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08.01.2024

Der Tag beginnt mit einem Hupnkonzert der Bauern auf der Umgehungsstraße. Ich bin zu müde, um mich aufzuregen. Stattdessen nehme ich zur Kenntnis, dass der Kundenbesuch dank der GDL doch nichts wird. Auch dafür fehlt es mir an Elan für einen emotionalen Ausbruch. Seit der Pandemie begegne ich immer öfter publiken Ereignissen mit Gleichgültigkeit. Fühlt sich falsch an, ist es vermutlich auch. Aber ich investiere lieber die Kraft in Ereignisse, die ich beeinflussen kann.

Ansonsten war es ein entspannter erster Arbeitstag, ein paar Gespräche und einige Mails beantworten. Der Abstand tat mir gut, ich fühle mich ausgewogen und habe Lust, was zu bewegen. Der Kalender ist für diese Woche auch gut gefüllt, das ist aber ok. Mir ist es lieber, wenn was los ist und man nicht der Musik mühevoll hinterherlaufen muss, damit etwas passiert.

Mit dem heutigen Tag endet das süße Urlaubsparadies, ab morgen wird wieder beraten. Die Anzahl der aufgelaufenen Todos ist erfreulicherweise übersichtlich, oftmals genügen eine Reaktion und gutes Zureden. Manchmal kann es doch so einfach sein. Mittwoch und Donnerstag steht ein Kundenbesuch in Hessen an. Nachdem ich Mitte November mit Corona zurück kehrte und unschönerweise die Familie mit ansteckte, bin ich dort nicht mehr gewesen.

Tröstlich ist, dass der neue Bürostuhl sehr bequem ist. Nach dem Aufbau saßen am Freitag wir alle drei Probe, der Sohn hätte das Möbelstück gleich gerne für sich reklamiert. Die Nackenstütze ist allerdings für Menschen konstruiert, die nicht von meinem Wuchs sind. So werde ich nur beim zurückgelehnten Sinnieren die Funktion genießen können. Die Stütze für die Lendenwirbel ist allerdings in der höchsten Stufe perfekt.

Für den übrig gebliebenen Raclettekäse hat sich eine sehr erfreuliche Verwendung ergeben, die Liebste macht daraus Grilled Cheese-Sandwiches. Für mich ist das ein reverse-engineered Ofenkäse, was die Sache umso großartiger macht. Man kann nie genug Käse in ein Essen integrieren. Die Liebste war es auch, die mich im Urlaub mit einer Aussage etwas erschrak, im Urlaub spräche ich über ganz andere Dinge, sie möge das sehr. Es muss also 2024 ein Ziel sein, besseren Ausgleich zu finden und zu leben.

Währenddessen zeichnen sich schon erste Rückzugsspuren des Schnees auf, bis Mittwoch wäre mir ein Verschwinden sehr recht, denn ich möchte ungern auf der Geschäftsreise mit dem Zeug konfrontiert sein. Allerdings ist dann auch die Frage, was die GDL machen wird bzw. was deren Mitglieder möglicherweise unter der Woche an Arbeit unterlassen. Nur nicht stressen lassen muss die Devise lauten. Und damit auf in das Arbeitsjahr 2024.

06.01.2024

Zuverlässig ist das Wetter, wenn es das Gegenteil vom Erwarteten vollbringt. Zwei Wochen nachdem wir alle uns über weiße Weihnachten gefreut hätten, bekommen wir die volle Packung Schnee. Unnötig, denn jetzt muss man allerorts arbeiten und reisen. Oder Faslamswagen bauen. Mal ganz abgesehen von den Hochwassergebieten, die sich sicherlich Gedanken um die Schneeschmelze machen. Denn das wird die Lage nochmals dramatisch verschärfen. Hier ist trotz der Nachbarschaft zur Elbe noch einigermaßen Entspannung, einige Keller liefen voll. Hoffen wir, dass es so bleibt.

05.01.2024

Am vorletzten Arbeitstag 2023 ging mein bisheriger Bürostuhl zu Bruch, was timing-mäßig kein Dramaturg sich hätte besser ausdenken können. Den letzten Tag bestritt ich auf einem Modell der alten Esszimmer-Kultur: rustikal, nicht vollends bequem. Dieser eine Tag hatte gereicht, dass ich eine Neuanschaffung ins Auge fasste.

Nachdem ich das Problem fast den ganzen Urlaub über aussaß (höhö), habe ich vorgestern geordert und in der nächsten Stunde wird der Nachfolger da sein. Preisgünstig und angeblich doch wohltuend für alle Wirbel, zudem mit einer Nackenstütze. Da ich aber bisher in regelmäßigen Abständen alle Stühle klein kriegte, gehe ich davon aus, dass auch das Modell mich wohl maximal 3-4 Jahre begleiten wird. Ein Stehschreibtisch wäre eine Alternative, aber das ist vom Platz her nicht drin und ich will kein absurd kleines Modell, auf dass nicht mal der Monitor passt. Homeoffice ist doch manchmal eine Plage.

Nachdem Elon Musk bewiesen hat, dass Vermögen und Unvermögen gleichermaßen eine Person kennzeichnen können und er Twitter X tagtäglich näher Richtung Erdkern fährt, hat sich in der Netzgemeinde immer noch der irrige Wunsch nach “Aber wie früher”-Alternativen manifestiert. Mittlerweile gibt es ja reichlich Auswahl, Cross-Posting auf den verschiedenen Kanälen ist der neue Trend. Für den überwiegenden Teil der Menschen in Deutschland ist Threads seit drei Wochen neu, sie hatten es vor der zwischenzeitlichen Pausierung aufgrund der “Bedenken” nicht rechtzeitig reingeschafft.

Auch ich habe mir Threads angeschaut und habe schon nach kurzer Zeit attestiert, dass das so ein Schuss in den Ofen wird. Die “Für dich”-Timeline ist eine einzige Zumutung von teils ekelhaften Aussagen, bei der sich manche Protagonist:innen gerade zu darin überbieten, wer die nächste blockierungs und meldewürdige Grütze von sich gibt. Trotz massiver Block-Aktivität meinerseits rutschten jeden Tag neue “Perlen” dieser Art nach, mittlerweile muss ich 200+ Accounts gesperrt haben. Problematisch ist auch, dass aufgrund des Hypes viele solcher oft misogynen Takes direkt viral gehen oder jemand anders den Mist mit einer “Gegenrede” repostet. So oder so: Threads ist in wenigen Tagen so anstrengend geworden wie Twitter kurz vor der Musk-Übernahme.

Es ist offenkundig, dass vielen Personen dort die Möglichkeit der Reichweite nicht bekommt und sie diese liebend gerne für Provokationen oder den traurigen Beweis mangelnder Reflektionsfähigkeit zu nutzen. Dem Problem kann man nur durch eine Fragmentierung beikommen, denn offenkundig sind nicht die Plattformen an sich schuld (die Algorithmen sind ja auch nur so gut oder schlecht, wie man sie füttert), sondern die Personen und Inhalte. Das macht aus dem rabbit hole das shit hole.

Und das Fediverse? Ist das nicht auch Social Media? Für mich ist da eine Abgrenzung, weil ich die Infrastruktur dafür ja selber vorhalte (bzw. vorhalten lasse) und mein eigener Herr bin hinsichtlich der Frage, mit welchen anderen Instanzen meine eigene Instanz föderiert ist. Den Begriff “Personal Media” finde ich dafür geeigneter, gemeinsam mit dem Blog ist das eine unabhängige und nachhaltige Umgebung ohne auf das Wohlwollen Dritter angewiesen zu sein. Ich habe in den über fünf Jahren auch nur eine Person blocken müssen, die ganz offensichtlich ein Troll war und anonym Stress machte (dann aber ebenso schnell von der Instanz geblockt wurde wie sie sich dort anmeldete). Das hat sich organisch geregelt, sowas würde man bei X, Meta und wie sie alle heißen kaum erleben. Noch ein Grund mehr, sich von diesen Plattformen zu lösen.

Eines meiner Ziele für 2024 ist es, Social Media aufs absolute Minimum zu reduzieren und Personal Media dafür in allen Bereichen zu verankern. Sowohl in den Tools als auch im Austausch mit Menschen. In den letzten Jahren habe ich schon coole Personen kennen gelernt, denen Viralität ebenso gleich ist und mit denen jede Interaktion Freude macht. Und das ohne sich vor größtmöglichen Publikum zum Affen zu machen, sondern einfach indem man ähnlich gelagerte Interessen hat oder spannende Dinge teilt. Dafür verzichte ich sehr gerne auf “Social Media”.

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