Aber so bin ich nunmal, diese Zahlen stressen mich. Und dazu kommt noch etwas.

Blogs sind wie schon oft erwähnt kleine Kunstwerke. Indem ich sie besuche und dort verweile, zolle ich ihnen Anerkennung. Wenn ich eine Sehenswürdigkeit besuchen möchte, gehe ich ja auch dort hin und schaue mir nicht Bilder an einer anderen Stelle an. Nein, ich entscheide mich zu einer bewussten physischen Präsenz und erfasse Details. Setze mich auf eine bereitgestellte Bank oder andere Sitzgelegenheit und lasse den Ort auf mich wirken. Beobachte andere Menschen und ihre Auseinandersetzung mit der Kunst, dem Denkmal oder was auch immer sich an genau dieser Stelle befindet.

Natürlich, der Feed kann auch als Wegweiser dienen. Was gibt es gerade dort zu sehen, wofür lohnt sich der Besuch? Mein Naturell fühlt sich dadurch aber latent entkoppelt, ich will selber umherstreifen. Verpasse ich dadurch etwas? Ja, mag sein. Aber ich gewinne auch was - nämlich ungestellte Eindrücke und kleine Feinheiten, die ich bemerke, für mich aufnehmen und einordnen kann. Anregungen, sowohl zum Positiven als auch in Reflexionen, Dinge anders zu lösen. Kunst als Spiegel für meinen Kunstbegriff und zur Diskussion des Selbigen. All das kann RSS als Blick durchs Schlüsselloch für mich nicht leisten.

Daher hier ein Plädoyer für alle Abenteurer: Lasst uns RSS als Synonym für “Richtig schöne Seiten” verstehen und öfter vor Ort verweilen, kommentieren oder den Augenblick teilen. Es gibt viele Sehenswürdigkeiten, die einen Besuch lohnen.


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