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Hoffen auf Godot
Nach verheißungsvollem Beginn ist mein Blogging-Streak ziemlich abrupt abgerissen. Die Arbeitsthemen haben doch schnell die guten Vorsätze überlagert. Aber es ist nie zu spät, sich wieder reinzubeißen. Inzwischen ist der Februar auch schon so gut wie durch. Der Mensch wiegt bedeutungsschwer den Kopf und fragt sich, wie das denn schon wieder angehen könne. So reich wie das öffentliche Jahr schon wieder an Themen war, ist das Gefühl der Hirnschmelze gar nicht so abwegig.
Ist es für dieses Jahr schon zu spät für Hoffnung? Darf man überhaupt noch hoffen oder ist es eh gleich? Solche Fragen beschäftigen mich immer, wenn ich verschämt in die Nachrichtenlage wie in ein schwarzes Loch blicke und mir dabei leise die Frage vorlege, was denn diesen Planeten überhaupt noch vorm Auseinanderbröseln bewahrt. Hoffnung ist ein kunstvoll fabrizierter Wandteppich, den man sich vor die hässlichste Stelle der Realität hängt und dann langsam dabei zuschaut, wie der Teppich erst klamm, dann feucht und am Ende ein Herd des Schimmels wird. Weil das wenig überrascht, hat man aber gleich einen Ersatz griffbereit und so wiederholt sich das Ritual. Die Wand könnte man zwar sanieren, aber dafür muss der Nachbar mitspielen. Da beginnt oft für Viele das Dilemma.
Es gibt immer wieder Phasen, in der ich der Hoffnung erliege, mich an ihr labe. Ebenso die Momente, in der ich ihr entsage und mich im Zynismus über das Weltgeschenen ergehe. Ist es angebracht, dass ich Partikel im Universum alles verdamme? Ist es nicht eher richtig, dass ich meine Rolle akzeptiere und darauf hoffe, dass alles seine Form erhält, die Dinge in Ordnung kommen? Was ist mein Beitrag für eine bessere Welt und wie bringe ich den in Einklang mit meinen Verpflichtungen? Die Antworten sind nicht eindeutig, es gibt viele Optionen. Es bedaf aber auch Energie und den Willen, diese aufzubringen und sinnvoll zwischen den Prioritäten der Existenz zu verteilen. Hoffnung ist ein wirksames Substrat. Wenn man sie nicht in Godot investiert.
Fast forward
Schon ist wieder Donnerstag Abend. Über die Weltlage möchte man gar nicht nachdenken, dabei ist das sehr akut und beängstigend. Diese Gedanken müssen dringlich strukturiert werden.
Samstag lädt die Schwiegermutter zum Essen ins indische Restaurant. Gestern taten wir den ersten Blick in die Speisekarte, erstaunt waren wir über die Vielzahl von Gerichten mit Rosinen als Zutat. Uns war unklar, dass diese Frucht in der indischen Kulinarik eine derartige Rolle spielt. Jedenfalls werden wir vorbereitet sein, wenn es um die Speisenauswahl geht.
Wenn's beim Spam zweimal nicht klingelt
Der Tag begann sehr unterhaltsam mit einer Spam-iMessage, die von einem angekommenen DHL-Paket sprach und mich zum obligatorischen Linkklick aufforderte. Was der Mensch dahinter nicht beachtete, war die Klarmitteilung seiner Mailadresse. Phisher ist halt doch kein Lehrberuf.
Ansonsten ging es in verschiedenen Arbeitsterminen um wichtige Dinge, manchmal überrascht mich das Verve der Leute, mit der sie ihren persönlichen Einsatz verteidigen und nicht merken, dass es um die Sachthemen und nicht um ihre Motivation geht. Sich selber in dem Moment zurück nehmen, zuhören und Leute bestärken, die wesentlichen Dinge zu sehen, ist nicht immer einfach. Am Ende geht es aber immer darum, dass Sachen erledigt werden. Und da sind 80% eben mehr als 40%.
Insgesamt ist die Woche bisher aber noch entspannt, ich kann mich gut priorisieren und die Dinge zeitgerecht regeln. Ein Projekt mehr würde ich aber schon noch vertragen. Das regelt sich sicher aber bald.
Der Kaiser war sauber!
Der Nachteil (oder auch Vorteil) an der Rückkehr in die Arbeitswelt ist ja, dass man das Weltgeschehen manchmal nur sehr verzögert mitbekommt. Wobei ich immer noch nicht verstehe, warum Todesmitteilungen als Eilmeldungen getickert werden müssen. Die Person wird es sich ja kaum anders überlegen. Am Ende geht es ja nur darum, wer die Meldung als Erstes hatte. Modernes Aasgeiertum.
hdGDL
Der Tag beginnt mit einem Hupnkonzert der Bauern auf der Umgehungsstraße. Ich bin zu müde, um mich aufzuregen. Stattdessen nehme ich zur Kenntnis, dass der Kundenbesuch dank der GDL doch nichts wird. Auch dafür fehlt es mir an Elan für einen emotionalen Ausbruch. Seit der Pandemie begegne ich immer öfter publiken Ereignissen mit Gleichgültigkeit. Fühlt sich falsch an, ist es vermutlich auch. Aber ich investiere lieber die Kraft in Ereignisse, die ich beeinflussen kann.
Ansonsten war es ein entspannter erster Arbeitstag, ein paar Gespräche und einige Mails beantworten. Der Abstand tat mir gut, ich fühle mich ausgewogen und habe Lust, was zu bewegen. Der Kalender ist für diese Woche auch gut gefüllt, das ist aber ok. Mir ist es lieber, wenn was los ist und man nicht der Musik mühevoll hinterherlaufen muss, damit etwas passiert.