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Achtunddrei├čig.

In wenigen Stunden ist es soweit, mein Geburtstag j├Ąhrt sich auf ein Neues. Ab morgen kann ich in aller Sachlichkeit von mir behaupten, dass ich jetzt Ende Drei├čig sei. Und irgendwie f├╝hlt es sich nicht so z├Ąsurartig an wie Anfang drei├čig. Im Gegenteil, mit jedem Jahr mehr stellt sich eine immer tiefer werdende Gelassenheit ein. Weil bestimmte Werte doch nicht selbige sind und Zeitgenoss:innen, denen man vor Jahresfristen noch andichtete, dass sie ihr Leben ja so toll im Griff h├Ątten und ihnen alles gel├Ąnge, vielleicht auch nur das Gesellschaftsspiel mitbetreiben. Der zuf├Ąllige Blick hinter die Kulissen offenbart, dass sie an genau den gleichen Fragen knabbern, mit ihnen hadern und auch nur von Zeitfenster zu Zeitfenster schauen. Weil ihnen niemand die Cheatcodes f├╝r perfekte Existenz mitgeteilt hat. Und wenn doch, dann nur auf Kosten anderer Personen.

Als mein Vater vor f├╝nfeinhalb Jahren starb, war das ein gewisser Z├Ąsurpunkt. Gar nicht in einem Sinne, dass ich mich selbst zum endg├╝ltigen Erwachsenwerden aufgefordert habe. Sondern dass es einfach passierte. Speziell die zw├Âlf Monate danach waren von Ver├Ąnderungen gepr├Ągt, die sich besonders beruflich niederschlugen. Dort habe ich ein neues Level erreicht, welches anfangs nur sehr m├╝hevoll und mittlerweile deutlich einfacher erreicht wurde. Mittlerweile habe ich gelernt, dass alle nur schauspielern und es dem pers├Ânlichen Moralkompass nicht schadet, wenn man auch etwas Selbstmarketing betreibt. Dennoch habe ich nie ├╝bertrieben und werde nie ├╝bertreiben, das ist nicht mein Typ. Und damit lebe ich sehr gut.

Da die Liebste mir etwas voraus ist, wei├č ich seit Kurzem, dass auch Anfang Vierzig kein Zustand ist, in dem man morgens aufwacht und alles in Frage stellt. Das w├Ąre auch nicht meine Natur. Wir werden einfach achtsamer f├╝r Details, sie ist mir da aber meilenweit voraus. Das ist unfassbar erdend, gibt Halt. In einer immer lauten und gef├╝hlt t├Ąglich neu fragilen Welt ist das wesentlich, vor allem wenn st├Ąndig neue Opportunit├Ąten propagiert werden und man als junger Mensch vermutlich nahe dem geistigen Ausnahmezustand sein muss. Es ist gerade zu wohltuend, jetzt nicht zwanzig Jahre j├╝nger zu sein und sich diesem Irrsinn w├Ąhrend der parallel stattfindenden Pers├Ânlichkeitsbildung unterwerfen zu m├╝ssen.

Morgen wird ein Tag sein wie heute und ├╝bermorgen, wie gestern und die Woche zuvor. Aber ich werde wieder einen Schritt n├Ąher an der Erkenntnis sein, dass die Gelassenheit gr├Â├čer wird. Darauf freue ich mich.