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Inhousing schwer gemacht

Beim aktuell sonderlichen Gebaren reicher amerikanischer Digital-Unternehmer tut man ja gut daran, möglichst viel seiner privaten Angelegenheiten gar nicht erst in Clouds zu lagern. Ich bin seit einigen Wochen mit einem Homeserver ausgestattet und migriere gerade Stück für Stück Fragmente meines Lebens, geteilt auf für mich nicht direkt administrierbaren Systemen in meine private Infrastruktur. Dazu gehört auch das leidige Thema Notizen, das ich besonders im vergangenen Jahr reichlich nutzte.

Zuletzt habe ich das sehr schön mit Bear umgesetzt. Nachteil ist, dass alles über iCloud abgewickelt wird. Gestern wurde ich per Mastodon-Timeline auf 1Writer aufmerksam, dass sogar mit WebDAV arbeitet und über all meine Geräte funktioniert. Mit dem Homeserver also zügig eine WebDAV-Umgebung geschaffen und auf Hemlock alles eingerichtet. Dann war das iPhone dran. Bei der Einrichtung von WebDAV lädt die gleiche App sich tot. Auch mit Abbruch durch Schließen der App oder Neuinstallation keine Chance. Mal abgesehen davon, dass iOS selbst ohne Hilfsmittel WebDAV überhaupt nicht beherrscht.

1Writer ist also durchgefallen und ich suche nun eine andere verträgliche Lösung. Haptic habe ich probiert, das ist aber noch sehr rudimentär. Hedgedoc möchte ich ungern verwenden, weil ich das native App-Feeling haben möchte. Also muss ich jetzt den Markt sondieren und den bestmöglichen Kompromiss identifizieren. Technik löst am Ende doch nur Probleme, die man ohne sie nicht hätte.


Die Purge beginnt

Scheinbar habe ich meinen privaten Meta-Abschied keine Sekunde zu spät eingeleitet, Mark Zuckerberg hat seine Firma binnen fünf Minuten zielsicher und in Hochgeschwindigkeit Richtung Erdkern ausgerichtet und laut Google Search Trends erkennen immer mehr Menschen die Zeichen der Zeit. Der Mensch wird leider immer noch nur dann schlau, wenn das Haus brennt. Aber dass er schlau wird, ist immerhin ein Gewinn.

Die Idee, die ich vor ein paar Tagen hier kryptisch andeutete, ist in den letzten Tagen sehr konkret geworden. Es tun sich gerade so viele positive Entwicklungen auf, dass ich fast zu träumen glaube. Zwei direkt gefundene Mitstreiter (Carsten & Marius, wir haben einige Biere darauf zu trinken!), viel Zuspruch und hilfreiches Teilen, Kontakte mit widerum unterstützenden Verbindungen. Das ist alles nicht zu fassen und ich bin sehr froh, dass dieser kleine Gedanke, der mich seit Monaten immer wieder kitzelte, ein erreichbares Ziel zu werden scheint. Nicht morgen, nicht übermorgen, aber der Weg dahin materialisiert sich Stück für Stück. Eine Reise, die es zu unternehmen lohnt.

2025 wird das Jahr, in dem wir uns das Internet zurück holen. Ich freue mich darauf.


Zerfallserscheinungen

Wohin man auch schaut, erblickt man Zerfaserung. Sei es politisch, sei es bei alltäglichen Geräten des Haushalts - selbst an mir nagt der Zahn der Zeit. Seit Tagen plagt mich ein Schmerz im Nacken, der nun in den rechten Arm wanderte. Das muss dieses Älter werden sein. Herrlich und das perfekte Sinnbild für all das, was im Außen passiert.

Die Philetta traf gestern ein, wir sind noch zögerlich mit unserem Fazit. Das Gehäuse hat den Transport nicht gänzlich überstanden, es brach ein Stück raus. Auch die Skalenbeleuchtung ist defekt, zumindest eine Lampe. Ins Innere habe ich nur reingeleuchtet, es sieht sehr staubig aus. Scheinbar haben wir unser Glück beim Largo direkt aufgebraucht. Positiv ist, dass der Klang sehr gut ist und das Innere wohl nur altersbedingte Wehwehchen haben könnte. Alles Weitere wird sich in Ruhe entscheiden, Ersatzteile sind ja auch eine Wissenschaft für sich bei einem Gerät, dass in Menschenjahren betrachtet seinen Ruhestand genießen könnte.


Unsocial your media

Ich habe es getan, Freitag Mittag habe ich meinen Instagram-Account zur Löschung angemeldet. Wenn ich mich nicht mehr anmelde, ist der Account am 2.2. endgültig weg und ich habe auch nicht die Absicht, daran etwas zu ändern. Auf den Post, den ich kurz vorher zu meiner Absicht teilte, erhielt ich positives Feedback - das ermutigt mich in meiner Fediverse-Idee umso stärker. Parallel ging durch die Presse, dass Meta zu Forschungszwecken entwickelte KI-Bots, die auf Instagram posteten und interagierten, aufgrund massiver User-Beschwerden deaktivierte. Diese Bots konnte man anscheinend weder muten noch blocken, was die Schar der noch aktiven Nutzer:innen anscheinend verärgerte. Von außen betrachtet bleibt aber nur zu konsternieren: Die Purge dort beginnt, man sollte sich dort ausklinken.

Ansonsten hat die aktive Faslamsphase begonnen, dieses Jahr wird unser Wagen den Faslam auf den Mars verlegen. Allerdings ohne Musk, dafür mit fröhlichen Astronauten und Marsianern. Erste Elemente sind schon gebaut, wir sollten diesmal gut durchkommen. Die Gruppe ist auch um zwei Mitglieder gewachsen, das schafft natürlich mehr helfende Hände. Jetzt heißt es auf den Höhepunkt Faslamsumzug am 1.2. hinzuarbeiten.

Die Liebste hat mir noch zwei Fotos vom Neujahrsgang für das Blog gestiftet, zunächst die niedersächsische Tristesse in ihrer ganzen Pracht. Dann noch der Humanismus neuer Art im Umgang mit der Umwelt.


Leichtgesinnte Flattergeister

Der Einstieg in berufliche Alltäglichkeiten gelang erstaunlich leicht, anscheinend ist der überwiegende Großteil meinem Beispiel noch nicht gefolgt und behält sich das für noch kommende Tage vor. So hatte ich Zeit, lästige administrative Aufgaben zu erledigen und mir Gedanken über ein Onboarding zu machen. Mal in Ruhe etwas durchdenken, gar nicht so typisch in der Hektik der täglichen Mühen.

Gestern erstand die Liebste ein weiteres Röhrenradio, diesmal eine Philips Philetta aus dem Jahre 1957. Mein bereits erfolgreich verprobter Trick vom Largo funktioniert nicht, denn die Philetta hat keinen DIN-Anschluss. Stattdessen hat es einen Tonabnehmerstecker, auch als Phono-NF bekannt. Der Haken ist, dass diese Stecker mittlerweile antiquaren Status genießen und die damalig führende und erfindende Herstellerfirma längst verkauft und zerschlagen wurde. Die Stecker selbst gibt es zu Mondpreisen bei einschlägigen Portalen, man muss dann aber selber bestücken und polen. Alternativ könnte man auch mit Bananensteckern arbeiten, der eigentliche Stecker hat aber zusätzlich einen Massepol, den man versorgen muss.

Alles in allem wird das also eine Herausforderung, zunächst muss das Gerät aber ankommen. Dann kann ich mir die Anschlusssituation nochmals richtig besehen (die verfügbaren Bilder im Internet sind grauenhaft, anscheinend fotografieren die Sammlerpuristen gerne mit 100x100 Pixeln) und weitere Schritte überlegt einleiten. Letztendlich erinnert die Situation aber daran, wie viel Glück wir mit unserem ersten Radio haben, das ein Schnapper war und sich im hervorragenden Zustand (gemessen an seinem Alter) befindet. Aber der Mensch lernt ja am Besten durch Beschäftigen mit einer Situation.

Ach ja, der Titel: Gestern entdeckte ich einen Führer durch das Kantatenjahr mit Bach, für einen sehr bestimmten Sonntag im Februar (ja, genau der) steht die Kantate “Leichtgesinnte Flattergeister” (BWV 181) als mögliche Beschallung zur Disposition. Die Kantate ist mittlerweile 300 Jahre alt, der gute alte Johann Sebastian bewies aber einen Weitblick seinesgleichen. Er muss wohl Zyniker gewesen sein.


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