Leichtgesinnte Flattergeister
03.01.2025
Der Einstieg in berufliche Alltäglichkeiten gelang erstaunlich leicht, anscheinend ist der überwiegende Großteil meinem Beispiel noch nicht gefolgt und behält sich das für noch kommende Tage vor. So hatte ich Zeit, lästige administrative Aufgaben zu erledigen und mir Gedanken über ein Onboarding zu machen. Mal in Ruhe etwas durchdenken, gar nicht so typisch in der Hektik der täglichen Mühen.
Gestern erstand die Liebste ein weiteres Röhrenradio, diesmal eine Philips Philetta aus dem Jahre 1957. Mein bereits erfolgreich verprobter Trick vom Largo funktioniert nicht, denn die Philetta hat keinen DIN-Anschluss. Stattdessen hat es einen Tonabnehmerstecker, auch als Phono-NF bekannt. Der Haken ist, dass diese Stecker mittlerweile antiquaren Status genießen und die damalig führende und erfindende Herstellerfirma längst verkauft und zerschlagen wurde. Die Stecker selbst gibt es zu Mondpreisen bei einschlägigen Portalen, man muss dann aber selber bestücken und polen. Alternativ könnte man auch mit Bananensteckern arbeiten, der eigentliche Stecker hat aber zusätzlich einen Massepol, den man versorgen muss.
Alles in allem wird das also eine Herausforderung, zunächst muss das Gerät aber ankommen. Dann kann ich mir die Anschlusssituation nochmals richtig besehen (die verfügbaren Bilder im Internet sind grauenhaft, anscheinend fotografieren die Sammlerpuristen gerne mit 100x100 Pixeln) und weitere Schritte überlegt einleiten. Letztendlich erinnert die Situation aber daran, wie viel Glück wir mit unserem ersten Radio haben, das ein Schnapper war und sich im hervorragenden Zustand (gemessen an seinem Alter) befindet. Aber der Mensch lernt ja am Besten durch Beschäftigen mit einer Situation.
Ach ja, der Titel: Gestern entdeckte ich einen Führer durch das Kantatenjahr mit Bach, für einen sehr bestimmten Sonntag im Februar (ja, genau der) steht die Kantate “Leichtgesinnte Flattergeister” (BWV 181) als mögliche Beschallung zur Disposition. Die Kantate ist mittlerweile 300 Jahre alt, der gute alte Johann Sebastian bewies aber einen Weitblick seinesgleichen. Er muss wohl Zyniker gewesen sein.
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