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Wer sich dieses kleine Blog in den letzten Tagen genauer angeschaut hat, hat festgestellt, dass es jetzt Mitglied im UberBlogr-Webring ist. Ein Webring ist eine architektonisch ringförmig gedachte Verbindung von Seiten, bei denen User:innen bequem immer weiter “skippen” können und so andere Inhalte der Mitglieder:innen entdecken können. Dabei kann der Webring entweder thematisch oder typmäßig gestaltet sein, je nach Webring sind die Mitmachregeln unterschiedlich.

Eines der Mitglieder hat die Analogie in den Raum gestellt, dass der Webring eine Straße ist und jedes Blog wie ein Haus. Gerade in einer Zeit, in der Spaltung immer mehr Raum bekommt als das Verbindende, finde ich das eine sehr schöne Bildsprache. Mein “Haus” ist eine Schnapszahl, es trägt die Nummer 33. Vor einer Woche lag es gefühlt am Ende der Straße, inzwischen wurde fleißig angebaut und mein Haus wird bald mitten im Dorf, irgendwann vielleicht sogar recht am Anfang der Straße zu finden sein. Die Anwohner sind alle unterschiedlich, bringen unterschiedliche Erfahrungen und Themen ein. Uns alle eint aber, dass wir unseren Platz gestalten und Freude daran haben, den “Baufortschritt” miteinander zu teilen. Es macht großen Spaß zu entdecken, was links und rechts, am Dorfeingang und am -ende alles Neues entsteht. Und wer denn alles noch so dazu kommt, gerade sind wieder drei potenzielle Einwohner:innen auf der Warteliste.

Was Thomas als “Dorfgründer” auf die Beine gestellt hat, ist keine Utopie - sondern der Beleg, dass man im Internet miteinander vernetzt sein und Freude haben kann, ohne in Kurzform zu denken und zu argumentieren und ohne sich verbal gegenseitig auf die Mütze zu geben. Es braucht keine algorithmische Verwurstung, sondern Menschen mit Gedanken, Geschichten und Gestaltungswillen. Neugier aufeinander ist natürlich auch essenziell. Aber was ich in den letzten Tagen alles an tollen Beiträgen las, gibt Hoffnung, dass das Internet nicht verloren ist. Man sollte nur seine Aufenthalte in den Molochen wohl dosieren und ansonsten “sein” Dorf genießen. Zu Hause ist es halt immer am Schönsten.

Kein Zweifel, Instagram ist wie alle anderen sozialen Netzwerke nur noch anstrengend und nervtötend. Und mit etwas mehr Verve würden mir noch zig weitere Attribute einfallen, die nicht charmanter ausfallen würden. Allerdings gibt es seit einigen Wochen (nicht nur dort) einen Account, den es zu verfolgen lohnt.

Dahinter steckt ein Buchhändler in seinen frühen Achtzigern, der in Köln ein Buchantiquariat führt und den die wirtschaftliche Lage dazu brachte, mit etwas gutem Zureden “online zu gehen” und sein Geschäft zu vermarkten. Das macht Herr Willbrand auf solch eine charmante Weise (Marketing-Menschen würden hier das Adjektiv “authentisch” verwenden), dass er damit ankommt. Er redet über empfehlenswerte Bücher, welche Autoren seiner Meinung nach interessant sind und darüber, dass Hermann Hesse völlig überschätzt sei. Kurzum: Man muss diesen Menschen einfach gern haben - in seiner ganzen Art.

Für mich ist dieser Account deswegen ein Faszinosum, da mir in der Schule jede nur denkbare intrinsische Freude an Literatur durch die ewigen Interpretationseinheiten genommen wurde. Ständig dieser Reflektionswahn und die teilweise unmögliche Auswahl an Büchern, mir hat das viel Energie gekostet. Abseits davon bin ich eh kein Freund fiktionaler Stoffe, das echte Leben bietet ja schon Drama genug. Ein Buch gelang jedoch auf Empfehlung von Herrn Willbrand auf meinen Nachttisch - der Tractatus logico-philosophicus von Ludwig Wittgenstein. Diese Abhandlung nimmt die Sprache auseinander und setzt diese in eine logische Systematik. Leichte Nachtlektüre ist Wittgenstein nicht - ich muss nach ein paar Seiten Pausen einlegen, darüber nachdenken. Vermutlich war das dessen Absicht, immerhin sind mir gewisse Gedanken nicht fremd. Und das ist ja auch schon eine Leistung.

Jedenfalls habe ich wieder Lust auf Lesen - danke dafür Herr Willbrand und weiterhin viel Erfolg!

30.05.2024

Mein Vater war Schotte, meine Mutter ist deutsch und hat niedersächsische Ahnen (aus der Gegend von Cloppenburg). Beide Zweige haben eine Teekultur und so ergab es sich, dass ich nicht nur Teetrinker wurde - vor allem in den letzten zwei Jahren habe ich versucht und bin weiter dran, beide Kulturen irgendwie zu verbinden.

Vom Vater übernahm ich in der Jugend die one cup-Vorgehensweise, die mit Beuteln von Tetley “gefüllt” wird. Natürlich gibt es auch andere Marken. Aber dieser Tee ist stark und ich mag ihn. Die andere Familienseite operierte klassisch mit losem Tee im Filter, Kanne und Stövchen sowie Kandis - also schon ostfriesisch im Angang. Ich habe das immer etwas abseits bewundert, fand das für mich allein eher umständlich.

Durch mehrfachen Urlaub auf einer ostfriesichen Insel ist mir diese Form der Teezeremonie aber näher gerückt und mein Teekonsum hat sich entsprechend intensiviert. Die Liebste hat mir über Geschenke die nötige “Hardware” verschafft und an Wochenenden verbringe ich mittlerweile gut und gerne ein bis zwei Stunden in der Küche, in denen ich am Fenster sitzend Tee trinke und dabei frühstücke, mir ein Bild über die Weltlage verschaffe oder Musik höre. Wenn ich Urlaub habe und wir den zuhause verbringen, sogar täglich.

Beim geschätzen Thomas Gigold las ich die Tage, dass es eine ISO-Norm für die Zubereitung von Tee gibt, mich als Verfechter von Standards und Anleitungen sprach das natürlich an. Zudem traf es sich, dass mein Vorrat an Tetley-Beuteln zu Neige ging und ich auf die Notreserve an losem Tee zurück greifen musste. So habe ich eine Woche lang diese ISO-Norm in der Praxis angewandt und komme zu folgendem Schluss:

Es hat meditativeren Charakter, wenn man mehr Schritte in gewisser Sorgsamkeit durchführen muss. Gerade an die richtige Portionierung des Tees muss man sich ran tasten, die Norm kann nur bedingt subjektives Geschmacksempfinden standardisieren. Andererseits habe ich das Vorgehen noch nicht im Arbeitsalltag verprobt und bin mir unsicher, ob sich der Aufwand lohnt, wenn ich stressbedingt den Tee eher “hinter die Binde kippe”. Vermutlich ist die Lösung einfach, den Mittelweg zu finden aus dem schnellen one cup-Verfahren und für längere Meetings Kanne und Stövchen. Die Zeit wird zeigen, wie sich mein Verfahren praktisch optimiert.

Technisch

Die Basis ist auf maximale Convenience ausgelegt: Ich habe einen GitHub-Account und nutze GitHub Pages. Im Account liegt ein Repository auf Jekyll-Basis, das Theme heißt Contrast und stammt von Niklas Buschmann. Design-technisch habe ich es aber modifiziert (ob das optisch überzeugt, möchte ich nicht beurteilen). Den Code passe ich in VS Codium an und commite dann sehr faul über GitHub Desktop. Vermutlich habe ich mit dieser Information meinen GitHub-Account verwirkt. Diese Seite verwendet keine Trackings und lädt extrem schnell, darauf bin ich sehr stolz. Analytics nutze ich nicht, mir ist egal, wer und wie viele ihr seid. Ihr sollt hier in Ruhe stöbern können.

Inhaltlich

Dieses Blog hat kein Konzept, ich schreibe nach Gefühl und was mich gerade umtreibt. Das können persönliche Erlebnisse, Vorgänge in meinem Biotop namens “Umgebung” oder Gedanken sein, die mir durch den Kopf gehen und mehr Worte bedürfen, als das Fediverse sie mir zur Verfügung stellen kann. Für mich ist das hier ein Platz, an dem ich die Dinge ausformulieren kann und mir Reichweite oder direktes Feedback keine wesentlichen KPIs sind. Wer etwas zu einem Artikel beitragen möchte, kann das per Fediverse tun. Kommentierung vor Ort erfordert Moderation und DSGVO-Obligationen, die erspare ich mir gerne. An der Frequenz will ich in den nächsten Monaten wieder stärker arbeiten, zuletzt hat mich eine Arbeitslawine überrollt. Aber wie heißt es doch so schön: Dran bleiben ist alles.

27.05.2024

Wer sich länger im Internet als User:in aufhält, wird früher oder später damit konfrontiert - eingestellte Dienste. Manche bekommt man gar nicht mit, um Andere ist es schade. Und dann gibt es die, mit denen irgendwie alles anfing. Zu denen zählt ICQ.

Einst in Israel gegründet (das ist einfach mal 30 Jahre her), war ICQ der Instant Messaging-Dienst, den alle nutzten. Noch vor AIM, MSN und Co. Alles war auf Funktion ausgelegt, damit auch User:innen mit 56K-Modem flott Textnachrichten austauschen konnten. Später kamen Telefonie-Optionen, Spiele und anderer Tüdelkram dazu, den kein Mensch effektiv brauchte. In der Zeit wurde AOL Eigner, allerdings nie so richtig glücklich mit dem Invest und verkaufte nach einiger Zeit an die russische Mail.ru Gruppe weiter.

Spätestens seit dem Zeitpunkt war ICQ in Europa so wirklich durch und niemand nutzte den Dienst ernsthaft noch. Ich war ICQ schon längst entwachsen und seitdem habe ich nicht mehr reingeschaut. Nun wurde verkündet, dass kommenden Monat der “Laden dicht gemacht” wird. Die mit Sicherheit stark gesunkene Zahl aktiver Nutzer:innen wird es sicher verschmerzen. Den Inaktiven wie mir ist es egal, nur eine Randnotiz im Rauschen des Äthers. Aber an meine Nummer kann ich mich wie vermutlich fast alle anderen Nutzer:innen immer noch erinnnern. An alte gute Zeiten eben, in denen das Internet den Hauch von Abenteuer und Verheißung mit sich trug.

Und wir waren dabei.

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