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Mein Vater wurde 1934 geboren und wuchs während des zweite Weltkriegs auf. Auf seiner Insel bekam er keine unmittelbaren Gewalthandlungen mit. Jedoch als Kind übers Radio zu hören wie die Welt in Flammen steht, musste Einfluss auf ihn gehabt haben. Dann begann das, was wir in der Geschichtsschreibung als kalten Krieg kennen, die Aufteilung von Interessengebieten zwischen Großmächten. Mit dem Zusammenbruch des sowjetischen Blocks 1989-1991 hatten wir die Hoffnung verknüpft, dass wir nie wieder in solch eine Situation gelangen und Freiheit in Frieden unser aller Bestreben sein wird.

Nun scheint sich wieder eine Hemisphärenaufteilung zu ergeben und wir schauen alle fassungslos zu, wie Menschen mit einer sehr eigennützigen Agenda ihre Vorstellungen umsetzen bzw. bekunden. Waren wir zu naiv? Haben wir zu sehr auf Diplomatie und die Macht der Einsicht gehofft? War die Wende eine Illusion? Ich würde all diese Fragen aus meinen Überlegungen heraus mit einem Nein beantworten. Aber für gemeinsame Friedensordnung braucht es ein Zielbild und Konsequenz.

Churchill hatte dies nach dem Krieg mit den Vereinigten Staaten von Europa vorgedacht. Für diese Vision gab es aber nicht den nötigen Rückhalt, stattdessen gibt es eine Europäische Union. Mit der viele Menschen unglücklich sind, weil sie die EU als rein regulatorische und damit intransparente Institution begreifen. Dabei ist ein geeintes Europa der Schlüssel zur Souveränität, der uns vor den Interessen Einzelner stark macht. Stattdessen sind wir auf das Wohlwollen von diesen Menschen angewiesen. Weil wir diese Souveränität nicht mit voller Konsequenz wollten.

Einen nicht unerheblichen Teil seines Lebens verbrachte mein Vater im Dienst des britischen Militärs. Er sah die Welt, aber auch den Horror in Nordirland Anfang der 70er. Über diese Erlebnisse sprach er nicht, aber die Andeutung löste in mir das Gefühl aus, dass niemand solche Dinge erleben darf. Dass wir es besser machen müssen. Seine Welt war eine, die im Chaos begann und langsam friedlicher wurde. Wir scheinen gerade Zeuge einer gegenteiligen Entwicklung zu werden. In einer Welt geboren, in der alles möglich war und Verständigung (fast) allerorten herrschte. Die nun Stück für Stück in Erosion begriffen ist.

Ich möchte nicht eines Tages im dem Bewusstsein von der Welt gehen, sie so zu verlassen, wie mein Vater sie vorgefunden hat.

08.01.2026

So ein Blog ist ja vor allem auch Ort der selbstreflektierenden Dokumentation. Dazu gehören dann auch Dinge wie App Defaults oder /uses oder wie auch immer das Kind genannt wird. Nachdem Robert, Thomas, Markus und ich unseren derzeitigen Stand niedergeschrieben haben, kommen jetzt Beiträge, dass das Publizieren ja unsicher sei. Oder sinngemäß wir Wasser predigen, aber Wein saufen würden.

Ich hatte ja im letzten Jahr beschrieben, dass sich meine Fähigkeiten in den letzten Monaten auf diesem Gebiet verändern, aus meiner Betrachtungsweise zum Positiven. Daraus resultiert, dass Dinge im Umbruch sind. Dass sie jetzt so sind, aber in Zukunft anders sein werden. Weil ich daran arbeite. Aber eine Liste wie die App Defaults dokumentiert das Jetzt. Ich finde es wenig hilfreich, ungelegte Eier zu beschreiben. Dann das ist wirklich unsicher, nicht unbedingt einen Status Quo zu beschreiben.

Genau so trifft das auch auf den Vorwurf der Bigotterie zu. Ich bin seit bald achtzehn Jahren Mac-Nutzer. Daraus entsteht eine gewisse technische Basis, die man nicht von heute auf morgen, sondern nur schrittweise abbauen kann. Das kann man mit einem Umzug des Haushalts vergleichen. Wie viel Mist sammelt sich über die Jahre an? Eben. Manche Menschen können sowas schneller, andere machen es eben in dem Tempo, das zu ihrem Leben passt. Außerdem hält die Flexibilität im Wechsel zwischen verschiedenen Betriebssystemen den Geist beweglich.

Am Meisten erstaunt mich, wenn Kritik von Menschen kommt, die entweder aus der bequemen Position der Anonymität oder in einer rein dem absolutistischen Gedanken entspringenden Form schreiben. In einen sachlichen Diskurs zu kommen ist nicht von Interesse, es muss gleich die maximale Gegenposition besetzt werden. Welche Hintergründe es haben mag, völlig gleich. Sowas nutzt niemanden, es verhärtet nur Fronten oder kappt die Dialogfähigkeit.

Vielleicht gehen wir alle mal in uns und überlegen, ob diese Form des Diskurses die ist, die uns alle zufriedener und glücklicher macht. Und wenn nicht, freue ich mich über einen konstruktiven Austausch per Mail. Also wenn euch das nicht zu unsicher ist. 😉

Die Blogszene neigt ja gern dazu, Definitionen formulieren zu wollen. Geneigte Leser:innen wissen, dass ich dem kritisch gegenüber stehe. Denn nur aus Vielfalt entsteht, was Blogs lesenswert und damit bereichernd macht. Das sehen erfreulicherweise auch geschätzte Bloggende so, hier eine Auswahl an sehr guten Texten in diesem Zusammenhang:

  • Thomas Gigold malt ein wunderbares Bild, wie 2026 das Jahr der Blogs und anderen Biotope werden und die Macht der Social Media Networks alter Schule vergehen können. BRING MICH HIN
  • Jan Montag verfestigt den Kunstbegriff in Zusammenhang mit Blogs und bringt ein Vivat auf die Kleinode im Netz, die sich durch eine individuelle Gestaltung und erzählten Geschichten auszeichnen. BRING MICH HIN
  • Maurice Renk fragt, warum noch bloggen. Die Antwort liefert er praktischerweise gleich mit: Lautes Denken ist nämlich effektiv. BRING MICH HIN
  • Literarisch bringt es der unvergleichliche Hulot auf den Punkt, der viele Frösche am Teich ausmacht. Die alle für die biotopische Vielfalt einstehen und das Internet zu einem besseren Ort machen. BRING MICH HIN

Wenn das nun eine Standortbestimmung sein soll, wie sie gerne immer wieder postuliert wird, muss ich sagen: Sie gefällt mir und deswegen ist mir nicht bang um das Blogschutzgebiet. Wir sollten nur alle miteinander drauf achten, dass Konformität genau das ist, was diesem Lebensraum auf Dauer schadet. Wer mag schon jeden Tag das Gleiche lesen und in Designs wiedergegeben sehen?

Heute ist der erste Digital Independence Day, kurz DIDay. Was sich in den letzten Monaten als leichter Wind durch das Internet trug, soll durch die regelmäßige Wiederholung am ersten Sonntag des Monats verstetigt werden. Im Zuge der Initiativenverkündung und des Zeitstrahls bis heute habe ich verschiedentliche Bedenken zur Kenntnis genommen, unter Anderem:

Die Kurzfristigkeit der Verkündung, das Testimonial, den Ort und die Form der Verkündung, den Namen des Ganzen, Kritik an den ersten Rezepten. Dazu kommen jetzt noch Menschen im Fediverse, die den bereitwilligen Wechselnden erstmal lang und sehr belehrend erklären, was sie falsch machen würden, die falsche Instanz z.B. oder dass sie Software A für den Zweck nutzen würden, den Software B erfüllen soll.

Was mich dabei erstaunt: All diese Menschen wollen im Kern das Gleiche: Die Stärkung demokratischer Strukturen durch Nutzung freier Software. Damit das funktioniert, müssen Leute erstmal dort ankommen. Und das funktioniert über niedrigschwellige Angebote. Dabei werden die neu hinzukommenden Nutzer:innen zwangsläufig Fehler begehen, weil sie es nicht besser wissen und oft durch Impulse in die für sie neue Welt stolpern. Die ersten Erfahrungen werden durch Besserwissertum und daraus resultierender Arroganz sofort im Kern negativ und die wichtigen Bemühungen sind zunichte gemacht. Das Schlimme: Negative Erfahrungen tragen sich immer mehrfach weiter.

Unsere Aufgabe als erfahrene Nutzer:innen ist nicht die der Maßregelung und zusätzlichen Verwirrung. Es ist die der offenen Arme, hilfreichen Kommentare und unser Wissen zu teilen. Menschen sind vielfach offener und neugierig auf die terra incognita, wenn ihnen Hilfe zur Selbsthilfe gegeben wird. Dabei sollten wir uns auf das fokussieren, was Menschen für den Start hilft, damit sie Lust aufs Weiterentdecken haben. Das ist nach meinem Verständnis Ziel des Digital Independence Days und darum unterstütze ich diese Initiative.

Lasst uns für ein besseres und gestärkteres Internet einstehen und denen helfen, die das auch möchten.

Ich bin ehrlich, auf den großen Jahresfragebogen habe ich keine Lust. Dafür war das Jahr auch zu sehr von Arbeitsdingen und latenter Sorge um die Existenz geprägt, immer mit so einem “ging ja nochmal gut” garniert. Darauf zurück blicken finde ich müßig. Aber es gibt so ein paar Stichworte, die ich doch nennen mag:

Faslam auf dem Mars, der Abschied von Müppi, die Rückkehr in die Partei und der Blitzeinstieg in Vorstandsarbeit duch Kooptierung, die ausgesprochene und dann zurück genommene Kündigung, das Miniatur Wunderland, Himmelfahrt in Hoopte, die Schwimmausflüge in die Insel, die immer noch andauernde Kochchallenge, wirklich tolle Feedbacks zu Loggbok und dessen drittem Geburtstag, tolle Leute über UberBloger kennengelernt, weiße Haare im Bart bekommen, den Homeserver gemeistert, die RSS News und der Plakatfinder, das Sommerfest und das Grünkohlessen, Maronenschnaps in Pattensen, ein ganzes Jahr Webkram-Pingpong mit Stefan, die schottischen Geschenke zu Weihnachten, der IRC-Channel.

Ein Jahr voller Facetten, Farbtupfer und Sprenkel. Danke, dass ihr Teil davon wart. Ich wünsche euch, dass ihr einen entspannten Übertritt in die Zukunft namens 2026 habt.

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