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Der Einstieg in berufliche Alltäglichkeiten gelang erstaunlich leicht, anscheinend ist der überwiegende Großteil meinem Beispiel noch nicht gefolgt und behält sich das für noch kommende Tage vor. So hatte ich Zeit, lästige administrative Aufgaben zu erledigen und mir Gedanken über ein Onboarding zu machen. Mal in Ruhe etwas durchdenken, gar nicht so typisch in der Hektik der täglichen Mühen.

Gestern erstand die Liebste ein weiteres Röhrenradio, diesmal eine Philips Philetta aus dem Jahre 1957. Mein bereits erfolgreich verprobter Trick vom Largo funktioniert nicht, denn die Philetta hat keinen DIN-Anschluss. Stattdessen hat es einen Tonabnehmerstecker, auch als Phono-NF bekannt. Der Haken ist, dass diese Stecker mittlerweile antiquaren Status genießen und die damalig führende und erfindende Herstellerfirma längst verkauft und zerschlagen wurde. Die Stecker selbst gibt es zu Mondpreisen bei einschlägigen Portalen, man muss dann aber selber bestücken und polen. Alternativ könnte man auch mit Bananensteckern arbeiten, der eigentliche Stecker hat aber zusätzlich einen Massepol, den man versorgen muss.

Alles in allem wird das also eine Herausforderung, zunächst muss das Gerät aber ankommen. Dann kann ich mir die Anschlusssituation nochmals richtig besehen (die verfügbaren Bilder im Internet sind grauenhaft, anscheinend fotografieren die Sammlerpuristen gerne mit 100x100 Pixeln) und weitere Schritte überlegt einleiten. Letztendlich erinnert die Situation aber daran, wie viel Glück wir mit unserem ersten Radio haben, das ein Schnapper war und sich im hervorragenden Zustand (gemessen an seinem Alter) befindet. Aber der Mensch lernt ja am Besten durch Beschäftigen mit einer Situation.

Ach ja, der Titel: Gestern entdeckte ich einen Führer durch das Kantatenjahr mit Bach, für einen sehr bestimmten Sonntag im Februar (ja, genau der) steht die Kantate “Leichtgesinnte Flattergeister” (BWV 181) als mögliche Beschallung zur Disposition. Die Kantate ist mittlerweile 300 Jahre alt, der gute alte Johann Sebastian bewies aber einen Weitblick seinesgleichen. Er muss wohl Zyniker gewesen sein.

01.01.2025

Trotz nicht vorhandenem Kleinkind oder Hund mit Bewegungsmangel waren die Liebste und ich kurz im Draußen, um das neue Jahr zu begrüßen. Uns schlug niedersächsische Trostlosigkeit in einer Komposition grauer, lichtloser und nebelverhangener Kulisse entgegen. Während wir die Hinterlassenschaften humaner Ignoranz vor der Umwelt besahen, sprach die Liebste vom “Neujahrsgang vor die Hunde”, den wir beschreiten würden. Ich liebe diesen sehr eigenen Humor, den wir in unserer Partnerschaft entwickelt haben.

Ansonsten steht der Tag unter dem Eindruck der Endlichkeit: Urlaub, Raclettesaison und auch meine Zugehörigkeit bei diversen “sozialen” Netzwerken. Für 2025 möchte ich dem Fediverse etwas zurück geben, was ich an positiver Stimmung erhalten habe. Dafür grübele ich seit Wochen, wie man auf einer gemeinnützigen Basis die Öffentlichkeitsarbeit leisten kann, die das Fediverse im deutschsprachigen Raum benötigt. Es ist eine große Aufgabe, sie muss aber erfüllt werden. Zu sehr haben uns Musk, Zuckerberg und die anderen Tech-CEOs bereits im Würgegriff.

Und so startet ein Jahr voller Tatendrang, mit Visionen und Zielen, Hoffnung und Ideen. Möge 2025 uns ein Stück der Erkenntnis näher bringen, dass wir in Gemeinschaft die Welt ein kleines Stück besser machen können.

31.12.2024

Ich fand den Jahresrückblick bei Stefan schon immer interessant, nachdem ich ihn auch bei Johannes sah, dachte ich mir, ich könnte ja auch mal mitmachen und habe mir aus dem Konvolut an Fragen, dass die beiden beantworten die mir passende Schnittmenge herangezogen. Zunächst war ich kurz unsicher, ob ich die Antworten auch veröffentlichen mag, da sie teilweise doch viel offenbaren. Aber all das war Teil unseren Jahres und gehört dazu, wenn ich diesen Rückblick ernsthaft meine.

2024 war für mich, für uns ein ausgemachtes Negativjahr mit viel Emotionalität und Ungewissheit. Wir sind noch längst nicht über den viel zitierten Berg, Geduld und Vertrauen sind unsere härtesten Lehrmeister. Auch beruflich war es teils turbulent. So richtig stabil wurde es erst ab Oktober, im Dezember kam dann das kleine Weihnachtswunder namens Herz statt Merz dazu. Stack Overflow als Dauerzustand, ständig gab es was zu tun oder entscheiden. Und damit ist noch kein Mü Weltgeschehen einbezogen. Am Ende gab es aber auch viele kleine Glanzlichter, in diesem Jahr so nachhaltig geloggt, dass ich den Rückblick zu Wege bringen konnte. Auch das ist ein Erfolg.

An dieser Stelle euch allen einen guten Rutsch und ein fantastisches 2025, vielen Dank für eure treue Leserschaft und auch das Feedback. Gerade in diesem Jahr war dieses gemeinschaftschaftliche Gefühl dank UberBlogr, dem Fediverse und eben HsM eine Wohltat. Mein Ziel ist es, noch regelmäßiger zu bloggen und damit Personal Media in meinem 40. Lebensjahr noch stärker zu fokussieren. Und damit rein in den Fragebogen:

Zugenommen oder abgenommen?
Die Waage ist kaputt, kein Witz.

Haare länger oder kürzer?
Ich gehe seit diesem Jahr wieder zu einem Friseur, um der Liebsten nach vier Jahren Home-Hairstyling eine Entlastung zu verschaffen. Seitdem definitiv wieder kürzer.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Ist das eine 3 oder eine 8? Irgendwas passiert da gerade bei mir und ich mag es nicht.

Mehr bewegt oder weniger?
Mehr, speziell im Sommer und im Dezember-Urlaub riss ich viele Kilometer. Fantasy Hike half mir durch Gamification-Feeling.

Mehr ausgegeben oder weniger? Die teuerste Anschaffung?
Am Ende hin ging das Jahr dank einer unerwarteten Großzügigkeit gut aus. Teuerste Anschaffungen waren der Ersatz zwei zertretener Glasscheiben und der neue Laptop des Sohnes.

Das leckerste Essen?
Sorry, aber Käsespätzle sind auch 2024 unangefochtene Spitze gewesen.

Getränk des Jahres?
Deit Pink Grapefruit. Und der Abril Grauburgunder, Jahrgang 2021.

Erkenntnis des Jahres?
Das Leben geschieht, während man eigentlich andere Dinge vorhat.

Beste Idee/Entscheidung des Jahres?
Der Kauf des Röhrenradios und das damit verbundene Glück sowie die spontane Entscheidung, bei Herz statt Merz mitzumachen.

Schlimmstes Ereignis?
Die Erkrankung unseres Sohnes mit all der Hilflosigkeit, die wir im Mai und Juni verspürten. Wir sind immer noch in der Verarbeitung des Erlebten verhaftet.

Schönstes Ereignis?
Die spontane Jahrestagfeier in Lüneburg am Stint bei Pizza, Aperol Spritz und Bier. Zu dem Zeitpunkt war das gefühlt wie ein Jahresurlaub von all der Bekümmertheit der vorangegangenen Wochen.

Stadt des Jahres?
Lüneburg war dieses Jahr Dreh- und Angelpunkt.

Die schönste Zeit verbracht mit?
Meiner Liebsten. Und den Katzen.

Erfreut haben mich?
Viel Verständnis und Zuspruch, gute Gespräche über Mastodon, dass man aus politischer Lethargie erwachen und etwas bewegen kann bei einem gleichzeitig vorherrschenden Gefühl von Gemeinschaft.

Welche drei Erlebnisse haben dieses Jahr besonders geprägt?
Die Erkrankung, Herz statt Merz, das etwas andere Kundenprojekt.

Drei Dinge, die es im kommenden Jahr viel häufiger geben sollte?
Ausgleich, Genuss, Momente des Glücks.

Träume gelebt? Wünsche erfüllt?
2024 war kein Jahr für große Wunscherfüllung.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Materiell der Aquarellkasten zu Weihnachten für die Liebste. Emotional füreinander da gewesen zu sein.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Das Buch von Wittgenstein und die Peanuts Christmas-Platte, beides von der Liebsten. Emotional jedes gute Wort in diesem Jahr.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt oder mir geschrieben hat?
“Es ist auch Ihr Leben!“ | “Papa!“ | “Du bist ein Sympathieträger.”

Wofür bin ich in diesem Jahr besonders dankbar?
Dass es Menschen gibt, für die Zuhören kein leeres Wort ist.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Miteinander arbeiten funktioniert besser als gegeneinander.

Enttäuscht hat mich?
Dass die Menschheit offenbar lachend ins Verderben rennen möchte.

2024 zum ersten Mal getan?
Einen veganen Kuchen gebacken, aktiv Faslam gefeiert, einem Webring beigetreten, eine Vorsorgeuntersuchung vornehmen lassen, als Wahlhelfer beworden, eine Kiste Wein geordert, einen Sicherheitstoken in Hardwareform verwendet und einen Homeserver aufgesetzt.

Und was war sonst noch?
Vollmachten, kleine Küchengeräte mit großer Wirkung, die Videokamera auf der Terrasse als Antwort auf Eierwürfe, die magere Ernte, der Biss von Katze 3, 16 km Fußmarsch auf der OMR, die Hernie und der gebrochene Zeh, Calls um 8 Uhr, die Rückkehr des Besucherkaters, smashed potatoes, die Todesnachricht durch Googlen, der Knick im Kalender, unzählige positive Verhaltensupdates bei Katze 3, die Kiste Bier zum Geburtstag, der neue Arbeitsrechner und die Entdeckung von Nextcloud.

Vorherrschendes Gefühl 2024?
Ratlosigkeit.

2024 war mit einem Wort?
Überfordernd.

Im Sommer warnte mein Hoster des geringsten Misstrauens vor einer Welle an Spam-Mails, die die hauseigenen Filterregeln nicht in den Griff bekämen. Aber es gäbe eine patente Lösung, man möge doch einen DMARC-Eintrag setzen. Das sollte nach Einschätzung des Hosters das Problem lösen.

Nach einiger Zeit muss ich anerkennen: Ja, hat es. Aber nicht für mich, sondern für den Hoster. Bekam ich vorher gefühlt eine Spammail in sechs Monaten, so wurden es seitdem täglich bis zu fünf Nachrichten, die allesamt für irgendwelche fantasievollen Boniprogramme mit begrenzter Aktionsdauer warben. Auch kunstvoll gearbeitete Fakemails in Namen meines Hosters waren dabei, der um Domainverlängerungen bat, allerdings mit falschen Personen in der Anrede. Vorgestern ging es los, dass Abwesenheitsnotzien von Firmen als Antworten auf diese Welle an sinnloser Quatschkommunikation eintrudelten.

Offenkundig wollte der Hoster das Problem einfach nur an seine Kunden externalisieren und Ressourcen schonen. Da ja noch Weihnachten ist, habe ich ihm das Geschenk aus dem Sommer gestern Abend mit roter Schleife umwickelt und großer Freude durch Entfernen der DMARC-Regel zurück gegeben. Seitdem herrscht himmlische Ruhe in den Postfächern. Ob die Spammer auch Weihnachten feiern und deswegen die Füße still halten? Ich weiß es nicht, hoffe aber eher auf den Effekt der Regelentfernung.

25.12.2024

Ein mir lieber Netzkontakt und ich hatten Montag einige Konversation per Mastodon, es ging um die Technik meines Blogs und was er denn nutzen könne, um eine nicht favorisierte Konstruktion abzulösen. Wir haben viele Ideen ausgetauscht, am Ende war in all der Vielfalt an Ideen doch immer ein Haken. Das zeigt die Komplexität der Thematik Website bzw. Weblog doch eindrucksvoll.

Klar, mit einem WordPress-Setup kann man viel anstellen. Und ja, es ist ein vergleichsweise einfach zu bedienender Angang für Menschen, denen die Technik eher Last als Freude ist. Aber auch hier liegt der Teufel im Detail, Absicherung gegen bösartige Zugriffe aller Art, Backup-Strategie, DSGVO-Konformität et cetera. Das haben viele Nutzer:innen gar nicht so auf dem Radar. Dazu kommt die mittlerweile doch sehr gewichtige Struktur, oftmals wird mit Plugins versucht, den Pagespeed zu optimieren. WordPress ist halt seit Langem ein CMS, keine Weblog-Software mehr.

Flat-File-CMS klingen nach einer guten Alternative. Die potentielle Schwachstelle Datenbank entfällt, oftmals kann mit Markdown der Inhalt erstellt werden. Das sorgt dafür, dass man erheblich viel an Ressourcen im Vergleich zu WP einsparen kann. Nachteil ist, dass man oftmals so gut wie keine Vielfalt an Themes vorfindet. Und wenn doch, sind 90% hässlich oder seit erheblicher Zeit nicht aktualisiert worden. Selber bauen ist dann die Devise, aber als Hobby-Enthusiast mit Beruf, Familienleben und der eh knapp bemessenen Freizeit ist das eine erhebliche Aufgabe, besonders bei rudimentären Kenntnissen im Bereich CSS und JavaScript. Ja klar, dann nimmt man Bootstrap. Aber auch da muss man sich einarbeiten.

Oder man macht es so wie hier: Man nehme einen Static Site-Generator, werfe diesen auf GitHub Pages oder Netlify (oder hat Bock auf Nervenkitzel und hostet selbst) und baut sich auf Basis eines einigermaßen brauchbarem Themes eine nette Struktur. Ich bin weit weg von einem Programmierer, muss oft Dinge googlen und habe oft Fehler, aber mit Geduld und Spucke funktioniert der Bums. Und das weitestgehend ohne Hauch eines systemischen Fehlers. In einer Art und Weise, die den Fokus auf die Beiträge legt. Oftmals sind die Vorlagen und Funktionsweisen bei SSGs auf Portfolio-Seiten mit angegliedertem Blog-Teil ausgerichtet, es ist dann eher ein Feature und soll anscheinend eher den Autor abfeiern. Nennt mich old-fashioned, aber bei einem Weblog geht es um Inhalte - nicht darum, dass der Autor einen tollen CV hat.

Dieses Blog gibt es in der Form seit über zwei Jahren, es durchlief verschiedene Iterationen und Innovationen, der Kern und die Infrastruktur blieben aber immer gleich. Obwohl ich kein Webdeveloper bin, bin ich mit der Seite an sich zufrieden. Mich wurmt eher die Abhängigkeit von GitHub, da ich das Thema Self-Hosting bisher noch nicht zufriedenstellend lösen konnte. Die Anleitungen dazu sind auch oft mangelhaft, bzw. setzen teilweise Kenntnisse voraus, die ich mir zeitbedingt nicht verschaffen konnte. So bleibt es erstmal bei GitHub Pages, zumindest bis ich den Dreh raus habe. Und das ist der Schlüssel: Geduld. Rom wurde auch nicht an einem Tag deployed.

Jedenfalls: Lieber Stefan, ich freue mich auf deinen Jahresrückblick - egal, mit welcher technischen Basis auch immer du ihn ins Netz bringst. Und ich würde mich auch freuen, wenn du noch mehr bloggen würdest. 😉

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