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Über die Gemeinsamkeit von KI-Nutzung und Fleischkonsum

16.05.2026

Unweit meiner Geburtsstadt ragt ein Moloch aus der Landschaft, er ist täglich Hinrichtungsort von tausenden Tieren. Wir bekommen das gar nicht mit, denn das Fleisch liegt ja abgepackt im Kühlregal. Manchmal sogar in den eigenen Darm zurückgestopft, unser Zynismus ist da grenzenlos. Was früher eine direkt moralische Angelegenheit war (“Wenn du am Sonntag Fleisch essen willst, musst du das Huhn auch schlachten.”), erledigt die Schlachtindustrie im Stillen. Dass der ganze Prozess mit Risiken (Hormone, Krankheiten und was weiß der Teufel noch) versehen ist, kümmert uns Menschen wenig. Umsonst ist nicht mal der Tod und wenn wir für Kolleteralschäden unangenehme Dinge übertragen können, warum nicht?

Das Gleiche vollzieht gerade KI an uns: Mit den vermeintlichen Segnungen kommen zig Nachteile im Gepäck. Wir verschleudern rares Gut wie Wasser, treiben Stromkosten in astronomische Höhen und geraten gerade in Gefahr, dass die Demokratisierung der Informationstechnologie versiegt. Waren Heimcomputer in den Achtzigern, PCs in den Neunzigern und Notebooks sowie Smartphones in den Nuller-Jahren Wachstumsgaranten und Ausdruck dessen, dass diese Technologie massenkompatibel und gesellschaftsfähig wurde, passiert jetzt das Gegenteil. Komponenten werden nur noch für Industriezwecke gedacht, der Privatkonsument ist jetzt lediglich Petent. Aber konsumieren soll er, denn das KI-Monster braucht ja Geld. Sonst gehen die utopischen Wetten nicht auf und die RAM-Bestellungen wollen ja bezahlt sein.

Auf seinem Blog hat Jan sehr eindrucksvoll beschrieben, welche Absurdität das Ganzen angenommen hat. Das Ergebnis ist, dass Jan jetzt keinen neuen PC bauen möchte. Weil das Hobby durch die Spekulationen Anderer kein Hobby mehr ist. Und weiter gedacht entziehen wir Kindern mit unserer kurzfristig gedachten Vision wichtige Bildung: Programmieren lernen? Brauchst du nicht mehr, es gibt ja KI. An Computern basteln? Nutzlos, du kannst dich ja auf Big Tech verlassen. Oder zu überteuerten Preisen ein voll verklebtes Gerät erwerben. Wenn dann nach drei Jahren was kaputt ist, kaufst du für noch mehr Geld halt ein gleiches oder schlechteres Gerät. Also je nachdem, was der Markt für dein Budget noch hergibt.

Gemästet wie noch nie, die Köpfe zugleich leer: Das ist die neue Realität. Wir überwinden Widersprüche, indem wir sie gar nicht mehr ernsthaft als Solche verstehen. Wozu auch, das Denken übernimmt jetzt irgendso ein Algorithmus. Und was der nicht gefragt wird, existiert halt auch nicht. Gemütlich haben wir es in unserer neuen Realität.

Und später wird gegrillt. Es gibt Fleisch.