Seite 25
Sherlock Humbug
Manchmal kommen einfach Dinge zusammen. Seit dem Update auf 15.1 war die Kamera meines MacBook Pros ein rauschendes Erlebnis und es traf sich, dass die dreijährige Abschreibungsfrist für das Gerät ablief. Also gab es ein neues Gerät, das gerade frisch rausgekommene MBP mit M4 Pro-CPU. Eben jenes traf am Freitag Mittag ein und durchläuft seitdem die Einrichtungsroutinen.
Der Formfaktor ist 1:1 der Gleiche, was die Umgewöhnung natürlich wesentlich erleichtert. Positiv ist die kleinere Größe des Netzteils, absurd ist der Farbunterschied zwischen MBP und Netzkabel (schwarz) und Netzteil (weiß). Ja, ich weiß - CI und so. Aber es ist einfach immer noch dämlich. Neben dem neuen Tausendsassa-CPU kommt mein neuer Begleiter mit 24 GB RAM und einer 512 GB-SSD daher. Da viel auf shared folder bei mir läuft, werde ich den “Absturz” von einem Terabyte auf die Hälfte verkraften können. Den Wechsel habe ich auch zur Gelegenheit genommen, mich einiger App-Altlasten zu entledigen und nur das Nötige zu installieren.
Was etwas nervte: Es gab ein Buffer-Problem bei der Installation von Homebrew und dann ein Hostname-Fuckup im Terminal, der mich erst etwas ratlos hinterließ. Erst nach einigen Neustarts war das Problem behoben und ich konnte mit der Installation der Casks beginnen. Diesmal ist die Anzahl an Casks deutlich höher als beim Vorgänger, ich möchte sehr bewusst einen minimalistischeren Ansatz fahren und auch das Terminal stärker nutzen. Ansonsten bleibt mir nach dem ersten Tag nichts Anderes übrig, als “den Neuen” zu mögen. Sein Vorgänger hat mir sehr viel Freude bereitet und ich gehe davon aus, dass sich das auch mit neuer Hardware nicht ändern wird.
Warum Sherlock Humbug?
In unserem Netzwerk haben fast alle Geräte Namen von Figuren aus der Sesamstraße. Mein bisheriges MBP hieß zum Beispiel “grafzahl”, da es besonders analytische Aufgaben verrichtete. Da diese Aufgaben auch oft Sucherqualitäten nach den richtigen Datenpunkten erfordern, war die Sherlock-Figur der konsequente Nachfolger. Damit es sich bei eventuellen IT-Onboardings auf Kundenseite nicht zu albern anhört, bin ich auf die amerikanische Originalbenennung (Hemlock) gewechselt. Hemlock heißt übrigens übersetzt Schierling, welcher eine giftige Pflanze ist. Und damit hat das Gerät so ein bisschen Attitüde. Mag ich.
Novemberblues
Seit Sonntag ist der Himmel maximal bi-color: grau oder dunkel. Den Farbverlauf bei Tagesanbruch und Dämmerung kann man nicht zählen, da er ja maximal eine Mischung beider Farben ist. Das fehlende Tageslicht macht sich seit heute besonders bemerkbar - auch angesichts der Nachrichtenlage, die ich so gut es geht umschiffe. Wie auch alle User-generated-Content-Plattformen, die sich natürlich über Ereignisse auslassen. Es bleibt nur der Rückzug ins Private. Gute Gedanken sind in solchen Phasen so essenziell wie Luft und Wasser.
Freitag erwartet uns ein Paket. Ein altes Röhrenradio der Marke Telefunken (Modell Largo 1253) ist Sonntag nach einem kleinen eBay-Krimi in unseren Besitz übergegangen und wartet in Franken durch die Bearbeitung durch DHL. Der Plan ist, das Radio mit einem Bluetooth-Vorverstärker ausgestattet streamingfähig zu machen. Da das Gerät ein Allstromer ist, möchte ich ungern viel intern basteln und löse das lieber durch den externen Zuspieler. Wir hoffen jetzt, dass das Radio am Freitag da ist und alles so läuft wie wir uns das vorstellen. Jedenfalls bin ich schon sehr gespannt und voller Vorfreude.
Ansonsten lautet die Prämisse Überleben, den täglichen Wahnsinn nur dann annehmen im Falle unmittelbarer Betroffenheit. Es fühlt sich wie ein mentaler Winterschlaf an, ist es vermutlich auch. Tee und Jazz für das innere Gemüt und darauf hoffen, dass die Stürme weiterziehen.
Neues aus der Straße
Eine mir lieb gewordene Sache des Jahres 2024 ist die Mitgliedschaft bei UberBlogr geworden. Inzwischen bin ich über ein halbes Jahr dabei und immer noch fasziniert, wie dieses Konzept in Zeiten von Defragmentierung von Kommunikation durch Social Media immer mehr Relevanz gewinnt. Es braucht aber einen Platz für aufgeräumtes Teilen von Perspektiven, für die Manifestierung der Gedanken durch das Ausformulieren und Publizierern, für bedenkenswerte Inhalte. All das gibt es bei den teilnehmenden Blogs.
Der Ring hat inzwischen 87 Mitglieder, Tendenz steigend. Natürlich habe ich Favorit:innen, bei denen ich öfter vorbeischaue und nicht alle Blogs kann ich in der Tiefe verfolgen, die sie verdient haben (aber ich schaue immer wieder rein, versprochen). In aller Vielfalt, die die Mitglieder mitbringen, entdecke ich aber auch Gemeinsamkeiten in Interessen und Themen, die behandelt werden. Für mich ist es in all dem Schlamassel, der uns als Gesamtgesellschaft auf der Erde tagtäglich passiert, ein positiver Gedanke, dass andere Menschen “so ticken” wie ich oder zumindest es vergleichbare Elemente gibt. Zusammengehörigkeit definiert am Ende doch und nachdem das Internet in vielen Belangen nicht mehr der flauschige Hort vergangener Tage zu sein scheint, ist UberBlogr für mich ein echtes Stück gelebte Gemeinschaft.
Möge dies noch lange so bleiben - es würde mich sehr freuen.
Der Albatros
Als der Regenbogen verblasste
da kam der Albatros
und er trug mich mit sanften Schwingen
weit über die sieben Weltmeere.
Behutsam setzte er mich an den Rand des Lichts.
Ich trat hinein und fühlte mich geborgen.
Ich habe euch nicht verlassen,
ich bin euch nur ein Stück voraus.
(unbekannt)
Noch 75 Tage
So langsam vergegenwärtigt sich uns allen, dass das Jahr nun in die Endphase einbog. Das Laub nimmt andere Farben an oder wirft sich schon in ersten Chargen ab, die Temperaturen senken sich und die Tageslichtphasen verkürzen sich immer stärker. Heißgetränke mit Kürbiszusatz verkaufen sich trendgemäß, der goldene Oktober wird gelebt. Man könnte eingehen vor Gemütlichkeit.
Mir kann der Jahresausklang gar nicht schnell genug gehen. Speziell die Jahresmitte war so kräftezehrend, dass ich mich in die letzten zehn Wochen eher schleppe als diese energisch zu bestreiten. Gerade in einer Phase wie jetzt, in der etwas Tempo rausgenommen scheint, spüre ich eine Ermüdung - körperlich und mental. Im Spiegel sieht man das deutlich, die Augenringe sprechen mich hämisch an und im Bart tummeln sich weiße Haare. Die Schläfen wirken auch etwas farbloser, 2024 hat Spuren hinterlassen. An mir, in mir. Und auch an und in denen, die mir am Liebsten und Nächsten sind.
Sich ins neue Jahr sehnen hielt ich immer für eine sentimentale Verblendung. Es wird ja nicht automatisch alles besser, weil die Jahreszahl sich um einen Wert erhöht. Der Realist in mir hat diese Geisteshaltung immer mit Skepsis beäugt. Für den kommenden Jahreswechsel bin ich jedoch bereit, diesem Denken eine Chance zu geben. Gar nicht aus einer supi-dupi-Mindset-Überlistung heraus, sondern weil ich einen Abschluss mit den Dingen brauche, die mir, die uns dieses Jahr so zugesetzt haben. Chancen für eine Reflexion, Hoffnung auf einer Erleichterung in den Themen. Etwas mehr Gelassenheit, weil nicht gleich sofort Eskalationsgefühle durch den Kopf spuken.
Ich habe nicht die Erwartung, dass mit dem 1.1. gleich alles gut wird. Das wäre auch eine vermessene Anspruchshaltung. Ich hätte einfach nur gerne das Gefühl, dass sich das kommende Jahr mehr gestalten lässt. Und wann lässt sich das besser fühlen als zum Jahresbeginn? Eben! Deswegen: 2024, bitte rausche weiter so durch wie bisher - ich habe nichts dagegen.