Meine persönliche Geschichte mit Linux beginnt Anfang der 00er, als ich von jemanden Installations-CDs für SUSE bekomme. Das Setup war mit “pain in the ass” nur unzureichend beschrieben, mein Beschäftigungswille war auch nach kurzer Zeit gebrochen und ich habe für mich entschieden, dass Windows XP doch das bessere Betriebssystem für mich sei. Kurze Zeit später entdeckte ich dann die Welt von Apple und bin seitdem dort auch sehr zufrieden. Alle paar Monde packt mich aber doch der Wille, es zumindest nochmals zu probieren. Lange Zeit war dabei Ubuntu der Driver, seit einiger Zeit Linux Mint, aber es hielt trotzdem nie lange an. Die Gründe dafür:
Die Optik
Ja klar, die Distributionen sind dafür gebaut, auch möglichst abwärtskompatibel zu laufen. Aus Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit ist das maximal zu unterstützen. Ich möchte auch nicht die ehrenamtliche Arbeit von zahllosen Open Source-Entwicklern in irgendeiner Weise kritisieren. Aber da treffen einfach Realitätsperspektiven aufeinander. Es gibt wirklich keine Distro, die mich out-of-the-box überzeugt. Natürlich gibt es Dinge wie Ricing, also das Selbstgestalten der Umgebung durch Anpassungen der verwendeten Elemente. Aber das ist zeitlich aufwendig, nicht immer funktioniert es und oftmals bleibt es ein Kompromiss mit Beigeschmack. Dazu kommt, dass Linux gewisse Schriftarten sehr gut rendern kann, ein gewisser Teil (und das sind ausgerechnet meine Lieblings-Fonts) bleibt an den Kanten unscharf. Das triggert mich unheimlich und ich muss zugeben - ich hassse Open Sans. Diese bauchige Gestaltung hat nichts mit einer Sans Serif zu tun. Für diese Meinung kann man mich gerne kritisieren, aber da bin ich Purist. Und für Puristen ist Linux im ersten Schritt halt eine gewisse Enttäuschung. Wenn man darüber aber spricht, stößt man gleich auf das nächste Hindernis.
Der Umgang in der Community
Liest man in Foren oder anderen Selbsthilfeangeboten, besteht die Welt der Anwender:innen gefühlt nur aus zwei Extremen: Power-User & Neuling. Dazwischen gibt es nichts jedenfalls nicht in der Breite. So verlaufen die Gespräche immer gleich: Ein Neuling stellt eine vermeintlich naive Frage, bekommt fünf bis sechs hochkomplexe Antworten und mindestens einen mittelfreundlichen Hinweis, sich bei nächster Gelegenheit doch wieder zu verziehen, wenn man sich nicht auf Linux einlassen wolle. Diese Erlebnisse sorgen in der Regel dafür, dass das zarte Vertrauenspflänzchen bei denen, die es wirklich versuchen wollen, direkt eingeht und sie im schlimmsten Fall es nie wieder probieren werden. Natürlich kann man gewisse Fragen nach dem xten Mal nicht mehr hören und vermutlich ist der Frust von Entwicklern irgendwann massiv aufgebaut - aber am Ende ist jede gelungene Kommunikation auch ein von Linux überzeugter Mensch. Besonders jetzt, in der Zeit der Wiederentdeckung digitaler Souveränität wäre es ein Gewinn, viele Menschen für Linux zu begeistern. Vor allem tun einige Distributionen massiv viel dafür, dass der Einstieg so einfach wie möglich ist.
Und trotzdem, es gibt auch viele Gründe für Linux. Ich begreife viele Aspekte des Computers besser, bleibe durch das Hüpfen von OS zu OS im Kopf beweglich und zwinge mich zu veränderten Routinen in der Nutzung. Mittlerweile habe ich systemd-analyze durchgespielt und fühle mich beim Gedanken geeky, den Bootvorgang mit etwas Terminalgemurkse beschleunigt zu haben. Folglich ist das Terminal über die Zeit auch bei meinen Macs immer wichtiger geworden. Ich profitiere also in egal welchem Setting von
meinen gemachten Erfahrungen. Und das ist für mich der wahre Mehrwert, gleich welches Betriebssystem für mich im Alltag das Geeignetere ist.