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18.09.2025

Als ich Montag den Text zum Festplatten-Link fertigte, schoß mir eine Remineszenz an meinen ersten Computer durch den Kopf. Das ist schon wirklich sehr lange her (wir reden von einem Zeitraum von 30 Jahren), aber ich will trotzdem versuchen meine Erinnerungen zu fokussieren.

Das Gerät stammte von einem kleinen PC-Dienstleister an der niedersächsisch/ostwestfälischen Grenze, es gibt ihn schon lange nicht mehr. Es handelte sich um einen sogenannten Big Tower, vier Laufwerkschächte für CD-Laufwerke, zwei für Disketten. Belegt war nur ein Diskettenschacht, im zweiten Schacht saß die Festplatte. Es gab nicht mal eine Soundkarte, sondern nur den PC-Speaker. Der Prozessor war dafür ein lupenreiner 586er, den ich mit (natürlich immer eingeschalteten) Turbo-Schalter auf wahnsinnige 133 Mhz beschleunigen konnte. Installiert war Windows for Workgroups 3.11 und im Boot-Menü waren vorinstallierte DOS-Spiele (wie Battle Chess und Commander Keen) wählbar. An den RAM kann ich mich nicht mehr erinnern, aber an diesen typischen Schalter mit dem satten Klick. Dem Hochdrehen des Lüfters und dem aggressiven BIOS-Check-Ton. Der unsäglichen VGA-Grafik auf einem 14 Zoll-Monitor.

Im Prinzip war das Gerät für mich völlig überdimensioniert und ich habe sehr oft die Software geschrottet. Aber genau so habe ich auch eine Soundkarte (Soundblaster 16) und ein CD-Laufwerk (keines mit mechanischem Ausfahren, ich musste die Blende eindrücken, dann schob sich der Schlitten raus und ich konnte wie bei einer Musikanlage eine Klappe öffnen) eingebaut. Internet hatte ich keins, aber viel Software - dafür keine wirkliche Anleitung und viele Ideen. Die Maus hatte kein Scrollrad, aber drei Tasten. Die Tastatur war mechanisch, beides wurde mit DIN und COM1 angeschlossen.

Der Gedanke an diesen Computer ist purer Anachronismus, ein völlig aus der Zeit gefallenes Gerät, welches ständig etwas störrisch war und zwischendurch auch mal ein Jahr unbenutzbar, weil ich wieder etwas an Windows zerstört hatte und mich der Beichte nicht traute. Aber es war mein Computer, mein Tor zu einer neuen Welt. Anfang der 2000er bekam ich ein neues Gerät mit Windows XP und Core2Duo-Prozessor, das war ein Quantensprung. Der alte PC wurde dann verschrottet, ich bin heute darüber sehr traurig. Aber andererseits bleibt die Erinnerung an eine sehr coole Zeit. Schön wars.

14.09.2025

Der Versuch einer Reflektion der Kalenderwoche 37/2025

Montag kam das Paket mit den Hinterlassenschaften von Onkel Roger an. Alle gelisteten Sachgegenstände waren eingepackt, die alten Pässe und Dokumente aber nicht dabei. Für uns war das ntürlich eine Enttäuschung. Ich habe dem australischen State Trustee direkt eine Mail nachgesetzt, bisher aber keine Reaktion erhalten. Meine Vermutung ist jedoch, dass wir keine Antwort bekommen werden. So bleiben die Rätsel wohl auf ewig Mysterien.

Der Rest der Woche war sehr arbeitssam, zwischendurch erfreute die Liebste uns mit Mini-Amerikanern. Deren Teig war exakt genau so, wie sie meiner bescheidenen Meinung nach ideal schmecken. Ansonsten habe ich abends wieder eher alte Dokus gesehen und mein Hirn mit mehr oder weniger nützlichen Infomationen vollgepresst. Eine kleine Entdeckung der Woche möchte ich aber gerne mit euch teilen.

Das Lied “Somewhere Over The Rainbow” hat spätestens seit der Beerdigung meines Vaters eine tiefere Bedeutung für mich, damals wurde es in einem Arrangement von Glenn Miller und seinem Orchester gespielt. Dienstag entdeckte ich eine Version von Keith Jarrett, die er bei einem Konzert in München spielte. Mich hat seine Fassung sehr berührt und seitdem lief sie öfter auf meinen Kopfhörern. Vielleicht mag sie für euch auch in welchem Zusammenhang auch immer tröstlich oder versöhnlich sein.

12.09.2025

Eigentlich wollte ich nur schnell die CSS fixen. Auf einmal konnte ich keinen Build auslösen. Und schon ging der Nachmittag für ein elendes Fixing dahin. Ich habe vier Stunden gebraucht, um alles wieder auf Position zu drehen. Das Theme ist im Wesentlichen neu gebaut. Und was war der Auslöser?

TOCSS, eine ältere Funktion, die eigentlich seit Hugo-Version 0.128 abmoderiert ist. Irgendwie ging es bis jetzt immer. Dann auf einmal nicht mehr. Und mein Backup war korrupt. Vor meinem geistigen Auge zogen drei Jahre Loggbok leise kichernd davon und der Gedanke hielt Einzug, dass ich das alles nicht wieder retten könnte. Am Ende hatte ich aber hier und da Fragmente, die mir bei der Wiederherstellung halfen. Und jetzt wird das Backup doppelt und dreifach gesichert. Man lernt ja immer erst dann, wenn es knallt.

07.09.2025

Der Versuch einer Reflektion der Kalenderwoche 36/2025

Fast genau 168 Stunden später beginne ich wieder mit einer Wochenretrospektive, was für ein Zufall. Scheinbar geht mir das Format bereits ins Muskelgedächtnis über. Beruflich war die Woche voller nervenaufreibender Kleinigkeiten, daher hier sehr bewusst ausgeklammert. Im Privaten verfolgte ich die Ankunft des Pakets mit den Hinterlassenschaften von Onkel Roger über die DHL-App. Montag landete das Paket in Frankfurt, lag dann vier Tage im Zoll, pendelte zwei Tage im Frankfurter Umland und hat gestern morgen nun Hamburg erreicht. Das bedeutet, dass ich morgen nach Übergabe der Einfuhrgebühren an den Paketboten die Sachen in Händen halten werde. Mir steht dieser Moment etwas bevor, aber andererseits haben wir ein Jahr darauf gewartet und nun ist es soweit. Also sollte ich eher Freude als Scheu empfinden.

Mein Lesekonsum war diese Woche aufgrund der Arbeitsbelastungen nicht existent, das muss ich nach dem Kochen nachholen. Für meine Erfahrungen in dem Segment gibt es seit vorgestern eine /slash-Page, bereits von Leser:innen registriert. Wieder so ein charmantes Feature an eigenen Seiten, man hat solch eine Idee und macht das dann einfach. Ansonsten habe ich mich nochmals und aus meiner Sicht abschließend zu der immer noch anhaltenden Metadiskussion um Blogs geäußert und dazu sehr werthaltiges Feedback erhalten. An dieser Stelle herzlichen Dank dafür, es gab damit verbunden auch erfreuliche Überraschungen, wer hier so mitliest. Und das ist ein weiterer guter Grund gegen Analytics, diese Überraschungen sind viel zu wertvoll als sie im Voraus berechnen zu wollen.

Dennoch möchte ich nicht versäumen, auf zwei sehr gute Beiträge Anderer zu verweisen, die sich dem Thema annehmen. Zum Einen Jürgen mit einer Einordnung der Wirkung von vermeintlicher Provokation und dann liefert mthie ein Plädoyer für “agree to disagree” und gegen das unerbittliche Führen von Diskursen zu Meinungsgegensätzen bis zur Ermüdung der Umwelt. Beide Artikel sind lesenswert, bitte schaut bei den Kollegen vorbei. Damit ist zu der Thematik (nach meiner Einschätzung) wirklich alles gesagt und ich bin der Hoffnung, dass wir nun den Blick wieder voneinander lösen und auf Themen richten können.

Genießt den aufkommenden Herbst, wir haben eh keine wirksame Möglichkeit des Ausweichens!

Vielleicht liegt es an meiner Erziehung, vielleicht aber auch an Einsichten meines bisherigen Lebens. Jedenfalls ist mir klar, dass mein Blog keinerlei Relevanz für irgendjemanden hat - abgesehen von mir. Daher verzichte ich sehr getrost auf Reichweitenmessungen jeglicher Art. Selbst wenn nur eine Person das hier lesen würde, wäre für mich die Hingabe gleich der als wenn einhundert Personen lesen würden. Weil das hier mein Hobby, mein Ventil und am Ende auch die Gegenüberstellung mit meinen Gedanken ist. Das ist der spannendeste Part an Loggbok - werden meine Ansichten auch in Jahren noch bestehen? Werden sie den Prüfungen der Zeit - auf Mikro- wie auf Makroebene Stand halten?

Das macht für mich Bloggen aus. Ein Prozess der Auseinandersetzung mit mir selbst und meiner Perspektive auf die Dinge, die ich erlebe und fühle. Dargeboten in einer Form, die ich als zweckmäßig erachte. Getragen von wenigen, aber sehr ehrlichen und konstruktiven Feedbacks. Come to my cozy place, we can have a cup of tea. So fühlt sich Loggbok an und ich mag es. Sehr sogar. Durch die angesprochenen Feedbacks weiß ich, dass Andere diesen Angang mögen. Und das ist für mich völlig ausreichend. Ich schreibe auch nicht, was gefällt. Sondern was mich beschäftigt. Denn nur so funktioniert Loggbok für mich. Durch Fokussierung auf das Wesentliche.

Mir ist völlig klar, dass dieser Ansatz lediglich für mich allein trägt. Dass Loggbok gewissermaßen die Free Jazz-Kombo am verkaufsoffenen Sonntag darstellt, bei der nicht jeder stehen bleiben mag. Das ist völlig ok so. Genau so wichtig finde ich es, dass es die anderen Richtungen gibt, denn nur durch Vielfalt erreicht das Blog-Universum Relevanz. Die Magie liegt jedoch darin, dass wir uns die künstlerische Freiheit zugestehen. Meine Band besetze ich nach meinem Gusto, ich nutze die Instrumente mit den mir gefallenen Tonfolgen. Nur so entsteht Neues.

Aber am Wichtigsten: Ich nehme mich und meine Töne nicht zu ernst. Nicht alles von mir ist geistreich, richtig oder witzig. Und ob es als gelungen verstanden werden kann, ist eine ganz andere Frage. Aber das ist meine Komposition und ich liebe jedes Detail.

Durch die immer wieder aufflammenden Diskussionen um den Markenkern eines Blogs fühle ich mich etwas auf Abstand, auch zu meinem Produkt. Es wird nach meinem Gefühl die ganze Zeit ein Standard herzustellen versucht. Besonders geärgert haben mich Thesen, dass ein Blog ohne Kommentarfunktion kein Blog sei. Es wurde sogar in Zweifel gezogen, dass man solches Werk publizieren müsse und das lieber mit und für sich ausmachen solle. Derartige Verdikte sind anmaßend, mit welcher Mandatierung wird sowas geäußert? Ich empfinde es als fortgesetzten Nachbarschaftsstreit, nur im digitalen Raum. Ohne einen Funken inhaltlichen Gewinn, rein auf eine anekdotische Evidenz beruhend. So machen wir uns die Freude an Blogs nur unnütz madig.

Ich plädiere für weniger Metaebene, lasst uns Blogs durch Inhalte definieren und stärken. Genießen wir die paradisische Irrelevanz und lassen uns von der damit verbundenen Opportunität leiten, Regeln zu brechen. Frech und geistreich zu sein, Kluges und Provozierendes zu teilen. Unser größtes Pfund ist die schiere Unendlichkeit an Gestaltungsmöglichkeiten, mit der wir unsere Blogs ausstatten können. Und lasst uns zu althergebrachten KPIs wie Reichweite eine ironische Distanz schaffen, sie sind am Ende des Tages gar nicht so viel wert.

Denn es ist nur das Internet.

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