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Über Berge und Propheten

14.06.2025

Huch, lange hier nichts passiert. Ich war mit dem Leben beschäftigt, unter Anderem den Übergang in eine neue Altersdekade. Dann war noch eine unsichere berufliche Situation, zwei Wochen Urlaub und eine Blitzeinbindung in die Parteiarbeit. Kurzum: Viel zu erleben, wenig Zeit und Muße für die Reflektion.

Mit Blick in die Blogosphäre habe ich in Teilen auch wenig verpasst. Es gab viel Content zum Thema, was denn ein Blog ausmache und was nicht. Ob Paraden dazugehören, ob KI Maßstab sei und SEO janeinvielleicht. Geisterschiffe, während Google die AI Overview in Gang setzte und den Traffic mal eben kastrierte. Mich betrifft das nicht, Loggbok ist und bleibt ungelistet. Gewissermaßen sitze ich also wahlweise mit Tee oder einem kühlen Getränk auf einem Aussichtspunkt und begutachte das Treiben.

Viele der Diskussionen fand ich im Wesenskern ermüdend, sie erschöpfen sich im Formalismus. Der große Gewinn eines Blogs ist es doch, dass es ein eigener Vorgarten ist. Wenn ich Geranien schätze, pflanze ich diese ein. Wenn stattdessen ein Klettergerüst für den Nachwuchs entstehen soll, wird Fundament gegossen. Eben für den Abschnitt an Zeit, in dem ich das als zweckmäßig erachte. Konventionen sind nirgendwo einfacher zu hinterfragen, wir sollten uns diese Freiheit bewusst nehmen.

Stattdessen pieksen wir immer wieder in die gleichen Fragen, jede/r hat drei schlaue Sätze zu schreiben. Die gleichen sich aber von Haus zu Haus und bringen uns nicht weiter. Vielfalt gern, aber bitte in einem subjektiv gefallenden Rahmen. Als würden wir hier “the next big thing” bauen. Dabei sind Blogs Kleinstaaterei par excellence. Im Ergebnis zerreden wir uns diese Biotope. Es gibt einfach nicht genug Berg für die Propheten.

Persönlich lese ich die Blogs gern, die eben nicht der Konvention folgen. Von Autor:innen, die tun, was ihnen behagt und vielleicht eher dokumentieren als für die Öffentlichkeit schreiben. Es ist wohltuend, wirklich Inhalte zu lesen und nicht durch die Form abgelenkt zu werden. Das ist aber meine persönliche Vorliebe. Und wie meine gibt es zig weitere Einzelmeinungen. Wir werden nicht auf einen Nenner kommen, lasst uns agree to disagree als positive Empfindung verstehen. Dann kommen wir auch mit der Menge an Berg klar.


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