Ira et studio
07.10.2025
Zorn und Eifer, gleich der betrachteten Situation. Wohin man sich auch umblickt, die sachlichen Argumente sind der Lautstärke und dem Beharren an überholten Einsichten oder leicht umstoßbaren Behauptungen gewichen. Emotion als Triebfeder für dauerhaftes Sendungsbewusstsein - das Schaulaufen im Jahrmarkt der Befindlichkeiten. Das Theater hat rund um die Uhr auf, wir können anscheinend nicht genug davon bekommen.
Am Ende bleibt aber die Erkenntnis, dass wir gar nichts mehr voneinander wissen. Wer sind wir, wo kommen wir her, was beschäftigt uns und ist unser Motor im Leben? Würden wir einander ernsthaft zuhören, miteinander in den Dialog geraten und Identität nicht als negativ beeinflussenden Faktor, sondern als Beitrag zur Diskussion und zur Gesellschaft begreifen, was wäre dann möglich? Wir können Gemeinschaft nur mit den Menschen machen, die nun mal da sind. Dafür braucht es die Dialogfähigkeit, gleich auf welcher Seite.
Inhaltliche Auseinandersetzung kann schmerzhaft sein, sie kann uns vor Widersprüche stellen und unser Denken oder Handeln hinterfragen. Es gibt aber keine Alternative zum Wandel, kein anderes Konzept als das der Gesellschaft. Es braucht weniger Zorn und Eifer, mehr Gelassenheit. Mehr Interesse am Anderen, mehr Offenheit. Nur dann gelingt uns die Aufgabe, miteinander in Frieden zu leben.
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